

Südafrika
Der Elefant und die Schildkröte
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Südafrika
- Alter
- 4–8 Jahre
- Dauer
- 6 Min.

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Der Elefant und die Schildkröte
In einem warmen weiten Land, in dem das Gras nach dem Regen schnell grün wurde, lebte ein großer Elefant.
Er war stark, schwer und sehr stolz darauf, dass er sich vor fast nichts fürchtete.
Eines Tages sammelten sich Wolken über der Ebene, und der Regen kam.
Tropfen trommelten auf die Blätter, tränkten die trockene Erde und füllten kleine Mulden mit Wasser.
Die Tiere freuten sich.
Der Elefant hob den Rüssel.
„Deine Hilfe brauche ich nicht besonders“, sagte er zum Regen. „Ich bin groß. Wasser finde ich auch ohne dich.“
Der Regen war überrascht.
„Wirklich?“
„Natürlich. Ich kann für mich selbst sorgen.“
Der Regen antwortete nicht.
Er zog einfach weiter über die fernen Hügel.
Ein Tag verging.
Dann ein zweiter.
Dann mehrere.
Die Sonne brannte immer stärker.
Pfützen verschwanden.
Bäche wurden schmal.
Das Gras wurde gelb.
Der Elefant wanderte von einem Ort zum anderen und fand immer weniger Wasser.
Zuerst brummte er:
„Kein Problem.“
Später sagte er:
„Morgen finde ich bestimmt mehr.“
Schließlich musste er zugeben, dass selbst das größte Tier kaum gegen anhaltende Hitze ankommt.
Auf einem hohen Ast saß ein Geier.
„Weißt du, wie man den Regen zurückruft?“, fragte der Elefant.
Der Geier breitete die Flügel aus.
„Ich sehe weit. Aber Wolken kann ich nicht befehlen.“
Dann wandte sich der Elefant an eine Krähe.
Die Krähe war klein, aber aufmerksam.
Sie wusste, wann sich der Wind drehte, wo sich Wolken sammelten und wann die Luft nach Feuchtigkeit roch.
„Hilf mir“, bat der Elefant, nun deutlich weniger stolz.
Die Krähe flog hoch, kreiste über der Ebene und rief laut.
Bald brachte der Wind dunkle Wolken.
Es begann zu regnen.
Die Tiere freuten sich.
Sie hielten ihre Gesichter in die Tropfen.
Der Elefant stand still und trank aus einer großen Pfütze.
Doch die Hitze kehrte zurück.
Das Wasser in kleinen Mulden trocknete wieder aus.
Schließlich blieb in der ganzen Gegend nur eine große Lagune.
Der Elefant betrachtete sie.
„Ich habe dieses Wasser gefunden. Also gehört es mir.“
Am Ufer saß eine Schildkröte.
„Schildkröte“, sagte der Elefant, „bewache die Lagune, während ich Futter suche. Niemand darf trinken.“
Die Schildkröte hob erstaunt den Kopf.
„Niemand?“
„Niemand.“
Der Elefant ging.
Bald kam eine Giraffe.
„Guten Tag. Ich bin sehr durstig.“
Die Schildkröte seufzte.
„Der Elefant sagt, das Wasser gehöre ihm.“
Die Giraffe ging fort.
Dann kam ein Zebra.
„Nur ein paar Schlucke?“
„Der Elefant hat es verboten.“
Danach kamen Antilopen, ein Schakal und weitere Tiere.
Alle waren durstig.
Der Schildkröte wurde jedes Mal unwohler.
Sie sah auf die volle Lagune und dachte:
Kann Wasser wirklich nur einem gehören, wenn alle Durst haben?
Schließlich kam der Löwe.
„Warum trinkt niemand?“
Die Schildkröte wiederholte die Anordnung des Elefanten.
Der Löwe sah lange auf das Wasser und dann auf die Tiere, die in einiger Entfernung warteten.
„Der Elefant ist groß“, sagte er. „Aber die Lagune ist größer als ein Elefant. Und Durst fragt nicht danach, wer stärker ist.“
Die Schildkröte dachte nach.
Dann nickte sie langsam.
„Trinkt. Aber vorsichtig. Macht das Wasser nicht schlammig und lasst genug für alle.“
Die Tiere gingen nacheinander zur Lagune.
Niemand drängelte.
Die Giraffe trank an einer Seite.
Das Zebra an einer anderen.
Die kleinen Antilopen warteten.
Sogar der Schakal benahm sich ordentlich.
Als der Elefant zurückkam, bemerkte er sofort die vielen Spuren am Ufer.
„Wer hat aus meiner Lagune getrunken?“, donnerte er.
Die Schildkröte zog den Kopf nicht ein.
„Alle, die Wasser brauchten.“
„Aber ich habe dir befohlen, es für mich zu bewachen!“
„Ich habe das Wasser bewacht“, sagte die Schildkröte ruhig. „Gerade deshalb habe ich verhindert, dass es zum Grund für Streit wird.“
Der Elefant wurde wütend.
„Du bist so klein und widersprichst mir?“
Die Schildkröte blickte zu ihm auf.
„Ich bin klein. Aber selbst ein kleines Tier weiß, dass der Regen nicht nur für einen fällt.“
Alle wurden still.
Der Elefant sah auf das trockene Gras.
Auf die erschöpften Tiere.
Auf die Krähe, die geholfen hatte, den Regen zurückzubringen.
Dann auf die Lagune.
Er erinnerte sich daran, wie er selbst geprahlt hatte, den Regen nicht zu brauchen.
„Ich glaube, ich habe schon wieder entschieden, dass ich alles allein kann“, sagte er leise.
Die Schildkröte lächelte.
„Auch Große brauchen manchmal eine Erinnerung.“
Der Elefant nahm Wasser mit dem Rüssel, trank und trat dann zur Seite, damit die kleineren Tiere Platz hatten.
„Gut. Alle dürfen trinken. Aber wir schützen die Lagune gemeinsam.“
Von da an galt am Wasser eine einfache Regel:
Jeder durfte trinken.
Niemand durfte Wasser verschwenden oder andere vertreiben.
Und wenn wieder Wolken über der Ebene auftauchten, sagte der Elefant nicht mehr, dass er den Regen nicht brauche.
Er hob den Rüssel zum Himmel.
„Willkommen. Jetzt weiß ich, dass selbst der Größte nicht für sich allein lebt.“
Die Schildkröte saß am Ufer und lächelte still.
Denn manchmal kommt der wichtigste Gedanke nicht von demjenigen mit der lautesten Stimme.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
