Cover: Aladdin und die Wunderlampe

Saudi-Arabien

Aladdin und die Wunderlampe

Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.

Land
Saudi-Arabien
Alter
6–10 Jahre
Dauer
12 Min.
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Aladdin und die Wunderlampe

In einer großen Stadt des Orients lebte ein armer Schneider namens Mustafa mit seiner Frau und seinem Sohn Aladdin.

Aladdin hatte ein gutes Herz, doch für Arbeit konnte er sich nur schwer begeistern. Viel lieber streifte er mit Freunden durch die Straßen, spielte und erfand Abenteuer, als neben seinem Vater zu sitzen und das Handwerk zu lernen.

„Eines Tages wirst du deinen eigenen Weg wählen müssen“, sagte Mustafa oft. „Träumen ist gut. Aber Träume brauchen Hände, die arbeiten können.“

Aladdin nickte dann und lief kurz darauf wieder hinaus.

Als Mustafa nach einer Krankheit starb, blieb der Junge mit seiner Mutter allein. Sie verdiente etwas Geld mit Nähen und Spinnen. Aladdin begann langsam zu verstehen, dass eine sorglose Kindheit nicht ewig dauern konnte.

Eines Tages sprach ihn auf dem Markt ein fremder Mann in kostbarer Kleidung an.

„Bist du nicht der Sohn von Mustafa, dem Schneider?“

„Ja“, antwortete Aladdin.

Der Fremde ergriff bewegt seine Hände.

„Dann bist du mein Neffe! Ich bin der Bruder deines Vaters. Viele Jahre war ich in fernen Ländern unterwegs und erst jetzt bin ich zurückgekehrt.“

In Wahrheit war der Mann überhaupt nicht mit Aladdin verwandt. Er war ein Zauberer, der wegen einer einzigen Sache aus einem fernen Land gekommen war: einer alten Lampe, die in einer magischen Höhle verborgen lag. Seinen Berechnungen zufolge konnte nur ein Junge wie Aladdin sie holen.

Aladdin und seine Mutter ahnten nichts davon.

Der Mann brachte Geschenke mit, erzählte von fernen Ländern und versprach, dem Jungen später einen Laden zu eröffnen.

„Zuerst möchte ich dir etwas Erstaunliches zeigen“, sagte er am nächsten Tag. „Komm mit vor die Stadt.“

Sie gingen lange durch Gärten und anschließend durch ein steiniges Tal zwischen Hügeln.

Schließlich blieb der Zauberer bei einer flachen Felsplatte stehen. Er legte trockene Kräuter auf den Boden, murmelte unverständliche Worte, und die Erde bebte leicht.

Vor ihnen erschien eine Steinplatte mit einem kupfernen Ring.

Aladdin trat einen Schritt zurück.

„Was ist das?“

„Der Eingang zu einem unterirdischen Garten“, antwortete der Zauberer. „Dort befindet sich etwas, das ich brauche. Du steigst hinunter, findest eine alte Lampe und bringst sie mir.“

Er steckte dem Jungen einen schlichten Ring an den Finger.

„Das ist ein Schutzring. Verlier ihn nicht.“

Die Platte hob sich und gab eine Treppe nach unten frei.

„Und denk daran“, sagte der Zauberer. „Berühre nichts, bevor du die Lampe hast.“

Aladdin stieg hinab.

Unter der Erde fand er keine dunkle Höhle, sondern einen unglaublichen Garten. An den Bäumen funkelten statt gewöhnlicher Früchte rote, grüne, blaue und durchsichtige Steine. Aladdin wusste nicht, dass es Rubine, Smaragde, Saphire und Diamanten waren, und steckte einfach ein paar hübsche „Glasstücke“ in die Taschen.

Am Ende des Gartens stand eine Nische. Darin brannte eine alte, rußige Lampe.

Aladdin löschte die Flamme, goss das restliche Öl aus und steckte die Lampe unter sein Gewand.

Als er zum Ausgang zurückkam, streckte der Zauberer ungeduldig die Hände aus.

„Die Lampe! Gib mir die Lampe!“

„Helft mir zuerst heraus“, antwortete Aladdin. „Es ist zu eng. Ich kann nicht gleichzeitig klettern und sie hervorholen.“

„Nein! Erst die Lampe!“

Aladdin wurde misstrauisch.

„Warum ist sie Euch so wichtig?“

Der Zauberer merkte, dass der Junge Verdacht schöpfte. Wütend sprach er einen Zauberspruch, und die Steinplatte schloss sich.

Dunkelheit umgab Aladdin.

„He! Öffnet!“, rief er.

Keine Antwort. Der Zauberer ging fort und glaubte, weder den Jungen noch die Lampe je wiederzusehen.

Aladdin suchte lange nach einem anderen Ausgang. Erschöpft setzte er sich auf eine Stufe und rieb gedankenlos die Hände. Dabei streifte der Ring an einen Stein.

Sofort flammte ein sanftes blaues Licht auf.

„Ich bin der Geist des Rings“, erklang eine Stimme. „Wie kann ich dir helfen?“

Aladdin war so überrascht, dass er fast vergaß zu antworten.

„Ich will nach Hause!“

Das Licht wirbelte wie Wind um ihn herum. Im nächsten Augenblick stand er vor seinem eigenen Haus.

Seine Mutter lief ihm entgegen.

„Wo warst du? Ich wusste nicht mehr, was ich denken sollte!“

Aladdin erzählte alles und zeigte die alte Lampe.

„Wenigstens etwas Nützliches aus diesem Abenteuer“, seufzte seine Mutter. „Wir können sie putzen und für ein paar Münzen verkaufen.“

Sie nahm ein Tuch und rieb über das Kupfer.

Goldener Nebel füllte den Raum. Daraus erhob sich ein gewaltiger, freundlich wirkender Geist.

„Ich bin der Geist der Lampe. Solange die Lampe in euren Händen ist, erfülle ich die Befehle ihres Besitzers.“

Aladdins Mutter ließ sich vor Schreck auf einen Stuhl sinken.

Nach dem ersten Staunen sagte Aladdin:

„Wenn du kannst, bring uns etwas zu essen. Wir sind sehr hungrig.“

Augenblicklich standen Platten mit duftendem Reis, Früchten, Brot und Süßigkeiten auf dem Tisch.

So entdeckte Aladdin das Geheimnis der Lampe.

Zunächst verlangte er nur wenig: Essen, Stoff für seine Mutter und Geld für notwendige Dinge. Auch die bunten „Steine“ aus dem unterirdischen Garten bewahrte er auf. Später erklärten ihm Juweliere, wie wertvoll sie waren.

Aladdin hätte nun einfach von der Magie leben können. Doch das Erlebnis in der Höhle hatte ihn verändert.

Er lernte Handel, hörte erfahrenen Handwerkern genauer zu, half seiner Mutter und gewöhnte sich daran, nicht alles sofort auszugeben.

Eines Tages fuhr die Tochter des Sultans durch die Stadt. Aladdin sah die Prinzessin nur aus der Ferne, bemerkte aber ihren ruhigen Blick und wie sie ihre Begleitung anhielt, damit eine alte Frau mit einem Korb den Weg überqueren konnte.

Am Abend sagte er:

„Mutter, ich würde gern darum bitten, die Prinzessin kennenzulernen. Wenn wir einander mögen, möchte ich später um ihre Hand anhalten.“

Seine Mutter hätte beinahe das Wollknäuel fallen lassen.

„Mein Sohn, der Sultan weiß nicht einmal, wer du bist!“

„Dann soll er es erfahren.“

Aladdin legte die Edelsteine aus dem unterirdischen Garten in eine Schale und bat seine Mutter, sie dem Sultan als Geschenk zu bringen.

Der Sultan staunte über die Schönheit der Steine. Noch mehr interessierte ihn jedoch die Geschichte von dem jungen Mann, der aus einer sorglosen Jugend herausgewachsen war und nun lernen wollte, Verantwortung zu tragen.

Er erklärte sich zu einem Treffen bereit.

Mit Hilfe des Lampengeistes erschien Aladdin in prächtiger Kleidung im Palast, verschwieg aber seine Herkunft nicht.

„Ich bin der Sohn eines Schneiders“, sagte er. „Mir sind außergewöhnliche Möglichkeiten zugefallen. Aber ich weiß, dass Reichtum allein niemanden klug macht.“

Die Prinzessin sprach selbst mit ihm. Sie fragte nach der Stadt, nach den Menschen und danach, was er tun würde, wenn er eines Tages Verantwortung für andere trüge.

Aladdin antwortete offen.

Mit der Zeit entschieden sie sich, zu heiraten.

Aladdin bat den Geist der Lampe, in der Nähe des Sultanspalastes ein schönes Haus mit Gärten und großen Sälen zu errichten. Über Nacht war es fertig.

Einer der Säle hatte vierundzwanzig hohe Fenster, die mit Edelsteinen geschmückt waren. Ein Fenster ließ Aladdin absichtlich unvollendet.

„Warum?“, fragte der Sultan.

„Damit menschliche Handwerker versuchen können, es mit ihrer eigenen Kunst fertigzustellen.“

Die besten Juweliere arbeiteten lange, doch niemand konnte das wundersame Muster vollkommen nachbilden. Aladdin gab ihnen die verwendeten Edelsteine zurück und ließ schließlich den Lampengeist das Werk vollenden.

Die Jahre vergingen. Aladdin und die Prinzessin lebten glücklich miteinander. Er half der Stadt, unterstützte Handwerker und vergaß nie, wie bescheiden sein eigenes Zuhause einmal gewesen war.

Weit entfernt erfuhr der Zauberer inzwischen, dass Aladdin überlebt hatte.

„Die Lampe!“, begriff er. „Sie ist noch bei ihm.“

Er kehrte in die Stadt zurück. Mit Gewalt konnte er die Lampe nicht bekommen, also griff er zu einer List.

Als Aladdin nicht zu Hause war, lief ein Händler durch die Straßen und rief:

„Neue Lampen gegen alte! Ich tausche neue Lampen gegen alte!“

Die Leute lachten über das seltsame Angebot.

Eine Dienerin im Palast erinnerte sich an die alte rußige Lampe unter Aladdins Sachen.

Vielleicht freut sich der Hausherr über eine neue, dachte sie und tauschte sie ein.

Der Zauberer wartete kaum, bis er allein war. Dann rieb er die Lampe.

„Bring den Palast mit allen Menschen darin weit fort von hier!“, befahl er.

Im nächsten Augenblick war der Palast verschwunden.

Als Aladdin zurückkam, lag an seiner Stelle nur noch leeres Land.

Der Sultan war verzweifelt wegen seiner Tochter. Aladdin versprach, sie zu finden, und machte sich auf den Weg.

Den Schutzring hatte er noch.

Er rieb ihn und rief den Geist des Rings.

„Kannst du den Palast zurückbringen?“

„Die Macht der Lampe ist größer als meine“, antwortete der Geist. „Aber ich kann dich dorthin bringen, wo der Palast jetzt steht.“

Im nächsten Augenblick befand Aladdin sich in einem fernen Land vor den vertrauten Mauern.

Die Prinzessin sah ihn aus dem Fenster und ließ ihn heimlich hinein.

„Der Zauberer hat die Lampe“, sagte sie. „Er trägt sie ständig bei sich und glaubt, jetzt gehöre alles ihm.“

„Dann kämpfen wir nicht mit stärkerer Magie gegen ihn“, antwortete Aladdin. „Wir überlisten ihn.“

Gemeinsam machten sie einen Plan.

Am folgenden Abend lud die Prinzessin den Zauberer zum Essen ein und tat so, als wolle sie den Streit beenden.

„Ihr seid so weit gereist“, sagte sie. „Erzählt mir von euren Ländern. Ich habe einen beruhigenden Kräutertee vorbereitet.“

Der Zauberer war so sicher, gewonnen zu haben, dass er nicht bemerkte, dass der Tee ihn schläfrig machte.

Schon bald nickte er am Tisch ein.

Die Prinzessin nahm vorsichtig die Lampe aus seiner Tasche und gab sie Aladdin.

Aladdin rieb sie.

„Bring unseren Palast nach Hause.“

Goldener Nebel hüllte die Mauern ein. Als er sich verzog, lag vor den Fenstern wieder die vertraute Stadt.

Der Zauberer erwachte ohne Lampe, wurde der Wache übergeben und aus dem Land verbannt.

Es schien, als sei nun alles vorbei.

Doch der Zauberer hatte einen jüngeren Bruder. Als dieser von der Niederlage erfuhr, beschloss er, sich zu rächen.

Er kam in die Stadt und hörte von einer weisen Reisenden namens Fatima, die mit Kräutern heilte und gute Ratschläge gab.

Der Betrüger schüchterte Fatima ein und brachte sie dazu, die Stadt für einige Tage zu verlassen. Dann zog er ihre Kleidung an und verbarg sein Gesicht unter einem Schleier.

Die Prinzessin ahnte nichts und lud die vermeintliche Fatima in den Palast ein.

Der Gast betrachtete den wunderschönen Saal.

„Hier fehlt nur eines“, sagte er. „Direkt unter der Kuppel müsste ein riesiges Ei des magischen Vogels Roch hängen. Dann wäre dieser Saal der erstaunlichste der Welt.“

Als Aladdin zurückkam, erzählte die Prinzessin von dem Rat.

„Wenn es möglich ist, warum nicht?“, sagte er und rieb die Lampe.

Doch diesmal beeilte sich der Geist nicht.

„Aladdin, jemand versucht dich zu täuschen“, warnte er. „Die Person, die sich als Fatima ausgibt, hat schlechte Absichten. Die echte weise Frau ist weit außerhalb der Stadt.“

Aladdin rief sofort die Wache.

Der Betrüger merkte, dass er entlarvt war, und versuchte zu fliehen, wurde aber festgehalten. Bald fand man auch die echte Fatima, die alles bestätigte.

Auch der falsche Gast wurde aus dem Land geschickt.

Danach dachte Aladdin lange über die Lampe nach.

Sie hatte ihm unzählige Möglichkeiten gegeben. Doch zweimal wäre großes Unglück entstanden, weil andere Menschen ihre Macht besitzen wollten.

„Magie sollte uns helfen, nicht über uns herrschen“, sagte er zur Prinzessin.

Sie versteckten die Lampe an einem sicheren Ort und benutzten sie nur noch, wenn sie wirklich gebraucht wurde.

Aladdin war längst nicht mehr der Junge, der jeder Aufgabe davonlief. Er hatte gelernt, vorauszudenken, Fehler einzugestehen und Verantwortung für seine Entscheidungen zu übernehmen.

Als der Sultan später alt wurde, übernahmen Aladdin und die Prinzessin mehr Aufgaben im Land. Sie berieten sich miteinander, unterstützten Handwerker, halfen Menschen in Not und vergaßen nie, dass der wahre Wert weder in Edelsteinen noch in einer Zauberlampe lag.

Denn das größte Wunder geschah nicht in dem Augenblick, als ein Geist aus der Lampe erschien.

Das größte Wunder war, dass aus einem sorglosen Jungen ein Mensch wurde, dem man große Macht anvertrauen konnte.

Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨