Cover: Warum Hund und Katze sich streiten

China

Warum Hund und Katze sich streiten

Tiere, wie Bräuche entstanden

Land
China
Alter
3–7 Jahre
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Warum Hund und Katze sich streiten

Vor langer Zeit lebten in einem Haus ein Mann und eine Frau. Bei ihnen wohnten auch ein Hund und ein Kater.

Das Ehepaar besaß einen goldenen Ring. Die beiden hielten ihn für ein hübsches altes Schmuckstück und ahnten nicht, dass es ein Glücksring war.

Solange er im Haus lag, gab es in der Vorratskammer immer genug Getreide, im Garten wuchs das Gemüse gut, und jede Arbeit schien ein wenig leichter von der Hand zu gehen.

Eines Tages brauchten die beiden dringend Geld und verkauften den Ring für eine sehr kleine Summe an einen Händler.

Bald darauf ging im Haus alles schief.

Mal fiel die Ernte dürftig aus, mal musste das Dach repariert werden, mal gingen die Vorräte schneller zur Neige als erwartet.

Auch Hund und Kater bemerkten die Veränderungen.

Eines Abends saßen sie vor einem leeren Napf.

„Früher war es bei uns fröhlicher“, seufzte der Hund.

„Und in meinem Schälchen war mehr Milch“, stimmte der Kater zu.

Der Hund dachte nach.

„Alles hat sich verändert, seit unsere Leute den goldenen Ring weggegeben haben.“

Der Kater spitzte die Ohren.

„Glaubst du, es liegt an ihm?“

„Wir müssen ihn zurückholen und es herausfinden.“

Sie erfuhren, dass der Ring jetzt in einer stabilen Truhe in einem Haus am anderen Flussufer aufbewahrt wurde.

„Ich kann mich fast überall hindurchzwängen“, sagte der Kater. „Aber die Truhe kann ich nicht öffnen.“

„Und ich kann schnell laufen und gut schwimmen“, antwortete der Hund. „Dafür passe ich nicht durch ein schmales Fenster.“

Da bemerkte der Kater eine kleine Maus, die unter einem Brett hervorlugte.

„Wir brauchen deine Hilfe“, sagte er höflich.

Die Maus wurde misstrauisch.

„Wobei denn?“

Der Kater erklärte ihr alles.

„An der Truhe gibt es eine kleine Ecke aus Holz. Dort könntest du ein Loch hineinnagen, groß genug für eine Pfote.“

„Und was bekomme ich dafür?“

Der Hund überlegte und sagte:

„Wenn das Glück zurückkommt, findet sich in unserer Vorratskammer immer eine Handvoll Getreide für dich.“

„Abgemacht“, sagte die Maus.

Die drei Freunde machten sich auf den Weg.

Bald erreichten sie den breiten Fluss.

Der Kater blieb direkt am Wasser stehen.

„Das gefällt mir überhaupt nicht.“

„Setz dich auf meinen Rücken“, sagte der Hund. „Ich kann gut schwimmen.“

Vorsichtig setzte sich der Kater auf den Rücken des Hundes, und die Maus versteckte sich im Katzenfell, damit sie nicht nass wurde.

Der Hund schwamm los.

Plitsch, platsch, plitsch, platsch.

Die Strömung war stark, doch der Hund erreichte sicher das andere Ufer.

Beim Haus blieb er im Schatten zurück und wartete.

„Hier endet mein Teil der Arbeit“, flüsterte er. „Von jetzt an seid ihr leiser als ich.“

Der Kater und die Maus schlüpften durch ein angelehntes Fenster hinein.

Sie fanden das Zimmer mit der Truhe.

Die Maus machte sich an die Arbeit.

Knabber, knabber, knabber, knabber.

Bald war ein kleines Loch im Holz.

Der Kater steckte seine Pfote hindurch, hakte den Ring mit einer Kralle ein und zog ihn heraus.

„Da ist er!“

Sie kehrten zum Hund zurück.

Wieder schwammen sie über den Fluss, und alle drei machten sich auf den Heimweg.

Unterwegs stellte sich jedoch heraus, dass der Kater eine Abkürzung nehmen konnte.

Wenn ein Haus vor ihm stand, sprang er über den Zaun, lief durch den Hof und kletterte aufs Dach.

Der Hund dagegen musste jeden Zaun auf der Straße umgehen.

„Ich laufe voraus“, sagte der Kater. „Wir müssen den Ring so schnell wie möglich zurückbringen.“

„Gut“, antwortete der Hund. „Aber erzähl unseren Leuten, dass wir es gemeinsam geschafft haben.“

Der Kater flitzte über die Dächer und kam als Erster zu Hause an.

Er legte den Ring vor das Ehepaar.

„Unser Ring!“, rief die Frau.

„Wie hast du ihn bloß gefunden?“, fragte der Mann erstaunt.

Der Kater schnurrte nur.

Vielleicht war er zu müde. Vielleicht dachte er, der Hund würde alles selbst erzählen. Oder vielleicht gefiel es ihm einfach, gestreichelt und gelobt zu werden.

„Was für ein kluger Kater!“, freuten sich die beiden. „Wir müssen gut für ihn sorgen.“

Bald kam der Hund angelaufen.

Er war von der Flussüberquerung noch nass, müde und voller Straßenstaub.

Als er sah, wie der Kater Leckerbissen bekam, fragte er:

„Hast du erzählt, dass wir den Ring gemeinsam zurückgebracht haben? Dass ich euch über den Fluss getragen habe und die Maus die Truhe geöffnet hat?“

Der Kater senkte den Blick.

„Nein … ich bin noch nicht dazu gekommen.“

„Noch nicht dazu gekommen?“, sagte der Hund gekränkt. „Für die Leckerbissen hattest du aber Zeit!“

Der Kater schnaubte:

„Ich habe den Ring als Erster nach Hause gebracht.“

„Aber ohne mich wärst du nicht einmal über den Fluss gekommen!“

„Und ohne mich hättest du die Truhe nicht erreicht!“

„Und ohne die Maus hätte niemand den Ring herausbekommen!“, bellte der Hund.

Da lugte die Maus hinter dem Schrank hervor.

„Endlich denkt auch jemand an mich.“

Hund und Kater verstummten.

Beide schämten sich ein wenig.

Natürlich verstanden die Menschen ihr Gespräch nicht. Doch der Ring war wieder da, und bald ging es im Haus wieder bergauf.

Man sagt, seitdem streiten Katzen und Hunde oft darüber, wer von ihnen wichtiger ist.

Und wenn Mäuse solch einen Streit hören, verstecken sie sich leise und denken:

„Hätten sie von Anfang an ehrlich geteilt, wem der Erfolg zu verdanken war, hätten sie sich viele Streitereien erspart!“

Denn selbst die schönste gemeinsame Tat kann mit einer Kränkung enden, wenn jemand die einfachen Worte vergisst: „Wir haben das zusammen geschafft.“