Cover: Der Großvater und sein Enkel

Deutschland

Der Großvater und sein Enkel

Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.

Land
Deutschland
Alter
4–8 Jahre
Dauer
3 Min.
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Der Großvater und sein Enkel

In einem Haus lebten Vater, Mutter, ihr kleiner Sohn Danko und der alte Großvater zusammen.

Früher war der Großvater kräftig gewesen. Er hatte selbst den Schuppen gebaut, Apfelbäume am Haus gepflanzt und den ganzen Tag auf dem Feld arbeiten können.

Doch die Jahre waren vergangen.

Nun ging er langsam. Seine Hände zitterten, und seine Augen sahen nicht mehr so gut wie früher.

Beim Abendessen verschüttete er manchmal ein wenig Suppe oder ließ den Löffel fallen.

Zuerst sagte niemand etwas.

Eines Tages seufzte die Mutter jedoch müde:

„Schon wieder ist die Tischdecke nass.“

Der Vater sagte:

„Vielleicht sitzt Großvater lieber an einem kleinen Tisch beim Ofen. Dann ist es für ihn einfacher.“

Sie stellten ihm einen kleinen Tisch in die Ecke.

Der Großvater widersprach nicht.

Doch manchmal blickte er zum großen Familientisch, an dem die anderen miteinander redeten, lachten und sich das Brot reichten.

Danko sah das alles.

Am nächsten Tag fiel dem Großvater versehentlich seine Tonschüssel aus den Händen.

Sie zerbrach auf dem Boden.

„Na gut“, sagte der Vater. „Dann bekommst du eine Holzschüssel. Die kann wenigstens nicht zerbrechen.“

Am Abend bemerkten die Eltern, dass Danko auf dem Boden neben einer Kiste mit Holzresten saß. Sehr ernsthaft legte er Bretter zusammen, maß etwas ab und klopfte mit seinem kleinen Spielzeughammer.

„Was baust du da?“, fragte sein Vater.

„Zwei Holzschüsseln“, antwortete der Junge.

„Warum zwei?“

Danko sah auf.

„Für dich und Mama. Wenn ich groß bin und ihr alt seid und eure Hände zittern, könnt ihr daraus beim Ofen essen, genau wie Großvater.“

Im Zimmer wurde es sehr still.

Die Mutter sah den Vater an.

Der Vater sah zu dem kleinen Tisch in der Ecke.

Dann blickten beide zum Großvater.

Plötzlich schämten sie sich.

Der Vater ging zu dem alten Mann.

„Vater, komm wieder zu uns an den Tisch.“

Er stellte den Teller des Großvaters an seinen alten Platz.

Die Mutter legte eine saubere Tischdecke auf und brachte einen Becher mit zwei Henkeln, den man leichter halten konnte.

„Und wenn etwas verschüttet wird“, sagte sie, „wischen wir es eben weg. Eine Tischdecke ist für Menschen da. Menschen sind nicht für die Tischdecke da.“

Der Großvater lächelte.

Auch Danko lächelte und legte seine Holzbrettchen beiseite.

Von nun an saßen sie beim Abendessen wieder alle zusammen.

Der Großvater erzählte Geschichten darüber, wie ihr Garten vor vielen Jahren ausgesehen hatte. Der Vater schnitt ihm Brot in kleine Stücke. Die Mutter schob die Tasse etwas näher. Danko hörte so aufmerksam zu, als lese der Großvater das spannendste Buch der Welt vor.

Und wenn ein Löffel auf den Boden fiel, wurde niemand mehr ärgerlich.

Denn in diesem Haus hatten die Erwachsenen etwas Wichtiges verstanden:

Ein Kind lernt Fürsorge nicht aus schönen Sätzen.

Es beobachtet, wie Erwachsene mit Menschen umgehen, die schwächer, langsamer oder auf Hilfe angewiesen sind.

Und genau daraus wächst Güte.

Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨