

Indien
Der Kaufmann aus Seri
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Indien
- Alter
- 5–9 Jahre
- Dauer
- 5 Min.

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Der Kaufmann aus Seri
Zwei Kaufleute aus der Stadt Seri zogen von Ort zu Ort. Beide verkauften Schalen, Krüge, Teller und kleine Dinge für den Haushalt. Sie tauschten ihre Waren gegen Münzen oder gegen alte Gegenstände, die sie später weiterverkaufen konnten.
Doch die beiden Männer waren sehr verschieden.
Der erste war ehrlich.
Wenn etwas wertvoll war, sagte er es.
Wenn etwas einfach und billig war, erfand er keinen höheren Wert dafür.
Der zweite dachte nur daran, möglichst viel zu bekommen und möglichst wenig dafür zu geben.
Eines Tages erreichten beide eine große Stadt.
Sie teilten die Straßen untereinander auf, damit sie sich bei der Arbeit nicht störten.
Der gierige Händler ging zuerst los.
„Schalen! Krüge! Geschirr! Alte Dinge gegen neue!“, rief er.
In einer stillen Straße stand ein kleines Haus.
Darin lebten eine Großmutter und ihre Enkelin.
Ihre Familie war früher wohlhabend gewesen, doch inzwischen war kaum noch etwas Wertvolles übrig.
Das Mädchen hörte den Händler und lief zur Großmutter.
„Großmutter, schau, was für schöne Schüsseln er hat! Vielleicht können wir etwas tauschen?“
Die Großmutter lächelte traurig.
„Wir besitzen fast nichts mehr, mein Kind.“
Das Mädchen sah sich um.
Auf einem Regal stand eine alte dunkle Schale.
„Und diese? Wir benutzen sie schon lange nicht mehr.“
Niemand im Haus erinnerte sich daran, dass sie früher Teil eines kostbaren Familiensets gewesen war.
Die Großmutter rief den Händler herein.
„Was würdet Ihr für diese alte Schale geben?“
Der Mann nahm sie, kratzte vorsichtig mit einer Nadel am Rand und erkannte sofort:
Unter der dunklen Schicht lag echtes Gold.
Seine Augen leuchteten.
Doch gleich darauf setzte er eine gelangweilte Miene auf.
„Dieses alte Ding? Es ist nichts wert.“
Er warf die Schale auf den Tisch und ging fort.
Dabei dachte er:
Ich komme später wieder. Dann geben sie sie mir fast umsonst.
Das Mädchen war enttäuscht.
Nach einiger Zeit kam der zweite Händler durch dieselbe Straße.
„Schalen! Krüge! Geschirr!“
„Großmutter, fragen wir ihn auch“, bat die Enkelin. „Er sieht freundlich aus.“
„Versuchen wir es.“
Der ehrliche Händler betrat das Haus.
Kaum hielt er die Schale in der Hand, erkannte er das Gold.
„Diese Schale ist viel mehr wert als alle Waren, die ich bei mir habe“, sagte er.
Die Großmutter staunte.
„Aber der andere Händler sagte, sie sei wertlos.“
„Dann hat er sich geirrt oder nicht die Wahrheit gesagt“, antwortete der Mann. „Ich kann sie nicht für eine einzige Schüssel nehmen. Das wäre nicht gerecht.“
Er legte sein gesamtes Geld auf den Tisch und zeigte ihnen seine ganze Ware.
„Ich kann euch alles geben. Nur ein paar Münzen muss ich behalten, um dem Fährmann die Überfahrt über den Fluss zu bezahlen.“
Die Großmutter sah ihn lange an.
„Wenn du das wirklich für fair hältst, machen wir es so.“
Das Mädchen wählte sich einen hübschen kleinen Teller.
Das übrige Geld und die restlichen Waren blieben bei der Familie.
Der Händler nahm die goldene Schale, bedankte sich und eilte zum Fluss.
Kurz darauf kam der gierige Händler zurück.
„Nun“, sagte er und tat großzügig, „ich habe noch einmal nachgedacht und würde euch vielleicht doch etwas Kleines für diese nutzlose Schale geben.“
Die Großmutter schüttelte den Kopf.
„Sie ist fort. Ein anderer Händler hat uns ihren wahren Wert genannt und ehrlich bezahlt.“
Der Mann wurde blass.
Er rannte zum Fluss.
Doch das Boot war bereits weit draußen.
„Zurück!“, rief er dem Fährmann zu.
Der ehrliche Händler sagte nur:
„Fahrt weiter.“
Das Boot erreichte das andere Ufer.
Der gierige Händler blieb mit leeren Händen zurück.
Er hatte seine Chance selbst verloren, weil er Menschen täuschen wollte, die ihm vertrauten.
Die Großmutter und ihre Enkelin erinnerten sich noch lange an den Händler aus Seri, der ihre Unwissenheit hätte ausnutzen können und es nicht getan hatte.
Das Mädchen stellte seinen neuen Teller auf das Regal.
„Großmutter, hat Ehrlichkeit also auch einen Preis?“
„Ja“, sagte die Großmutter. „Aber ihr wahrer Wert liegt nicht in Münzen. Einem ehrlichen Menschen kann man vertrauen. Und das ist manchmal mehr wert als Gold.“
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
