Cover: Der Affe, die Schildkröte und das Krokodil

Philippinen

Der Affe, die Schildkröte und das Krokodil

Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.

Land
Philippinen
Alter
5–9 Jahre
Dauer
5 Min.
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Der Affe, die Schildkröte und das Krokodil

Ein Affe lebte auf den Philippinen und liebte Scherze.

Leider lachte er oft nicht mit anderen, sondern über sie.

Wenn sich jemand verwirren, in die falsche Richtung schicken oder mit einer erfundenen Geschichte täuschen ließ, konnte der Affe kaum widerstehen.

Darum kannte er viele Tiere.

Wirkliche Freunde hatte er nur wenige.

Eines Tages ging er auf einem schmalen Weg nahe einer Stadt entlang.

Dort begegnete er zwei Reisenden.

Einer Schildkröte.

Und einem Krokodil.

Beide hatten einen langen Weg hinter sich und waren erschöpft.

Der Affe blieb stehen.

Mit besonders freundlicher Stimme fragte er:

„Woher kommt ihr? Ihr seht aus, als hättet ihr die halbe Welt durchquert.“

Die Schildkröte seufzte.

„Fast. Wir sind zum ersten Mal hier und wissen nicht, wo wir etwas essen oder bis morgen ausruhen können.“

Das Krokodil nickte.

„Vor allem würden wir gern etwas essen.“

Der Affe dachte sofort an einen neuen Streich.

In der Nähe lag ein gepflegtes Feld mit großen reifen Kürbissen.

Es gehörte einem fleißigen Bauern.

Der Affe wusste das genau.

Laut sagte er aber:

„Ihr habt Glück, mich getroffen zu haben. Ich kenne einen Ort mit so viel Essen, dass es für zehn weitere Reisende reichen würde.“

Die Schildkröte wurde vorsichtig.

„Und der Besitzer hat nichts dagegen?“

Der Affe winkte ab.

„Kümmert euch nicht um Kleinigkeiten. Kommt mit.“

Er führte sie an einer Hecke entlang.

Dahinter lagen zwischen grünen Blättern große orange Kürbisse.

„Hier ist euer Festmahl. Esst so viel ihr wollt. Danach ruht ihr euch aus. Ich gehe nach Hause.“

Bevor die Schildkröte noch etwas fragen konnte, verschwand er zwischen den Bäumen.

Die Reisenden waren sehr hungrig.

Sie fanden einen reifen Kürbis.

Die süße Frucht schmeckte wunderbar.

Nach einigen Bissen sah die Schildkröte sich jedoch genauer um.

„Krokodil, schau. Die Beete sind gerade. Der Boden ist gepflegt. Dort steht ein Eimer. Das hier gehört bestimmt jemandem.“

Das Krokodil hörte auf zu essen.

„Du hast recht. Der Affe hat uns nicht gesagt, wem das Feld gehört.“

Genau in diesem Moment rief jemand hinter dem Zaun:

„Wer ist auf meinem Feld?“

Der Bauer entdeckte die Besucher und rief seine Helfer.

Sie kamen mit langen Stangen, um die Tiere von den Kürbissen zu verscheuchen.

„Lauft!“, rief das Krokodil.

Es rannte zum Weg.

Die Schildkröte versuchte ebenfalls zu fliehen.

Sie war jedoch viel langsamer.

Also biss sie sich am Schwanz des Krokodils fest.

„Lass los! Ich kann so nicht schnell laufen!“

„Ich muss festhalten! Sonst passt am Ende niemand auf, dass du in die richtige Richtung läufst.“

Selbst das erschrockene Krokodil musste beinahe lachen.

Hinter ihnen hörte man Schritte.

Vor ihnen glänzte ein schmaler Fluss.

Das Krokodil sprang ins Wasser.

Die Schildkröte platschte hinterher.

Wenig später versteckten beide sich im Schilf am anderen Ufer.

Die Menschen blieben am Wasser stehen.

Der Bauer rief:

„Kommt nicht wieder ungefragt auf mein Feld. Wenn ihr Hunger habt, fragt zuerst.“

Die Schildkröte und das Krokodil schwiegen eine Weile.

Dann sagte die Schildkröte:

„Wir haben dem Affen geglaubt, nur weil er freundlich gesprochen hat.“

Das Krokodil nickte.

„Freundliche Worte machen einen Rat noch nicht gut.“

„Und wir hätten selbst fragen müssen, wem das Feld gehört.“

Am nächsten Morgen begegneten sie dem Affen wieder.

Er saß auf einem Ast und wartete vermutlich auf eine lustige Geschichte darüber, wie sehr sein Streich die beiden erschreckt hatte.

Die Schildkröte sagte ruhig:

„Wir werden nicht mit dir streiten. Aber von nun an glauben wir deinen Worten erst, wenn deine Taten zeigen, dass man ihnen vertrauen kann.“

Das Krokodil fügte hinzu:

„Echte Hilfe bringt Freunde nicht absichtlich in Schwierigkeiten.“

Der Affe wollte lachen.

Doch diesmal kam kein Lachen.

Er sah die beiden Reisenden an und begriff:

Der Streich hatte nur einige Minuten gedauert.

Vertrauen konnte viel länger verloren bleiben.

Die Schildkröte und das Krokodil zogen weiter.

Neue Bekanntschaften machten ihnen keine Angst.

Aber sie stellten jetzt Fragen.

Sie achteten nicht nur auf schöne Worte, sondern auch auf das Verhalten dahinter.

Der Affe aber dachte noch oft an das Kürbisfeld.

Denn manchmal bekommt die wichtigste Lektion nicht derjenige, der getäuscht wurde.

Sondern derjenige, der endlich versteht, was seine Täuschung gekostet hat.

Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨