Cover: Black Beauty

Weltweit

Black Beauty

Meine früheste Erinnerung ist eine große grüne Wiese mit einem klaren Teich, Weiden am Wasser und einem warmen Schuppen ganz in der Nähe. Ich war ein schwarzes Fohlen mit einem weißen Stern auf der Stirn und einem weißen

Land
Weltweit
Alter
8–13 Jahre

Black Beauty

Meine früheste Erinnerung ist eine große grüne Wiese mit einem klaren Teich, Weiden am Wasser und einem warmen Schuppen ganz in der Nähe. Ich war ein schwarzes Fohlen mit einem weißen Stern auf der Stirn und einem weißen Bein. Meine Mutter, die sanfte Stute Duchess, brachte mir einfache Dinge bei, die mir später oft im Leben halfen.

„Sei freundlich“, sagte sie. „Beiße nicht und schlage nicht aus, auch nicht beim Spielen. Arbeite ehrlich, wenn man dich ehrlich behandelt, und vergiss nie: Stärke ohne Güte ist nichts wert.“

Unser Besitzer war genau so: ruhig und aufmerksam. Er ließ die Jungen keine Steine nach Pferden werfen, überlastete uns nicht und sprach mit uns, als würden wir alles verstehen. Vielleicht verstanden wir nicht jedes Wort, aber seine Stimme und seine Hände verstanden wir sehr gut.

Als ich vier Jahre alt war, gewöhnte man mich an Sattel, Zaumzeug und Kutsche. Unser Besitzer machte alles langsam. Ich fürchtete das kalte Eisen im Maul, wunderte mich über die Hufeisen und ärgerte mich über die Riemen, doch niemand schrie mich an oder schlug mich. So lernte ich, dem Menschen zu vertrauen, der die Zügel hielt.

Bald kaufte mich Gutsherr Gordon, und ich zog nach Birtwick Park. Dort nannte man mich zum ersten Mal Black Beauty. Im Stall lebten das kleine fröhliche Pony Merrylegs und die fuchsrote Stute Ginger. Sie war schroff und misstrauisch. Später erfuhr ich, dass man sie früher grob behandelt hatte und sie sich deshalb mit Zähnen und Hufen zu verteidigen gelernt hatte. In Birtwick waren der Stallmeister John Manly und sein Helfer James geduldig, und Ginger wurde allmählich sanfter.

In jenen Jahren lernte ich, dass gute Pflege kein Luxus ist. Sie bedeutet Wasser zur rechten Zeit, trockene Einstreu, Ruhe nach einer Fahrt, ein gut angepasstes Geschirr und einen Menschen, der merkt, wenn ein Pferd müde ist.

Einmal zogen Ginger und ich unseren Herrn bei einem schweren Sturm. Ein großer Baum fiel auf die Straße, und wir mussten einen anderen Weg nehmen. Vor einer Brücke blieb ich plötzlich stehen. Man trieb mich an, aber ich spürte Gefahr und rührte mich nicht. Später stellte sich heraus, dass das Wasser die Brücke beschädigt hatte. Wären wir weitergefahren, hätte die Kutsche in den Fluss stürzen können. Seitdem achtete unser Herr noch genauer darauf, dass ein Pferd manchmal etwas sieht oder hört, was einem Menschen entgeht.

In einer anderen Nacht hielten wir an einem Gasthof. Im Stall hatte ein unvorsichtiger Junge eine brennende Pfeife neben dem Heu liegen lassen. Ein Feuer brach aus. Rauch füllte rasch den Raum, und die Pferde gerieten in Panik. Einige Menschen versuchten, sie mit Gewalt hinauszuzerren, doch ein verängstigtes Pferd versteht nicht immer, wohin man es führt. James kam ruhig zu mir, sprach mit vertrauter Stimme, bedeckte meine Augen mit einem Tuch und führte mich hinaus. Auch die anderen wurden so gerettet. Da begriff ich erneut: In der Gefahr ist Vertrauen stärker als die Peitsche.

Doch die glückliche Zeit in Birtwick ging zu Ende. Die Familie Gordon musste ins Ausland ziehen, und die Pferde wurden verkauft. Ginger und ich kamen auf ein anderes Gut. Dort mochte die Herrin es, wenn Pferde die Köpfe unnatürlich hoch hielten, weil sie das schön fand. Dafür benutzte man straffe Riemen. Ginger wehrte sich, und ich ertrug es, obwohl mir Hals und Maul schmerzten. Menschen nennen oft etwas Mode, das einem Tier Qualen bereitet, solange sie den Riemen nicht selbst spüren.

Danach änderte sich mein Leben viele Male. Ein unvorsichtiger Kutscher trieb mich auf einer dunklen Straße zu schnell an. Ich stürzte und verletzte mir die Knie. Danach galt ich nicht mehr als makelloses Paradepferd und ging von einem Besitzer zum nächsten.

Der beste meiner späteren Besitzer war der Londoner Droschkenkutscher Jerry Barker. Er hatte eine Frau namens Polly, eine Tochter namens Dolly und einen Sohn namens Harry. In seinem Hof hörte ich wieder freundliche Stimmen. Jerry ließ ein Pferd nicht unnötig laufen, gönnte uns Pausen und weigerte sich, uns zu erschöpfen, selbst wenn ein Fahrgast mehr Geld versprach.

„Dass ein Pferd nicht sprechen kann, bedeutet nicht, dass es nicht müde wird“, sagte er.

Auf Londons Straßen sah ich Hunderte Pferde. Manche waren gut gepflegt, andere konnten sich kaum auf den Beinen halten. Einmal erkannte ich bei einem Park in einer erschöpften fuchsroten Stute Ginger. Sie sah der stolzen Schönheit aus Birtwick überhaupt nicht mehr ähnlich. Man hatte sie immer wieder verkauft, über ihre Kräfte arbeiten lassen, und sie hatte die Hoffnung auf die Menschen verloren. Wir konnten nur kurz nebeneinander stehen. Später erfuhr ich, dass ihr schwerer Weg zu Ende gegangen war. Ich erinnerte mich lange an sie und dachte daran, wie anders ihr Schicksal hätte sein können, wenn jeder Besitzer Güte als Pflicht und nicht als Gunst betrachtet hätte.

Auch Jerry musste nach einer schweren Krankheit seine Arbeit als Droschkenkutscher aufgeben. Wieder wurde ich verkauft. Danach kamen Besitzer, denen Geld wichtiger erschien als ein lebendiges Pferd. Ich zog viel zu schwere Wagen, arbeitete hungrig, fror im Regen und brach eines Tages vor Erschöpfung mitten auf der Straße zusammen.

Ich dachte, das sei das Ende. Doch der Bauer Thoroughgood sah mich mit seinem Enkel Willie. Der Junge bat seinen Großvater, mir eine Chance zu geben. Sie kauften mich billig, brachten mich auf ihren Hof und verlangten nur eines von mir: mich auszuruhen. Weiches Gras, sauberes Wasser, gutes Futter und Ruhe bewirkten, was Schläge und Zwang nicht bewirken konnten. Ich wurde wieder kräftig.

Als es Zeit war, ein dauerhaftes Zuhause für mich zu finden, brachte mich der Bauer zu drei freundlichen Damen. Ihr junger Stallknecht betrachtete aufmerksam meinen weißen Stern, mein weißes Bein und die kleine Narbe am Hals.

„Bist du es wirklich? Black Beauty?“, rief er.

Ich sah ihn genauer an. Es war Joe Green, der frühere Helfer in Birtwick Park, der inzwischen ein erwachsener Stallknecht geworden war.

Er streichelte meinen Hals, erzählte den Damen, wer ich war, und versprach, dass mich niemand mehr wegen meiner alten Narben schlecht behandeln würde.

So bekam ich mein letztes Zuhause. Die Arbeit war leicht, der Stall warm und die Menschen aufmerksam. Man versprach mir, mich niemals wieder zu verkaufen.

Manchmal träume ich vor dem Einschlafen von der ersten Wiese, den Apfelbäumen in Birtwick, Merrylegs und Ginger. Mein Leben war lang und wechselvoll, aber eines habe ich gelernt: Ein Tier erinnert sich sowohl an Schmerz als auch an Güte. Und wenn ein Mensch die Macht hat, über ein schwächeres Wesen zu bestimmen, ist das Beste, was er mit dieser Macht tun kann, gerecht zu sein.

May this story leave a little light in your heart ✨