Cover: Der Großvater, der dürre Bäume zum Blühen brachte

Japan

Der Großvater, der dürre Bäume zum Blühen brachte

Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.

Land
Japan
Alter
4–8 Jahre
Dauer
7 Min.
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Der Großvater, der dürre Bäume zum Blühen brachte

Eines Tages arbeitete ein alter Mann in seinem Garten, als sein weißer Hund Shiro plötzlich zu einem alten Baum lief und aufgeregt zu bellen begann.

„Wuff! Wuff!“

Dann scharrte er mit der Pfote in der Erde.

„Was hast du denn dort gefunden?“, wunderte sich der Alte.

Er holte eine Schaufel und grub vorsichtig an der Stelle.

Kling!

Die Schaufel stieß auf etwas Hartes.

Unter der Erde lag ein alter Krug, gefüllt mit Münzen.

„Shiro!“, rief der Mann. „Du bist ja ein richtiger Schatzsucher!“

Er und seine Frau behielten den Fund nicht nur für sich. Einen Teil verwendeten sie für ihren Haushalt, mit dem anderen halfen sie Nachbarn, die es schwer hatten.

Nicht weit entfernt lebte ein anderer alter Mann. Als er von den Münzen hörte, wurde er sofort neidisch.

„Wenn dieser Hund für sie einen Schatz finden kann, findet er auch einen für mich“, dachte er.

Am nächsten Tag bat er darum, Shiro auszuleihen.

Der freundliche Großvater zögerte. Er wusste, dass der Nachbar mit Tieren nicht besonders sanft umging.

„Behandle ihn gut“, bat er.

Der Nachbar nahm Shiro mit auf sein Feld.

„Los, such Gold!“, befahl er.

Shiro schnupperte, ging zu einem Baum und begann dort in der Erde zu scharren.

Der Mann griff sofort zur Schaufel.

Doch statt Münzen fand er nur einen alten Haufen verdorbenen Laubs und Abfalls.

„Igitt! Das soll dein Schatz sein?“

Wütend fuchtelte er mit den Armen und jagte Shiro vom Feld.

Der Hund erschrak und rannte nach Hause.

Als er bei seinen Besitzern ankam, merkte der Großvater sofort, dass etwas geschehen war.

„Ich werde dich nie wieder jemandem ausleihen“, sagte er und strich Shiro über den Kopf.

Einige Tage vergingen.

Eines Abends kam ein heftiger Wind auf. Im Garten knackten die Äste, Blätter rauschten durch die Dunkelheit. Am nächsten Morgen sah der alte Mann, dass von dem Baum, bei dem Shiro einst den Schatz gefunden hatte, ein dicker Ast abgebrochen war.

Shiro setzte sich daneben und bellte leise.

„Meinst du, wir sollten ihn nicht wegwerfen?“, fragte der Mann.

Er nahm das Holz und schnitzte daraus einen großen Mörser für Reis.

Seine Frau füllte Reis hinein, und der Großvater begann ihn zu stampfen, um festliche Reisküchlein zu machen.

Klopf.

Klopf-klopf.

Klopf-klopf-klopf.

Da wurde der Reis plötzlich mehr.

Immer mehr.

Und dann erschienen im wundersamen Mörser bereits fertige, duftende Reisküchlein.

„Shiro!“, lachte die Großmutter. „Dein Baum hat wohl noch eine Überraschung für uns.“

Es waren so viele Reisküchlein, dass die beiden ihre Nachbarn und die Kinder aus den umliegenden Häusern damit bewirteten.

Der neidische Nachbar hörte von dem Wunder und kam wieder.

„Leih mir den Mörser“, bat er. „Nur für kurze Zeit.“

Der Großvater wollte eigentlich nicht, gab schließlich aber nach.

Zu Hause füllte der Nachbar Reis hinein und begann zu stampfen.

„Na los, mach Reisküchlein! Und zwar viele!“

Klopf! Klopf! Klopf!

Doch statt köstlicher Küchlein entstand eine klebrige graue Masse, die überhaupt nicht appetitlich aussah.

„Nutzloses Ding!“, schimpfte der Mann.

Er zerlegte den Mörser in Stücke und warf das Holz ins Feuer.

Als der freundliche Großvater seine Sache abholen wollte, war nur noch ein Häufchen Asche übrig.

„Schade“, sagte er leise. „Dieser Mörser hat mich an unseren alten Baum erinnert.“

„Nimm die Asche mit, wenn du sie haben willst“, brummte der Nachbar.

Der Großvater sammelte die Asche in einen Korb und trug sie nach Hause.

Als er durch den Garten ging, kam ein Windstoß.

Huuuusch!

Eine Handvoll Asche flog aus dem Korb und legte sich auf die kahlen Zweige eines Pflaumenbaums.

Vor den Augen des Mannes schwollen plötzlich Knospen an den dürren Ästen.

Eine Blüte öffnete sich.

Dann eine zweite.

Und im nächsten Augenblick war der ganze Baum mit rosa Blüten bedeckt.

„Großmutter! Shiro! Kommt schnell!“

Sie liefen in den Garten.

Der alte Mann streute vorsichtig etwas Asche auf einen anderen trockenen Zweig.

Puff!

Auch er begann zu blühen.

Die Nachricht von dem wundersamen Großvater verbreitete sich rasch in der Gegend.

Bald kam ein Bote des örtlichen Fürsten zu seinem Haus.

„Im Garten unseres Herrn steht ein alter Kirschbaum, der seit Jahren nicht mehr blüht“, sagte er. „Würdet Ihr versuchen, ihm zu helfen?“

Der Großvater nahm den Korb mit der Asche und ging in den großen Garten.

Der alte Kirschbaum stand dunkel und still mitten auf einer Wiese.

„Ich weiß nicht, ob es gelingt“, sagte der Mann. „Aber ich werde es versuchen.“

Er stieg auf einen kräftigen unteren Ast und streute eine feine Wolke Asche über den Baum.

Der Wind nahm sie auf.

Huuuusch!

Und ein Wunder geschah.

Über die schwarzen Äste liefen grüne Knospen. Eine nach der anderen öffnete sich, und nur wenige Augenblicke später stand der ganze Kirschbaum in rosa-weißer Blüte.

Die Menschen im Garten riefen erstaunt auf.

Der Fürst freute sich so sehr, dass er den Mann Hana-Saka-Jijii nannte, den Großvater, der Bäume zum Blühen bringt.

Er dankte ihm großzügig und schickte ihn mit Geschenken nach Hause.

Als der neidische Nachbar davon hörte, sammelte er gewöhnliche Asche aus seiner Feuerstelle.

„Das kann ich auch!“, verkündete er.

Er rannte in den Garten und begann, Asche auf die Bäume zu werfen.

Doch nichts geschah.

Die Asche wirbelte nur als graue Wolke herum, kitzelte alle in der Nase und brachte die Menschen zum Niesen.

„Hatschi!“

„Hatschi!“

„Hatschi!“

Der Nachbar nieste am lautesten von allen.

Der Fürst schüttelte den Kopf.

„Ein Wunder entsteht nicht aus Neid und dadurch, dass man bloß die Handlungen eines anderen nachahmt.“

Der Mann wurde rot und ging nach Hause.

Man erzählt, dass er danach etwas weniger über das Gold der anderen nachdachte und etwas mehr über seinen eigenen Garten.

Der freundliche Großvater, seine Frau und Shiro lebten weiterhin ruhig und zufrieden. Im Frühling lag Shiro gern unter den blühenden Bäumen, während die Blütenblätter auf sein weißes Fell herabfielen.

Dann lächelten die beiden Alten jedes Mal.

Denn sie wussten: Das eigentliche Wunder hatte weder mit dem Schatz noch mit der magischen Asche begonnen.

Es hatte mit Freundschaft, Fürsorge und der Güte begonnen, die sie ihrem weißen Hund seit vielen Jahren schenkten.

Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨