

Indien
Das kleine Lamm
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Indien
- Alter
- 3–6 Jahre
- Dauer
- 6 Min.

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Das kleine Lamm
Ein kleines Lamm war so fröhlich, dass selbst ein gewöhnlicher Weg für es wie der Anfang eines Abenteuers wirkte.
Eines Morgens wachte es auf und erklärte:
„Heute besuche ich Großmutter!“
Die Großmutter lebte weit entfernt, hinter einem Wald und mehreren Hügeln. Das Lamm liebte ihre Leckereien, ihr warmes Haus und die langen Geschichten am Abend.
Es verabschiedete sich von seiner Familie und hüpfte den Weg entlang.
„Tapp-tapp, hüpf-hüpf! Zu Großmutter geht es schnell!“
Es war noch nicht weit gekommen, da trat ein Schakal aus dem Gebüsch.
„Wohin gehst du denn, Kleines?“, fragte er und leckte sich über die Lippen.
Das Lamm merkte, dass ihm diese Begegnung nicht gefiel, verlor aber nicht den Kopf.
„Zu meiner Großmutter! Jetzt bin ich von der langen Reise ganz mager. Wenn ich zurückkomme, bin ich ausgeruht und gut gefüttert. Dann können wir weiterreden!“
Und es sang sogar ein kleines Lied:
„Zu Großmutter geh ich heut,
dort gibt’s Kraft und Herzlichkeit.
Komm ich später hier vorbei,
reden wir vielleicht dabei!“
Der Schakal dachte nach.
„Na gut. Geh.“
Das Lamm hüpfte weiter.
Etwas später saß ein großer Geier auf einem Felsen.
„Lämmchen, Lämmchen, wohin so eilig?“
„Zu Großmutter!“
„Willst du nicht lieber hier bei mir bleiben?“
Das Lamm sang wieder sein Lied. Der Geier beschloss zu warten und ließ es passieren.
Danach begegnete ihm ein Tiger.
Nach dem Tiger ein Wolf.
Nach dem Wolf ein großer Hund.
Und über dem Weg kreiste auch noch ein Adler.
Jeder fragte, wohin das Lamm unterwegs sei, und jedem antwortete es mit demselben Lied.
Schließlich erreichte es das Haus der Großmutter.
„Großmutter!“, rief es schon an der Tür. „Ich freue mich so, dich zu sehen!“
Die Großmutter nahm es in die Arme.
„Und ich habe auf dich gewartet. Komm, wir essen.“
Auf dem Tisch standen warmer Brei, frische Milch, duftende Fladen und süße Früchte.
Das Lamm aß, ruhte sich aus, spielte rund um das Haus und wurde innerhalb weniger Tage wieder kräftig und rund.
Als es Zeit wurde heimzugehen, erinnerte es sich an alle, die unterwegs auf seine Rückkehr warteten.
„Großmutter“, flüsterte es, „auf dem Hinweg habe ich einen Schakal, einen Geier, einen Tiger, einen Wolf, einen Hund und einen Adler getroffen. Alle sagten, sie würden auf mich warten.“
Die Großmutter dachte nach.
„Dann gehst du nicht einfach so zurück.“
Hinter dem Haus wuchsen große Kürbisse. Einer war rund, leicht und innen bereits trocken.
Die Großmutter schnitt vorsichtig eine kleine Tür hinein, polsterte das Innere mit weicher Wolle aus und befestigte an den Seiten kleine Holzscheiben.
Als sie den Kürbis leicht anschob, rollte er über den Weg:
„Tum-pa! Tum-tu!
Tum-pa! Tum-tu!“
„Das wird dein Trommelwagen“, sagte die Großmutter. „Setz dich hinein und roll los. Aber denk daran: Du musst nicht jedem antworten, der dich ruft.“
Das Lamm kroch hinein, schloss die kleine Tür und machte sich auf den Heimweg.
„Tum-pa! Tum-tu!
Tum-pa! Tum-tu!“
Bald entdeckte der Adler das seltsame runde Gefährt.
„Trommelchen, Trommelchen! Hast du das Lamm gesehen?“
Von innen kam eine dünne Stimme:
„Weiß ich nicht, weiß ich nicht,
weiter geht die Reise schlicht!
Tum-pa, tum-tu,
ich rolle immerzu!“
Der Adler wunderte sich, doch der Kürbis war schon weitergerollt.
Genauso kam das Lamm am Hund, am Wolf, am Tiger und am Geier vorbei.
Jeder fragte:
„Hast du das Lamm gesehen?“
Und der Trommelwagen antwortete immer gleich.
Das Lamm hatte den sicheren Weg fast erreicht, als der Schakal auftauchte.
Er war schlauer als die anderen.
„Trommelchen, Trommelchen! Hast du das Lamm gesehen?“
Das Lamm antwortete mit seinem Lied.
Der Schakal legte den Kopf schief.
„Diese Stimme kenne ich doch.“
Er trat näher.
„Lämmchen, bist du da drin?“
Im Kürbis wurde es still.
Doch das Lamm hatte noch einen Plan. Seine Großmutter hatte im Inneren eine kleine Schnur befestigt. Es zog daran, und eine Handvoll trockener Blätter rieselte dem Schakal direkt auf die Nase.
„Hatschi!“
Während er sich die Nase rieb, stemmte sich das Lamm mit allen vier Beinen ab.
Der Kürbis sauste den Hügel hinunter.
„TUM-PA! TUM-TU!
TUM-PA! TUM-TU!“
Der Schakal lief hinterher, doch der Trommelwagen wurde immer schneller.
Unten begann schon der Weg zum Dorf. Dort arbeiteten Menschen, Ziegen weideten und Hunde liefen über die Felder.
Als der Schakal sie sah, hielt er es für klüger, in den Wald zurückzukehren.
Das Lamm rollte direkt bis in seinen eigenen Hof.
„Ich bin wieder da!“, rief es und kletterte aus dem Kürbis.
Die Familie umringte es, und das Lamm erzählte ausführlich von der Großmutter, dem großen Essen und der ungewöhnlichen Heimreise.
„Dann hast du also alle ausgetrickst?“, fragten sie.
Das Lamm überlegte.
„Nicht ganz. Großmutter hat mir geholfen, wir hatten einen guten Plan, und ich habe nicht den Mut verloren.“
Den Kürbis-Trommelwagen stellte es neben das Haus.
Und wenn jemand fragte, was dieses merkwürdige Ding sei, lachte das Lamm, klopfte mit dem Huf dagegen und sagte:
„Tum-pa! Tum-tu! Das ist das lustigste Verkehrsmittel der Welt!“
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
