

Südkorea
Birnenblüte und ihre hochmütige Schwester
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Südkorea
- Alter
- 5–9 Jahre
- Dauer
- 9 Min.

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Birnenblüte und ihre hochmütige Schwester
In einem koreanischen Dorf lebte ein Mädchen namens Birnenblüte.
Als sie noch klein war, starb ihre Mutter, und sie wuchs mit ihrem Vater auf.
Birnenblüte war ruhig, aufmerksam und sehr fleißig.
Sie fegte den Hof, half beim Trocknen des Reises, holte Wasser und ließ immer ein wenig Korn für die Vögel zurück, die zum alten Birnbaum kamen.
Später heiratete ihr Vater erneut.
Seine neue Frau brachte eine Tochter ungefähr im selben Alter mit.
Anfangs freute sich Birnenblüte.
Sie dachte, nun hätte sie eine Schwester, mit der sie am Abend reden und zu Festen gehen konnte.
Doch die Stiefmutter lobte ständig ihre eigene Tochter und verglich beide Mädchen.
„Sieh nur, wie sauber meine Tochter ist! Und du bist schon wieder bis zu den Ellbogen voller Mehl.“
Die Tochter machte mit.
„Du bist immer in der Küche oder im Hof. Ein richtiges Ferkelchen!“
Bald blieb das verletzende Wort an Birnenblüte hängen.
Es tat ihr weh.
Doch sie antwortete nicht mit derselben Härte.
Nur einmal sagte sie ruhig:
„Ich habe einen Namen. Bitte nennt mich Birnenblüte.“
Niemand hörte auf sie.
Der Vater arbeitete viel außerhalb des Hauses und bemerkte lange nicht, wie viele Aufgaben man seiner älteren Tochter überließ.
Die Stiefmutter gab Birnenblüte immer mehr Arbeit.
Eines Tages bereitete sich das ganze Dorf auf ein großes Fest vor.
Auf dem Platz sollten Musiker spielen. Händler würden bunte Bänder, süße Reiskuchen und Obst verkaufen.
Birnenblüte wollte ebenfalls hingehen.
„Darf ich kommen, wenn ich mit allem fertig bin?“
Die Stiefmutter stellte einen großen Sack Reis vor sie.
„Zuerst säuberst du jedes Korn. Dann füllst du diesen Krug mit Wasser.“
Der Krug war alt und hatte unten einen Riss.
So viel Wasser man auch hineingoss, es lief wieder heraus.
Nachdem Stiefmutter und Tochter gegangen waren, setzte sich Birnenblüte traurig auf die Veranda.
„Wenn ich bis zum Abend arbeite, ist das Fest längst vorbei.“
Da flogen Tauben vom Birnbaum herunter.
Eine setzte sich neben den Reissack.
Eine auf den Rand eines Korbes.
Dann kamen weitere.
Birnenblüte teilte jeden Tag ihre Körner mit ihnen.
Nun schienen die Vögel die Freundlichkeit zurückzugeben.
Pick-pick, raschel-raschel.
Gemeinsam sortierten sie den Reis.
Bald war die Arbeit fertig.
Nur der Krug blieb.
Birnenblüte füllte Wasser hinein.
Sofort floss ein dünner Strahl durch den Riss.
„So ein Pech“, seufzte sie.
Hinter ihr kicherte jemand.
„Hihi. Der Krug kann nichts dafür, dass er ein Loch hat.“
Birnenblüte drehte sich um.
Am Zaun stand ein kleiner Tokkebi, ein schelmischer Geist aus koreanischen Geschichten.
Er war zerzaust, lächelte breit und hielt einen Klumpen Ton in der Hand.
„Wer bist du?“
„Jemand, der weiß, dass man Risse besser repariert, als einen Krug dafür auszuschimpfen.“
Er strich Ton über die Stelle, klopfte mit einem Finger dagegen und sagte:
„Nun probier es noch einmal.“
Diesmal blieb das Wasser im Krug.
„Danke!“
„Dank mir nicht zu sehr. Merk dir lieber: Eine unmögliche Aufgabe wird manchmal möglich, sobald man das wirkliche Problem gefunden hat.“
Der Tokkebi verschwand so plötzlich, wie er gekommen war.
Birnenblüte schaffte es rechtzeitig zum Fest.
Sie hörte Musik, sah den Tänzen zu und kaufte sich von einigen selbst verdienten Münzen ein kleines blaues Band.
Als die Stiefmutter sie auf dem Platz entdeckte, staunte sie.
„Wie hast du alles geschafft?“
„Mir haben diejenigen geholfen, denen ich früher geholfen habe.“
Die Stiefschwester hörte das.
Sie dachte jedoch nicht an Güte, sondern nur an Belohnungen.
„Wenn magische Wesen ihr helfen, sollen sie mir auch helfen“, beschloss sie.
Einige Tage später wollte die Familie in die Berge gehen.
Wieder musste Birnenblüte zu Hause bleiben.
„Zuerst jätest du den ganzen Garten.“
Nach dem Regen war so viel Unkraut gewachsen, dass man die Wege kaum noch sah.
Birnenblüte nahm einen Korb und begann zu arbeiten.
Da erschien am Gartentor ein großer schwarzer Ochse.
Ruhig ging er zwischen den Beeten entlang und fraß das junge Unkraut, ohne das Gemüse anzurühren.
„Wie klug du bist“, lachte das Mädchen.
Als die Arbeit getan war, führte der Ochse sie zu einem Baum voller reifer Früchte.
Birnenblüte pflückte nur einige.
„Der Rest bleibt für Vögel und Reisende.“
Am nächsten Tag wollte die Schwester genau dasselbe erleben.
Sie suchte den schwarzen Ochsen.
Doch statt zu beobachten und zuzuhören, befahl sie sofort:
„Führ mich zu den Zauberfrüchten!“
Der Ochse ging in Richtung Wiese.
Das Mädchen folgte ihm hastig und verließ bald den Weg.
Nichts Schlimmes geschah.
Aber sie stapfte durch nasses Gras, ruinierte ihre Festschuhe und suchte lange nach Hause.
Birnenblüte lachte nicht über sie.
Sie brachte Wasser, half beim Reinigen der Kleidung und sagte:
„Hilfe ist kein Automat, aus dem Geschenke fallen. Wenn du Gutes nur wegen einer Belohnung tust, ist es schnell nicht mehr wirklich gut.“
Die Schwester zog ein Gesicht, antwortete aber nicht.
Im selben Sommer lernte Birnenblüte auf einem Dorffest einen jungen Mann namens Su-wen kennen.
In alten Geschichten fällt Menschen oft zuerst Schönheit auf.
Su-wen bemerkte etwas anderes.
Am Straßenrand hatte sich ein kleines Kind verirrt.
Birnenblüte hörte zuerst sein Weinen, beruhigte es und half, seine Eltern zu finden.
Su-wen schloss sich der Suche an.
„Kanntest du die Familie?“, fragte er später.
„Nein.“
„Warum hast du dich dann so gekümmert?“
Birnenblüte sah ihn erstaunt an.
„Das Kind hatte Angst. Braucht man einen anderen Grund?“
Su-wen lächelte.
Von da an begegneten sie sich auf Märkten, am Fluss und bei gemeinsamer Arbeit im Dorf.
Sie redeten über Bücher, Felder, Wetter, Vögel und darüber, wie leicht Menschen andere nach Kleidung oder Aussehen beurteilen.
Mit der Zeit wurden sie Freunde.
Als sie älter waren, verstanden beide, dass sie zusammenbleiben wollten.
Für Birnenblüte war jedoch noch etwas anderes wichtig.
Sie hatte gelernt, nicht mehr zu schweigen, wenn man sie unfair behandelte.
Eines Abends bat sie die ganze Familie an den Tisch.
„Ich liebe dieses Haus“, sagte sie. „Aber ich will nicht länger mit einem verletzenden Spitznamen gerufen werden und die gesamte Arbeit allein tragen. Ich werde der Familie helfen, doch die Aufgaben müssen geteilt werden.“
Ihr Vater senkte den Blick.
„Ich hätte es früher sehen müssen. Verzeih mir.“
Die Stiefmutter wollte widersprechen.
Doch ihre eigene Tochter sagte plötzlich leise:
„Sie hat recht.“
Alle sahen sie an.
„An dem Tag in den Bergen hätte sie über mich lachen können. Stattdessen hat sie mir geholfen. Ich habe so oft über sie gelacht. Das tut mir leid.“
Die Veränderung kam nicht an einem einzigen Tag.
Aber sie kam.
Die Arbeit wurde verteilt.
Der beleidigende Spitzname verschwand.
Die Schwestern lernten langsam, miteinander zu sprechen, ohne alles in einen Wettbewerb zu verwandeln.
Als Birnenblüte und Su-wen später beschlossen, gemeinsam in die Zukunft zu gehen, fragte ihr Vater:
„Was wünschst du dir als Geschenk?“
Sie dachte nach.
„Eine kleine Tonfigur eines schwarzen Ochsen.“
„Nur das?“
„Nur das. Damit ich mich daran erinnere: Echte Hilfe macht einen Menschen nicht größer als andere. Sie hilft nur, ein schwieriges Stück des Weges zu überwinden.“
Die Figur stand später am Fenster.
Neben dem Haus wuchs weiterhin der alte Birnbaum.
Jeden Frühling kamen die Tauben zurück.
Birnenblüte streute ihnen noch immer ein wenig Korn hin.
Nicht weil sie auf einen magischen Lohn wartete.
Sondern weil Güte ohne Berechnung bereits Grund genug war.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
