

Vereinigte Staaten
Der Alte und der Fuchs
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Vereinigte Staaten
- Alter
- 6–10 Jahre
- Dauer
- 6 Min.

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Der Alte und der Fuchs
An einem warmen Herbsttag wanderten der Alte und der Rote Fuchs gemeinsam über eine weite Ebene.
Die Sonne wärmte noch.
Trockenes Gras raschelte unter ihren Füßen.
Auf fernen Hügeln standen große Bisons.
Der Alte ging langsam und seufzte immer wieder.
„Ach, Bruder Fuchs, ich habe Hunger. Kannst du nicht ein Kaninchen oder irgendetwas fürs Abendessen finden? Du bist schnell, hast eine gute Nase und ausgezeichnete Ohren.“
Der Fuchs blieb stehen.
„Ich suche seit dem Morgen nach Futter. Heute scheinen alle Tiere verschwunden zu sein. Und du sagst doch immer, dass du viele Winter erlebt hast und viele Tricks kennst. Vielleicht denkst du diesmal etwas aus.“
Dem Alten gefiel es, weise genannt zu werden.
Er richtete sich auf und zeigte auf zwei Bisons hinter einem Hügel.
„Siehst du die beiden? Ich habe einen Plan.“
Der Fuchs wurde vorsichtig.
„Welchen?“
„Ganz einfach. Du musst sie zum Lachen bringen.“
Der Fuchs blinzelte.
„Bisons zum Lachen bringen?“
„Genau. Und damit sie richtig lachen, musst du besonders komisch aussehen.“
Der Alte ging um den Fuchs herum und betrachtete sein dickes rotes Fell.
„Wenn dein Fell ganz kurz wäre und nur die weiße Schwanzspitze flauschig bliebe, würdest du so lustig aussehen, dass die Bisons vor Lachen kaum stehen könnten.“
Der Fuchs wich zurück.
„Mein Fell? Bald wird es kalt.“
„Ach was. Der Wind ist warm, die Sonne scheint. Bis zum Winter ist noch Zeit. Sobald wir Futter haben, machen wir ein großes Feuer und leben gemütlich.“
Der Fuchs war nicht überzeugt.
Er sah zum Himmel.
Dann zum Gras im warmen Südwind.
Dann zum Alten.
„Du kümmerst dich wirklich um mich?“
„Natürlich. Wir reisen doch zusammen.“
Der Fuchs stimmte zu.
Der Alte kürzte sein dichtes Fell so stark, dass es fast glatt wurde.
Nur die weiße Schwanzspitze blieb flauschig.
Der Fuchs fröstelte, obwohl die Luft noch warm war.
„Keine Sorge. Geh zu den Bisons und tanz. Je lustiger, desto besser.“
Der Rote Fuchs lief um den Hügel und trat vor die zwei großen Bisons.
Zuerst sahen sie nur verwundert.
Der Fuchs sprang.
Er drehte sich.
Er hob die Vorderpfoten und machte ein Gesicht, als würde er den wichtigsten Tanz der Welt aufführen.
Der erste Bison schnaubte.
Der zweite prustete.
Der Fuchs sprang noch einmal, verhedderte sich in seinem eigenen Schwanz, rollte über den Rücken und sprang wieder auf.
Nun konnten die Bisons nicht mehr.
Sie lachten so laut, dass das Echo über die Ebene rollte.
Der Fuchs tanzte weiter, obwohl ihm längst nicht mehr danach war.
Der Alte führte unterdessen seinen eigenen Plan aus und hatte bald genug Nahrung.
„Alter!“, rief der Fuchs. „Sind wir fertig?“
„Gleich!“, antwortete er, ohne sich umzudrehen.
Der Fuchs setzte sich.
Da wechselte der Wind.
Der warme Südwind verstummte.
Kälte kam aus dem Norden.
Zuerst dachte der Fuchs, er könne es aushalten.
Dann begann er von einer Pfote auf die andere zu treten.
„Alter, mir ist kalt.“
„Gleich, gleich“, brummte der Alte.
Er war zu sehr mit sich selbst beschäftigt.
Der Wind wurde stärker.
„Alter! Du hast ein Feuer versprochen.“
Der Alte murmelte etwas, sah aber nicht auf.
Der Fuchs kroch hinter einen Stein.
Er rollte sich zusammen.
Er wollte die Nase unter den Schwanz stecken.
Doch von seinem warmen Schwanz war nur noch die kleine weiße Spitze übrig.
Bald zitterte er so stark, dass er nichts mehr sagen konnte.
Als der Alte endlich fertig war, stand die Sonne schon tief.
„Nun, Bruder Fuchs, jetzt können wir uns ausruhen.“
Keine Antwort.
Der Alte drehte sich um.
Der Fuchs lag zusammengerollt beim Stein.
„Warum sagst du nichts?“
Erst jetzt bemerkte der Alte den eisigen Wind.
Er machte schnell ein Feuer.
Aber er hatte zu spät an seinen Freund gedacht.
Zum Glück kamen andere Bewohner der Ebene vorbei.
Sie legten den Fuchs näher ans Feuer, bedeckten ihn mit trockenem Gras und weichen Fellen und gaben ihm in kleinen Schlucken ein warmes Getränk.
Am Morgen öffnete der Fuchs die Augen.
„Du lebst!“, rief der Alte, als wäre das überraschend.
Der Fuchs sah ihn lange schweigend an.
„Ich lebe nicht wegen dir. Du hast mich gebeten, für deinen Plan ein Risiko einzugehen. Du hast versprochen, dich um mich zu kümmern. Und dann hast du dein Versprechen vergessen, sobald du bekommen hattest, was du wolltest.“
Der Alte versuchte zu lächeln.
„Ich war sehr beschäftigt...“
„Genau. Mit dir selbst.“
Der Fuchs stand auf.
Seine Beine zitterten noch etwas.
Doch seine Kraft kam zurück.
Die anderen Tiere luden ihn ein, bei ihnen zu bleiben, bis sein warmes Fell wieder gewachsen war.
Der Fuchs stimmte zu.
Der Alte musste allein weitergehen.
Man erzählt, er habe an diesem Tag nicht ganz verstanden, warum der Fuchs nicht mehr sein Reisegefährte sein wollte.
Doch alle, die die Geschichte hörten, verstanden es.
Klugheit kann helfen, einen Plan zu verwirklichen.
Aber wenn du für deinen eigenen Vorteil vergisst, wer dir vertraut hat, ist das keine Weisheit mehr.
Ein echter Freund denkt nicht nur an sein Abendessen und seine Wärme.
Er denkt auch an denjenigen, der neben ihm steht.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
