Cover: Das Feuerzeug

Dänemark

Das Feuerzeug

Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.

Land
Dänemark
Alter
7–11 Jahre
Dauer
10 Min.
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Das Feuerzeug

Ein Soldat wanderte die Straße entlang. Nach langem Dienst kehrte er nach Hause zurück. Er ging fröhlich, obwohl er nur einen Rucksack trug und in seiner Tasche nicht viele Münzen klirrten.

„Links, rechts, links, rechts“, sang er leise vor sich hin.

Vor ihm, neben einem uralten Baum, stand eine fremde Frau in einem dunklen Umhang.

„Guten Abend, Soldat“, sagte sie. „Ich sehe, du bist mutig. Möchtest du so viel Geld verdienen, wie du tragen kannst?“

Der Soldat blieb stehen.

„Das klingt zu gut, um wahr zu sein.“

Die Frau deutete auf eine große Höhlung im Baum.

„Dort drinnen liegt eine unterirdische Halle. Sie hat drei Zimmer mit drei Truhen. In einer sind Kupfermünzen, in der zweiten Silbermünzen und in der dritten Goldmünzen. Du kannst nehmen, so viel du möchtest.“

„Und was brauchst du?“

„Nur ein altes Feuerzeug. Es liegt unten. Für dich ist es ein ganz gewöhnlicher Gegenstand.“

Der Soldat kratzte sich am Kopf.

„Das ist alles?“

„Alles.“

Die Frau band ihm ein starkes Seil um, und der Soldat stieg in die Höhlung hinab.

Unten lag tatsächlich eine große Halle, die von Hunderten kleiner Lampen erleuchtet wurde. Das erste Zimmer stand offen. Neben einer Truhe saß ein Hund mit Augen so groß wie Teetassen.

Der Soldat hielt still.

Der Hund sah ihn an.

Der Soldat sah den Hund an.

„Guten Abend“, sagte er schließlich. „Ich bleibe nicht lange.“

In der Nähe lag eine alte Schürze, von der die Frau gesprochen hatte. Der Soldat breitete sie aus. Gehorsam setzte der Hund sich darauf, und die Truhe öffnete sich.

Sie war voller Kupfermünzen.

„Nicht schlecht“, sagte der Soldat und nahm ein paar Handvoll.

Im zweiten Zimmer saß ein Hund mit Augen so groß wie Wagenräder. Hinter ihm stand eine Truhe voller Silber.

Im dritten Zimmer saß der größte Hund. Seine Augen leuchteten wie runde Turmfenster. In der Truhe lag Gold.

Der Soldat füllte seine Taschen, seinen Rucksack und sogar seine Stiefel mit Goldmünzen.

„Jetzt reicht es“, sagte er. „Sonst komme ich nicht mehr heraus.“

In einer Ecke lag das alte Feuerzeug. Es sah unscheinbar aus: dunkel und abgenutzt, als hätte man es viele Jahre lang gebraucht.

Der Soldat nahm es und rief:

„Zieh mich hoch!“

Die Frau zog ihn hinauf.

„Gib mir das Feuerzeug“, sagte sie sofort.

Der Soldat wurde misstrauisch.

„Sag mir erst, wozu du es brauchst.“

„Das geht dich nichts an.“

„Dann habe ich auch keine Eile, es dir zu geben.“

Lange stritten sie. Schließlich riss die Frau ärgerlich das Seil an sich und sagte:

„Behalte es! Wir werden sehen, ob es dir Glück bringt.“

Sie ging die Straße entlang und verschwand bald zwischen den Bäumen.

Der Soldat zuckte mit den Schultern, steckte das Feuerzeug ein und ging zur Stadt.

Die Stadt war groß und voller Lärm. Der Soldat mietete das beste Zimmer in einem Gasthaus, kaufte neue Kleider und lebte einige Tage, als hätte er unendlich viel Gold.

Er bewirtete neue Bekannte, half denen, die ihn darum baten, kaufte alles, was ihm gefiel, und zählte sein Geld kaum.

Doch Gold hat eine seltsame Eigenschaft: Wenn man es nur ausgibt, ist es irgendwann fort.

Bald zog der Soldat aus seinem prächtigen Zimmer in eine kleine Kammer unter dem Dach.

Eines Abends war es dort ganz dunkel.

„Nicht einmal eine Kerze ist übrig“, murmelte er.

Da fiel ihm das Feuerzeug ein.

„Wenigstens dafür wird es gut sein.“

Er schlug einmal Feuer.

Die Tür öffnete sich, und vor ihm stand der Hund mit den Augen so groß wie Teetassen.

„Was befehlt Ihr?“, fragte der Hund.

Beinahe ließ der Soldat das Feuerzeug fallen.

„Du kannst sprechen?“

Der Hund nickte höflich.

„Wenn du schon fragst, bring mir etwas Geld.“

Der Hund verschwand und kam einen Augenblick später mit einem Beutel Kupfermünzen zurück.

Der Soldat schlug zweimal Feuer. Der zweite Hund erschien und brachte Silber.

Er schlug ein drittes Mal Feuer. Der größte Hund kam mit Gold.

„Das war also das Geheimnis dieses Feuerzeugs!“, rief der Soldat.

Von da an lebte er vorsichtiger. Einen Teil des Geldes gab er aus, einen Teil sparte er, und einen Teil schenkte er Menschen, die Hilfe brauchten.

In der Stadt hörte er oft von der Prinzessin, die in einem hohen Kupferschloss wohnte. König und Königin erlaubten kaum jemandem, ihre Tochter zu sehen. Eine alte Weissagung hatte angeblich vorhergesagt, dass sie sich einmal selbst einen Mann wählen würde, der nicht aus einer Königsfamilie stammte.

„Eine seltsame Regel“, dachte der Soldat. „Die Prinzessin lebt ja wie in einem schönen Käfig.“

Eines Nachts gewann seine Neugier.

Er schlug einmal Feuer, und der kleine Hund erschien.

„Ich würde gern die Prinzessin sehen. Aber ohne sie zu erschrecken.“

Bald kehrte der Hund zurück und sagte:

„Sie schläft in ihrem Zimmer. Ich kann dich zu ihrem Balkon führen.“

Der Soldat war einverstanden.

Leise kamen sie zum Kupferschloss. Durch das offene Fenster sah man die Prinzessin. Sie schlief, und neben ihr lag ein Buch.

Der Soldat warf nur einen Blick hinein und sagte:

„Genug. Wir wollen sie nicht stören.“

Doch von einem leisen Geräusch erwachte die Prinzessin. Sie sah den großen Hund und den Fremden beim Balkon.

„Wer seid Ihr?“

„Ein Mensch, der unvernünftig gehandelt hat, weil seine Neugier ihn zu weit geführt hat“, antwortete der Soldat ehrlich. „Verzeiht. Ich gehe sofort.“

Die Prinzessin staunte.

„Wartet. Ihr seid der Erste, der nicht hierherkommt, um um meine Hand anzuhalten oder mit seinem Titel zu prahlen.“

Sie unterhielten sich nur wenige Minuten. Dann ging der Soldat fort.

Am Morgen erzählte die Prinzessin ihren Eltern vom nächtlichen Gast. Der König wurde zornig.

„Niemand darf in das Schloss eindringen!“

Er befahl der Wache, den Fremden zu finden.

In der nächsten Nacht folgte man dem Soldaten unbemerkt. Er wurde ergriffen und in einen Turm gesperrt.

„Morgen findet das Gericht statt“, sagte der Hauptmann der Wache. „Der König ist sehr zornig.“

Der Soldat setzte sich an das kleine Fenster.

Das Feuerzeug war im Gasthaus geblieben.

„Nun ist es so weit“, dachte er. „Ich hätte die Grenzen anderer Menschen achten sollen.“

Am Morgen lief ein Schusterjunge unter dem Fenster vorbei.

„He!“, rief der Soldat. „Möchtest du vier Münzen verdienen?“

„Natürlich!“

„In meinem Zimmer im Gasthaus liegt ein altes Feuerzeug. Bring es mir.“

Der Junge rannte so schnell er konnte und kam gerade noch rechtzeitig zurück.

Auf dem Platz hatten sich schon der König, die Königin, die Ratgeber und die Stadtbewohner versammelt. Man führte den Soldaten vor das Gericht.

„Du hast gegen das Gesetz verstoßen und bist ins Schloss eingedrungen“, sagte der König.

„Ja“, antwortete der Soldat. „Ich leugne meine Schuld nicht. Aber ich habe der Prinzessin nichts angetan.“

Der König wollte befehlen, ihn abzuführen. Doch der Soldat bat:

„Lasst mich nur einmal mit meinem Feuerzeug Feuer schlagen. Das ist meine letzte Bitte vor dem Urteil.“

Der König winkte mit der Hand.

Der Soldat schlug einmal Feuer, zweimal, dreimal.

Alle drei Hunde erschienen auf dem Platz.

Die Menschen staunten. Die Wachen wichen zurück.

„Tut niemandem etwas“, sagte der Soldat schnell zu den Hunden. „Beschützt mich nur, bis wir eine ehrliche Einigung gefunden haben.“

Der große Hund setzte sich zwischen den Soldaten und die Wachen. Der zweite nahm den nächsten Wächtern vorsichtig die Schwerter ab und legte sie auf einen Haufen. Der dritte sprang auf den Tisch der Ratgeber, und alle Papiere flogen durch die Luft.

Auf dem Platz brach lautes Gelächter aus.

Sogar die Prinzessin musste lächeln.

„Vater“, sagte sie, „auch ich habe etwas dazu zu sagen. Er ist tatsächlich ohne Erlaubnis gekommen, aber er ging, als ich ihn darum bat. Und jetzt, da er Macht hat, hat er seinen Ungeheuern befohlen, niemandem wehzutun.“

Der König betrachtete die drei wunderlichen Hunde, dann seine Tochter und dann den Soldaten.

„Was willst du?“

Der Soldat dachte nach.

Früher hätte er geantwortet: Gold, einen Palast, einen Titel.

Doch nun sagte er:

„Freiheit für mich. Und ein wenig mehr Freiheit für die Prinzessin, damit sie selbst entscheiden kann, mit wem sie spricht und wie sie lebt.“

Auf dem Platz wurde es still.

Lange schwieg der König.

„Das ist schwieriger, als der Wache Befehle zu geben“, sagte er schließlich. „Aber anscheinend ist es Zeit, einige alte Regeln zu ändern.“

Der Soldat wurde freigelassen.

Die Prinzessin ging nun häufiger in die Stadt und lernte, selbst Entscheidungen zu treffen. Bald war sie nicht mehr wegen ihres Kupferschlosses bekannt, sondern wegen ihres Verstandes und ihrer Gerechtigkeit.

Der Soldat blieb ihr Freund. Mit der Zeit wurde ihre Freundschaft tiefer, doch niemand drängte den anderen zur Eile.

Das Zauberfeuerzeug bewahrte er in einem einfachen Holzkästchen auf.

Nun benutzte er es nur noch selten.

Denn er hatte verstanden: Macht zu besitzen bedeutet nicht, sie jedes Mal gebrauchen zu müssen, wenn man es kann.

Gerade dafür achteten ihn die drei Zauberhunde am meisten.

Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨