Cover: Budulínek und die schlaue Liška

Tschechien

Budulínek und die schlaue Liška

Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.

Land
Tschechien
Alter
4–8 Jahre
Dauer
7 Min.
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Budulínek und die schlaue Liška

Ein Junge namens Budulínek lebte mit seiner Großmutter in einem kleinen Haus am Waldrand.

Jeden Morgen ging die Großmutter zur Arbeit in ein Nachbardorf.

Bevor sie ging, stellte sie das Mittagessen auf den Tisch und sagte:

„Budulínek, dein Essen ist fertig. Und vergiss nicht: Solange ich nicht da bin, öffnest du keinem Fremden die Tür.“

„Mache ich nicht, Großmutter“, versprach der Junge.

Eines Tages ließ sie ihm eine Schüssel duftende Suppe zurück.

Kaum war sie hinter der Wegbiegung verschwunden, klopfte es.

Klopf, klopf, klopf.

„Wer ist da?“, fragte Budulínek.

„Ich bin es, Liška!“, erklang eine fröhliche Stimme. „Der Fuchs aus dem Wald. Mach bitte auf!“

„Großmutter hat gesagt, ich soll nicht öffnen.“

„Und wenn ich dich auf meinem flauschigen Schwanz reiten lasse?“, fragte Liška süß. „Stell dir vor: wirrrr! Um den Tisch, um den Ofen, ganz schnell!“

Budulínek dachte nach.

„Nur ein einziges Mal...“

Er öffnete die Tür.

Liška schlüpfte hinein.

„Und? Reiten wir jetzt?“, fragte Budulínek.

„Natürlich, natürlich. Aber zuerst... was für eine herrliche Suppe!“

Der Fuchs sprang zum Tisch und leerte die ganze Schüssel.

„Jetzt muss ich gehen!“, sagte er und huschte hinaus.

„Und das Reiten?!“

Doch Liška war schon im Wald verschwunden.

Am Abend sah die Großmutter die leere Schüssel und den traurigen Budulínek.

„Du hast die Tür geöffnet?“

Der Junge gestand es.

„Sie hat versprochen, mich auf ihrem Schwanz reiten zu lassen.“

„Versprechen von Fremden sind nicht immer ehrlich“, sagte die Großmutter. „Morgen versuchst du dich daran zu erinnern.“

Am nächsten Tag stand Brei auf dem Tisch.

Und wieder:

Klopf, klopf, klopf.

„Budulínek! Ich bin es, Liška!“

„Nein. Ich mache nicht auf.“

„Gestern hatte ich es schrecklich eilig. Heute lasse ich dich ganz bestimmt auf meinem Schwanz reiten. Ganz ehrlich!“

Budulínek biss sich auf die Lippe.

Er wollte so gern einmal mitfahren.

„Ganz bestimmt?“

„Bestimmter geht es nicht!“

Die Tür öffnete sich einen Spalt.

Liška schlüpfte hinein, aß den Brei und lief wieder fort.

Am Abend schüttelte die Großmutter nur den Kopf.

„Wenn jemand zweimal sein Versprechen gebrochen hat, wird das dritte Versprechen nicht zuverlässiger, nur weil es schöner klingt.“

Budulínek nickte.

Am dritten Tag ließ die Großmutter ihm einen Topf Erbsen zurück.

Budulínek beschloss, früh zu essen, damit Liška nichts davon bekam.

Doch wieder klopfte es.

„Budulínek! Mach auf!“

„Nein!“

„Heute will ich gar nichts essen. Ich lasse dich nur auf meinem Schwanz reiten. Das wolltest du doch so gern!“

Budulínek nahm seine Schüssel und setzte sich ans Fenster.

„Ich glaube dir nicht.“

Liška sah die Erbsen und begann zu schwärmen.

„Wie schön sie aussehen! Ich will nur daran riechen. Nur eine Sekunde!“

Der Fuchs bat so lange, bis Budulínek wieder nachgab.

Kaum öffnete sich die Tür, steckte Liška die Nase in die Schüssel und fraß die Erbsen auf.

„Schon wieder hast du mich hereingelegt!“, rief Budulínek.

„Gut. Diesmal bekommst du wirklich deine Fahrt.“

Liška breitete den großen Schwanz aus.

Budulínek setzte sich darauf.

Zuerst sausten sie durchs Zimmer.

Wirrrr!

Um den Tisch.

Wirrrr!

Um den Ofen.

Budulínek lachte.

Plötzlich schoss Liška zur Tür hinaus.

„Halt! Wohin fahren wir?“

„Auf einen richtigen Ausflug!“

Der Fuchs raste über den Waldweg und brachte den Jungen zu seinem Bau.

Dort lebten drei kleine Füchse.

„Seht, wen ich mitgebracht habe!“, sagte Liška.

Die Fuchskinder freuten sich über einen neuen Spielgefährten.

Sie wollten durch die Tunnel rennen, Blätterhaufen bauen, Eicheln verstecken und sie wieder suchen.

Zuerst machte Budulínek begeistert mit.

Als es draußen dunkel wurde, sagte er:

„Ich muss jetzt nach Hause zu Großmutter.“

„Morgen“, sagte Liška.

Am nächsten Tag wollte der Fuchs ihn wieder nicht gehen lassen.

Nun begriff Budulínek:

Aus dem lustigen Ausflug war eine Falle geworden.

Zu Hause kam die Großmutter zurück und sah die offene Tür.

„Budulínek!“

Sie suchte beim Brunnen.

Im Garten.

Auf dem Weg.

Sie fragte die Nachbarn.

Niemand hatte den Jungen gesehen.

Einige Tage später kam ein wandernder Musikant mit einer kleinen Drehorgel zum Haus.

Er spielte eine fröhliche Melodie.

Doch die Großmutter begann zu weinen.

„Warum macht Euch die Musik traurig?“, fragte er.

Sie erzählte ihm von Budulínek und Liška.

„Ich wandere viel durch den Wald“, sagte der Musikant. „Ich werde gut zuhören.“

Er zog weiter.

Am dritten Tag hörte er zwischen den Kiefern eine leise Stimme aus der Erde:

„Großmutter...“

In der Nähe war ein Fuchsbau.

Der Musikant stellte seine Drehorgel ab und begann zu spielen.

Tara-ra-ra! Tili-li-li!

Die kleinen Füchse steckten ihre Nasen heraus.

„Mama, da ist Musik!“

Auch Liška wurde neugierig.

Der Musikant spielte weiter und ging dabei langsam vom Bau weg.

Die Fuchskinder liefen hinterher.

Liška folgte ihnen, weil sie die Kleinen nicht allein lassen wollte.

Da kroch Budulínek durch einen zweiten Ausgang aus dem Bau.

„Hierher!“, rief der Musikant leise.

Der Junge lief zu ihm.

Liška drehte sich um und begriff, dass man sie ausgetrickst hatte.

„Er ist doch selbst auf meinen Schwanz gestiegen!“, rief sie.

„Das stimmt“, sagte der Musikant. „Aber wenn jemand sagt, dass er nach Hause möchte, muss man ihn gehen lassen.“

Liška senkte die Ohren.

„Das stimmt.“

„Und fremdes Mittagessen nimmt man auch nicht“, fügte Budulínek hinzu.

„Das stimmt ebenfalls“, seufzte der Fuchs.

Liška versprach, den Jungen nie wieder wegzulocken und kein fremdes Essen zu stehlen.

Der Musikant brachte Budulínek nach Hause.

Die Großmutter war so froh, dass sie ihn lange nicht aus der Umarmung ließ.

„Dreimal kannte ich die Regel und dreimal habe ich sie gebrochen“, sagte Budulínek schuldbewusst.

„Wichtig ist nicht nur, wie oft man einen Fehler macht“, sagte die Großmutter. „Wichtig ist, ob man danach lernt, besser auf sich aufzupassen.“

Am nächsten Morgen klopfte es wieder.

„Wer ist da?“, fragte Budulínek.

„Liška. Ich habe einen Korb Pilze für deine Großmutter gebracht. Darf ich ihn vor der Tür stehen lassen?“

Budulínek lächelte.

„Stell ihn hin. Wenn Großmutter zurückkommt, holen wir ihn gemeinsam herein.“

„Gut“, sagte Liška.

Diesmal täuschte niemand jemanden.

Von da an wusste Budulínek:

Eine interessante Einladung kann warten.

Sicherheit ist wichtiger als ein paar Minuten Spaß.

Und ein echter Freund bittet dich nicht darum, eine Regel zu brechen, die dich schützen soll.

Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨