

Philippinen
Das kluge Ehepaar
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Philippinen
- Alter
- 7–11 Jahre
- Dauer
- 7 Min.

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Das kluge Ehepaar
Pedro arbeitete viele Jahre im Haus eines Arztes. Er half im Garten, trug Wasser und erledigte alles, was im Haushalt anfiel.
Eines Tages bemerkte der Arzt, dass Pedro ungewöhnlich still war.
„Was ist los?“
Pedro seufzte.
„Ich möchte Marta heiraten. Wir mögen uns schon lange. Aber ich habe weder ein eigenes Geschäft noch Ersparnisse. Ich fürchte, ich kann keine Familie versorgen.“
Der Arzt dachte nach.
„Wenn ihr beide das wirklich wollt, sollte Armut nicht allein über euer Leben entscheiden. Ich helfe euch beim Anfang.“
Pedro und Marta heirateten.
Der Arzt ließ sie in einem kleinen Haus in der Nähe wohnen und gab ihnen etwas Geld.
Zuerst waren beide glücklich.
Sie kauften Geschirr, neue Matten und schöne Kleidung.
Sie luden Freunde ein.
Nur mit Geld umgehen konnten sie nicht besonders gut.
„Ein wenig können wir noch ausgeben“, sagte Pedro.
„Später überlegen wir weiter“, antwortete Marta.
Monate vergingen.
Dann Jahre.
Eines Tages war die Geldbörse leer.
„Wir müssen etwas tun“, sagte Marta und sah in die fast leere Vorratskammer.
Pedro ging zu seinem früheren Arbeitgeber.
„Herr Doktor, helft uns noch einmal. Uns fehlt sogar Geld für Essen.“
Der Arzt machte ihm keine Vorwürfe.
Er gab ihm zwanzig Goldmünzen.
„Aber überleg dir, wie ihr künftig selbst zurechtkommt.“
Pedro versprach es.
Einige Wochen später war das Geld wieder fort.
Am Abend saßen Pedro und Marta an einem leeren Tisch.
„Schon wieder um Hilfe zu bitten ist peinlich“, sagte Marta.
Pedro dachte nach.
„Einfach bitten ja. Aber was, wenn wir eine Geschichte erzählen, die ihn von selbst helfen lässt?“
Marta kniff die Augen zusammen.
„Was für eine Geschichte?“
Am nächsten Morgen rieb Pedro etwas Zwiebel an seine Finger und berührte vorsichtig seine Augen.
Sofort liefen Tränen.
„Du siehst aus, als hättest du drei Nächte lang geweint“, sagte Marta.
„Genau das brauche ich.“
Pedro ging zum Arzt.
„Marta ist nicht mehr da. Ich bin allein und habe nicht einmal Geld für alles Nötige.“
Der Arzt erschrak.
„Warum hast du mich nicht gerufen, wenn sie krank war?“
Pedro senkte den Blick.
„Alles geschah sehr schnell.“
Der Arzt hatte Mitleid und gab ihm Geld.
Zu Hause wartete die völlig gesunde Marta.
„Hat es funktioniert?“
Pedro zeigte die Börse.
Eine Zeit lang lebten sie wieder sorglos.
Aber sie planten noch immer nichts.
Bald war das Geld erneut aufgebraucht.
Nun sagte Marta:
„Wenn deine Geschichte einmal funktioniert hat, kann meine vielleicht auch funktionieren.“
Nicht weit entfernt lebte die Schwester des Arztes.
Marta ging zu ihr.
„Pedro ist nicht mehr da“, sagte sie mit tränender Stimme. „Und ich habe nichts.“
Die Frau kannte beide gut und half sofort.
Am Abend besuchte der Arzt seine Schwester.
Er seufzte.
„Armer Pedro. Vor kurzem hat er Marta verloren.“
Seine Schwester hob überrascht die Augenbrauen.
„Marta? Aber Pedro ist doch gestorben. Marta war heute bei mir.“
„Unmöglich. Pedro war selbst bei mir.“
„Und Marta war bei mir.“
Beide sahen einander an.
„Dann hat mindestens einer von uns eine sehr merkwürdige Geschichte gehört.“
Der Arzt schickte einen Helfer zu Pedros Haus.
Als Pedro sah, dass jemand kam, flüsterte er:
„Schnell, leg dich hin und beweg dich nicht.“
Marta legte sich aufs Bett.
Der Helfer sah sie reglos liegen und kehrte zurück.
„Herr Doktor, es scheint, Ihr habt recht. Marta bewegt sich überhaupt nicht.“
Die Schwester des Arztes glaubte es nicht.
„Schicken wir noch jemanden.“
Beim zweiten Besucher tauschten Pedro und Marta die Rollen.
Diesmal lag Pedro still, und Marta saß daneben mit dem traurigsten Gesicht, das sie zustande brachte.
Der zweite Helfer kehrte zurück.
„Nein. Pedro ist gestorben. Ich habe ihn selbst gesehen.“
Der Arzt und seine Schwester blickten einander schweigend an.
„Erstaunlich“, sagte der Arzt. „Sie haben es geschafft, innerhalb eines Tages abwechselnd einander zu verlieren.“
Am nächsten Morgen gingen beide gemeinsam zu dem Haus.
Pedro und Marta hörten ihre Schritte zu spät.
„Was machen wir?“, flüsterte Marta.
„Es gibt nur eine Möglichkeit. Hinlegen.“
„Beide?“
„Beide.“
Sie legten sich auf den Boden und blieben still.
Der Arzt trat ein.
Er sah erst die eine reglose Person an.
Dann die andere.
Als Arzt wusste er natürlich, wie Menschen aussehen, die lediglich versuchen, nicht zu lachen.
„Merkwürdig“, sagte er laut. „Ich habe noch nie gesehen, dass zwei Tote so angestrengt die Luft anhalten.“
Marta prustete.
Pedro öffnete ein Auge.
Der Arzt verschränkte die Arme.
„Aufstehen.“
Langsam setzten beide sich hin.
Die Schwester des Arztes wollte zuerst böse werden.
Dann war die ganze Szene so absurd, dass sie lachen musste.
„Wer von euch ist denn nun zuerst gestorben?“
Marta wurde rot.
„Niemand.“
„Das haben wir bemerkt“, sagte der Arzt. „Jetzt erzählt die Wahrheit.“
Pedro gestand alles.
Die leere Kasse.
Die Zwiebel.
Die erfundenen Geschichten.
Der Arzt hörte zu und schüttelte den Kopf.
„Ihr seid beide klug genug. Schade nur, dass ihr euren Verstand benutzt habt, um immer wieder in dieselbe Schwierigkeit zurückzukehren.“
Marta sah zu Boden.
„Wir verstehen.“
Diesmal gab der Arzt ihnen keinen Beutel Gold.
Er machte ein anderes Angebot.
Pedro sollte im Garten helfen und Einkäufe für den Haushalt organisieren.
Marta sollte lernen, auf dem Markt getrocknete Früchte, Kräuter und selbstgemachte Dinge zu verkaufen.
Die Schwester des Arztes zeigte ihnen, wie man Ausgaben aufschreibt und einen Teil des Verdienstes zurücklegt.
Am Anfang wirkte das viel schwieriger, als eine neue Geschichte zu erfinden.
Doch nach einem Monat blieb erstmals etwas Geld übrig.
Dann wieder.
Und wieder.
Eines Abends schüttelte Marta eine kleine Kiste mit Ersparnissen.
„Sieh mal. Wir haben noch Geld, obwohl wir niemanden getäuscht haben.“
Pedro lächelte.
„Fast magisch.“
Von da an, wenn jemand ihre Klugheit lobte, sagte Marta:
„Der beste Trick ist der, nach dem man sich nicht unter einer Decke verstecken und so tun muss, als wäre man verschwunden.“
Pedro ergänzte:
„Noch besser ist es, den Verstand dafür zu benutzen, gar nicht erst wieder in dieselbe Notlage zu geraten.“
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
