Cover: Der Handschuh

Ukraine

Der Handschuh

Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.

Land
Ukraine
Alter
3–7 Jahre
Dauer
6 Min.
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Der Handschuh

An einem Wintermorgen ging ein alter Mann in den Wald, um Reisig zu sammeln. Der Schnee lag in weißen Hügelchen, die Bäume knarrten leise im Frost, und neben dem Mann lief sein kleiner Hund.

Der alte Mann ging immer weiter. Als er sich nach einem trockenen Zweig bückte, fiel ihm ein warmer Wollhandschuh aus der Tasche. Er bemerkte es nicht.

Nun lag der Handschuh im Schnee: rot und weich. Die Wärme in seinem Inneren war noch nicht ganz verflogen.

Eine kleine Maus huschte durch den Wald. Sie entdeckte den Handschuh und schaute hinein.

„Oh, was für ein schönes Häuschen! Es schützt mich vor dem Wind und wärmt meine Pfoten. Hier werde ich wohnen.“

Die Maus schlüpfte hinein, rollte sich zusammen und piepste zufrieden:

„Warm!“

Bald darauf hüpfte ein Frosch durch den Schnee. Ihm war kalt, und seine Füße froren. Er sah den Handschuh und fragte:

„Wer, wer wohnt im Handschuh hier?“

„Ich bin die Kratzelmaus. Und wer bist du?“

„Ich bin der Quakefrosch. Lass mich auch hinein, damit ich mich wärmen kann.“

Die Maus rückte zur Seite.

„Komm herein. Zu zweit ist es wärmer.“

Der Frosch kroch hinein. Der Handschuh wurde ein wenig rundlicher.

Da kam ein Hase angelaufen.

„Wer, wer wohnt im Handschuh hier?“

„Die Kratzelmaus und der Quakefrosch. Und wer bist du?“

„Ich bin der Flitzehase. Meine Ohren sind schon ganz kalt. Darf ich zu euch?“

„Komm herein. Aber pass auf, dass du keinem auf den Schwanz trittst.“

Der Hase zwängte sich zwischen Maus und Frosch. Es wurde etwas enger, dafür aber noch wärmer.

Nach einer Weile kam eine Füchsin vorbei. Sie hatte einen buschigen Schwanz und Schneeflocken auf der Nase.

„Wer, wer wohnt im Handschuh hier?“

Von drinnen kam die Antwort:

„Die Kratzelmaus, der Quakefrosch und der Flitzehase. Und wer bist du?“

„Ich bin Schwester Füchsin. Lasst mich bitte auch hinein, damit ich mich aufwärmen kann.“

Die Tiere sahen einander an.

„Wenn wir alle ein bisschen rücken, finden wir noch Platz.“

Sie rückten zusammen. Vorsichtig schlüpfte die Füchsin hinein. Nun war der Handschuh rund wie ein Kissen.

Bald trat ein Wolf hinter den Büschen hervor.

„Wer, wer wohnt im Handschuh hier?“

Die Tiere nannten ihre Namen.

„Und ich bin Bruder Wolf. Darf ich zu euch? Der Frost zwickt mich in die Nase.“

„Es ist fast kein Platz mehr“, sagte die Maus.

„Ich bleibe ganz am Rand“, versprach der Wolf.

Noch einmal rückten alle zusammen. Der Wolf kroch hinein. Der Handschuh spannte sich, aber er hielt.

Dann knirschte der Schnee. Ein Wildschwein stapfte zwischen den Bäumen hindurch.

„Wer, wer wohnt im Handschuh hier?“

Ein ganzer Chor antwortete ihm.

„Und ich bin das Wildschwein mit den großen Hauern. Lasst mich auch herein!“

„Wo willst du denn noch hinpassen?“, wunderte sich der Hase.

„Ich werde ganz leise atmen und mich überhaupt nicht bewegen.“

Die Tiere lachten, rückten aber trotzdem zusammen. Auch das Wildschwein passte hinein. Der Handschuh war jetzt so groß, dass er im Schnee schon wie ein kleines Haus aussah.

Genau da kam ein Bär aus dem Wald. Er trat schwer auf, und der Schnee knarrte unter seinen Pfoten.

„Wer, wer wohnt im Handschuh hier?“

Aus dem Handschuh wurden die Namen gerufen.

„Die Kratzelmaus!“

„Der Quakefrosch!“

„Der Flitzehase!“

„Schwester Füchsin!“

„Bruder Wolf!“

„Das Wildschwein mit den großen Hauern!“

„Und ich bin der Wanderbär. Lasst mich auch hinein.“

Drinnen wurde es still.

Schließlich sagte die Maus:

„Nun, wenn wir schon alle beisammen sind, versuch es. Aber sei ganz, ganz vorsichtig.“

Der Bär zog den Bauch ein, legte seine Pfoten eng an und begann sich hineinzuschieben. Der Handschuh dehnte sich noch mehr. Dicht an dicht saßen die Tiere darin: Schwanz an Schwanz und Pfote an Pfote.

„Ist es jemandem zu eng?“, fragte der Bär.

„Ja!“, antworteten alle zusammen.

„Und ist es warm?“

„Warm!“

Unterdessen war der alte Mann schon auf dem Rückweg aus dem Wald. Plötzlich sah er auf seine Hände.

„Oje, wo ist denn mein Handschuh?“

Der kleine Hund hörte das vertraute Wort, hielt die Nase in den Wind und lief auf ihren Spuren zurück.

Er lief und lief. Auf einmal sah er etwas Großes, Rotes und Rundes im Schnee. Und es bewegte sich sogar.

Der Hund staunte.

„Wuff!“

Im Handschuh hielten alle ganz still.

Der Hund kam näher.

„Wuff, wuff!“

Da erwachte der Handschuh zum Leben.

Zuerst sprang die Maus heraus, dann der Frosch, dann der Hase, die Füchsin, der Wolf, das Wildschwein und zuletzt der Bär. Einer flitzte unter einen Busch, ein anderer hinter einen Baum, wieder einer über eine Schneewehe. Der Schnee wirbelte wie eine weiße Wolke auf.

Der kleine Hund setzte sich hin und sah ihnen verwundert nach.

„Das ist vielleicht ein Handschuh“, schien er zu sagen. „Ein ganzer Wald hat hineingepasst!“

Der alte Mann kam heran, hob seinen Handschuh auf und schüttelte den Schnee ab.

„Da ist er ja! Gut, dass wir ihn gefunden haben.“

Er zog ihn über die Hand und ging nach Hause.

Die Tiere aber erinnerten sich noch lange an diesen Wintertag. Denn obwohl es im Handschuh eng gewesen war, hatte jeder, der um einen warmen Platz gebeten hatte, dieselbe Antwort gehört:

„Wir rücken zusammen. Platz findet sich schon.“

Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨