

Frankreich
Basa-Jauna
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Frankreich
- Alter
- 7–10 Jahre
- Dauer
- 10 Min.

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Basa-Jauna
In einem grünen Land am Fuß der Pyrenäen lebte eine Bauernfamilie. Die Mutter hatte drei Söhne und eine kleine Tochter. Die Jungen waren neugierig, kräftig und voller Tatendrang. Sie wollten wissen, was hinter den nächsten Hügeln lag, hinter dem dunklen Wald und hinter der Straße, die sich zwischen den Bergen verlor.
Eines Morgens sagten sie zu ihrer Mutter:
„Lass uns ein wenig auf Reisen gehen. Wir kommen zurück, sobald wir genug von der Welt gesehen haben.“
Die Mutter ließ ihre Söhne nur ungern fort. Doch sie wusste: Wenn das Herz nach der Ferne ruft, lässt es sich mit Warnungen allein nicht aufhalten. Sie gab jedem ein rundes Brot, wickelte etwas Käse ein und ermahnte sie, zusammenzubleiben.
„Der Weg ist freundlich zu denen, die aufmerksam sind“, sagte sie. „Streitet nicht und lasst keinen von euch allein.“
Die Brüder versprachen es und brachen auf.
Den ganzen Tag wanderten sie auf Pfaden zwischen den Hügeln. Gegen Abend kamen sie in einen so dichten Wald, dass man den Himmel nur noch als schmale Streifen zwischen den Baumkronen sah.
„Wir müssen einen Platz für die Nacht finden“, sagte der Älteste.
Er kletterte auf einen Baum und sah sich um, entdeckte aber nichts. Der mittlere Bruder versuchte es ebenfalls. Ringsum lagen nur dunkle Wellen aus Wald.
Da stieg der Jüngste auf die höchste Kiefer.
„Ich sehe etwas!“, rief er von oben. „Ganz weit hinten steigt ein dünner Rauchfaden auf!“
Sie gingen in diese Richtung.
Als es völlig dunkel geworden war, erhob sich zwischen den Bäumen ein großes steinernes Schloss. In einigen Fenstern brannte Licht. Die Brüder klopften.
Basa-André, die Herrin des Waldhauses, öffnete.
„Wer seid ihr, und was macht ihr nachts hier?“, fragte sie.
„Wir sind Reisende. Wir brauchen nur eine Ecke bis zum Morgen.“
Basa-André sah sich besorgt um.
„Hier lebt Basa-Jauna, der Herr dieses Waldhauses. Er mag keine unangekündigten Gäste. Wenn er euch findet, kann er sehr zornig werden.“
„Draußen ist es dunkel, und wir finden den Weg nicht mehr“, sagten die Brüder. „Lasst uns wenigstens die Nacht abwarten.“
Die Frau ließ sie herein und versteckte sie in verschiedenen Winkeln der großen Küche.
Bald donnerten schwere Schritte vor der Tür.
Basa-Jauna kam herein, legte seinen nassen Mantel ab, schnupperte und runzelte die Stirn.
„Jemand ist im Haus.“
„Das bildest du dir ein“, sagte Basa-André.
„Nein. Ich rieche Menschen.“
Schließlich musste sie den ältesten Bruder hervorholen.
Basa-Jauna betrachtete ihn unter seinen dichten Brauen.
„Kannst du arbeiten?“
„Ja.“
„Dann bleib hier und arbeite im Haus.“
Auf dieselbe Weise fand er den zweiten und schließlich den dritten Bruder. Statt die Jungen in die Nacht hinauszuwerfen, behielt Basa-Jauna sie im Schloss.
Doch der Dienst war schwer. Vom Morgengrauen bis zum Abend schleppten die Brüder Holz, reparierten Zäune, hielten Wege in Ordnung und halfen bei allen Arbeiten. Basa-Jauna war streng und mochte keinen Widerspruch.
Monate vergingen, dann Jahre.
Zu Hause wurde die kleine Schwester älter. Oft fragte sie ihre Mutter nach den Brüdern, doch die Mutter konnte nur seufzen. Niemand wusste, wohin die drei verschwunden waren.
Eines Tages hörte das Mädchen zufällig, dass ihre Brüder damals in Richtung des fernen Waldes gezogen waren. Sie beschloss, sie zu suchen.
Die Mutter gab ihr ein Brot für unterwegs und eine Spindel, damit ihre Hände bei den Pausen eine vertraute Beschäftigung hatten.
„Sei vorsichtig“, sagte sie. „Und vergiss nicht: Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut bedeutet, auch dann weiterzudenken, wenn man Angst hat.“
Das Mädchen ging lange. Gegen Abend sah sie einen dünnen Rauchfaden über den Bäumen und später das gleiche steinerne Schloss.
Basa-André öffnete die Tür.
„Noch eine Reisende?“, fragte sie überrascht.
„Ich suche Arbeit und einen Platz für die Nacht“, antwortete das Mädchen, ohne sofort von seinen Brüdern zu erzählen.
Auch Basa-Jauna ließ sie im Haus arbeiten.
In den ersten Tagen erkannten die Geschwister einander nicht. Als sie getrennt wurden, war die Schwester noch sehr klein gewesen. Doch eines Tages sang sie leise ein Lied, das die Mutter früher zu Hause für ihre Kinder gesungen hatte.
Der älteste Bruder erstarrte.
„Woher kennst du dieses Lied?“
Sie nannte den Namen ihrer Mutter.
Im nächsten Augenblick lagen sich alle vier in den Armen und lachten unter Tränen.
„Wir kehren gemeinsam nach Hause zurück“, sagte der mittlere Bruder.
Doch bald bemerkten die Brüder etwas Beunruhigendes. Ihre Schwester wurde von Tag zu Tag blasser und müder.
„Was ist mit dir?“, fragte der Jüngste.
Das Mädchen wollte sie nicht erschrecken, doch schließlich erzählte es:
„Jeden Abend befiehlt mir Basa-Jauna, meinen kleinen Finger durch ein winziges Loch in der Tür seines Zimmers zu stecken. Er berührt ihn mit einem seltsamen Zauber. Danach fühle ich mich, als hätte jemand alle Kraft aus mir gezogen.“
Die Brüder wurden wütend, doch ihre Schwester hielt sie zurück.
„Wenn wir uns einfach auf ihn stürzen, verlieren wir. Wir müssen klüger handeln.“
Am nächsten Tag, als Basa-André unterwegs war, schmiedeten sie einen Plan.
Am Abend erzählten die Brüder Basa-Jauna, sie hätten weit hinten in einer Schlucht ein merkwürdiges Licht und die Spuren eines unbekannten Tieres gesehen.
Der Herr des Waldes wollte sofort nachsehen.
Sie führten ihn zu einem schmalen Pfad zwischen Felsen. Dort rollten die Brüder einige schwere Baumstämme, die sie vorher bereitgelegt hatten, in den Durchgang und versperrten ihm den Weg.
Basa-Jauna brüllte so laut, dass Blätter von den Zweigen fielen.
„Macht auf!“
„Nein“, antwortete die Schwester aus sicherer Entfernung. „Wir werden nicht länger deine unfreiwilligen Diener sein. Und meine Kraft wirst du mir auch nicht mehr nehmen.“
Basa-Jauna tobte noch lange. Schließlich wandte er sich ab und nahm einen anderen Pfad, immer tiefer in die Berge hinein.
Zum Schloss kehrte er nicht zurück.
Es schien, als wäre die Gefahr vorbei. Doch Basa-André verstand bald, was geschehen war. Sie sagte nichts und wurde nur auffallend still.
An diesem Abend wärmte die Schwester Wasser, damit ihre Brüder nach der schweren Arbeit die Füße waschen konnten.
Basa-André gab ihr drei kleine Zähnchen.
„Wirf in jede Schüssel eines davon. Das hilft gegen die Müdigkeit.“
Das Mädchen glaubte ihr.
Kaum berührten die Füße der Brüder das Wasser, füllte silbriger Nebel den Raum. Als er sich verzog, standen anstelle der drei jungen Männer drei große Ochsen da.
„Was habt Ihr getan?!“, rief die Schwester.
Basa-André wandte sich nur ab.
„In einem Waldhaus haben alte Zauber ihre alten Regeln.“
Von nun an führte das Mädchen seine verzauberten Brüder auf grüne Wiesen. Es sprach mit ihnen, obwohl sie nicht mit menschlicher Stimme antworten konnten, und suchte jeden Tag nach einem Weg, den Zauber zu lösen.
Eines Morgens kamen sie über eine steinerne Brücke über einen Bach. Unter der Brücke sah das Mädchen Basa-André Kräuter sammeln.
Die Schwester stellte sich vor sie.
„Ich gehe nicht fort, bis ich weiß, wie ich meine Brüder zurückbekomme. Wir wollen Euch nichts Böses. Wir wollen nur nach Hause.“
Basa-André betrachtete sie lange. Vielleicht hatte sie mit Drohungen oder Rache gerechnet. Doch das Mädchen stand ruhig vor ihr.
Schließlich sagte die Frau:
„Im Tal hinter der Brücke wächst eine Hasel. Schneide drei dünne Zweige ab. Berühre jeden Ochsen dreimal leicht mit seinem Zweig und sprich dabei den Namen des Bruders so aus, wie eure Mutter ihn gerufen hat.“
Das Mädchen lief ins Tal, fand die Hasel und tat alles genau so.
Einmal.
Zweimal.
Dreimal.
Über dem ersten Ochsen stieg Nebel auf. Als er verschwand, stand dort wieder der älteste Bruder.
Dann kehrte der mittlere zurück.
Und zuletzt der jüngste.
Was für eine Freude! Sie umarmten einander, redeten alle gleichzeitig und lachten so laut, dass das Echo zwischen den Hügeln rollte.
Basa-André packte ihre Sachen und beschloss, das Schloss zu verlassen.
Bevor sie ging, sagte sie:
„Der Wald erinnert sich an Gutes und an Kränkungen. Lebt so, dass er sich an euch mit Gutem erinnert.“
Die Brüder und ihre Schwester kehrten zur Mutter zurück.
Später kamen sie noch einmal zu dem steinernen Schloss und öffneten seine Türen für Reisende.
Von da an wusste jeder, der sich im Wald verirrte und über den Bäumen einen dünnen Rauchfaden sah: Dort gab es Feuer, Wasser und einen sicheren Platz für die Nacht.
Und wenn jemand fragte, wem das Haus gehörte, antworteten die vier Geschwister:
„Denen, die wissen, wie man zusammenhält.“
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
