

Philippinen
Der Prozess unter den Tieren
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Philippinen
- Alter
- 5–9 Jahre
- Dauer
- 4 Min.

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Der Prozess unter den Tieren
Nahe dem Berg Arayat lebte einst Sinukuan.
Früher hatte er unter Menschen gewohnt.
Doch irgendwann gab es in der Stadt so viele Streitereien, Neid und Beschwerden, dass er den Lärm verließ und in eine Höhle am Berg zog.
Dort freundete er sich mit den Tieren an.
Sinukuan konnte aufmerksam zuhören.
Er entschied nicht vorschnell.
Und er versuchte immer, beide Seiten zu verstehen.
Darum beschlossen Tiere und Vögel:
„Sinukuan soll unser Richter sein.“
Von da an kamen alle Streitenden zu seiner Höhle.
Eines Morgens flog ein Vogel zu ihm.
Er sah müde und ärgerlich aus.
„Sinukuan, ich möchte mich über den Frosch beschweren. Er hat die ganze Nacht so laut gequakt, dass ich nicht schlafen konnte.“
Sinukuan nickte.
„Gut. Wir hören auch den Frosch an.“
Der Frosch kam und setzte sich höflich vor den Richter.
„Warum hast du nachts so laut gerufen?“
„Weil ich Angst hatte. Ich sah die Schildkröte, die ihr ganzes Haus auf dem Rücken trug. Ich dachte, vielleicht fällt es auf mich. Darum habe ich vor Schreck gequakt.“
Sinukuan dachte nach.
„Angst macht uns manchmal lauter, als wir sein wollen. Gut. Du kannst gehen. Jetzt rufen wir die Schildkröte.“
Langsam kam sie den Berg hinauf.
„Warum trägst du dein Haus auf dem Rücken? Wegen dir erschrak der Frosch, und wegen ihm konnte der Vogel nicht schlafen.“
Die Schildkröte neigte den Kopf.
„Ich beschütze mein Zuhause. In der Nacht sah ich ein Glühwürmchen mit Licht. Ich dachte, vielleicht könnte trockenes Laub Feuer fangen. Ist es falsch, mein Haus schützen zu wollen?“
„Nein. Sein Zuhause zu schützen ist vernünftig. Ruf das Glühwürmchen.“
Bald leuchtete ein kleiner goldener Punkt in der Höhle.
„Warum hast du dein Licht getragen und die Schildkröte erschreckt?“
Das Glühwürmchen antwortete leise:
„Mein Licht hilft mir, mich nicht zu verirren und den Moskito zu sehen. Er kommt ständig mit seinem spitzen Rüssel zu nah. Ich wollte ihm ausweichen.“
Sinukuan nickte.
„Dann sprechen wir mit dem Moskito.“
Der Moskito kam schnell und summte am Eingang herum.
„Setz dich bitte und hör zu“, sagte Sinukuan.
Der Moskito landete.
„Warum fliegst du ständig mit deinem Rüssel zu anderen?“
Der Moskito drehte sich auf der Stelle.
„Nun... so mache ich es eben.“
„Das ist keine Erklärung.“
„Vielleicht, weil alle vor mir wegfliegen.“
„Warum fliegen sie weg?“
Der Moskito wurde still.
In der Höhle hörte man plötzlich nur das Gras draußen.
Schließlich sagte er leise:
„Wahrscheinlich, weil ich andere zu oft störe.“
Sinukuan lächelte.
„Jetzt sind wir am Anfang unserer langen Geschichte angekommen.“
Der Vogel blinzelte.
Der Frosch hörte auf zu quaken.
Die Schildkröte steckte den Kopf aus dem Panzer.
Das Glühwürmchen ließ sein Licht aufblitzen.
Sinukuan stand auf.
„Seht, wie alles zusammenhängt. Der Vogel schlief wegen des Frosches nicht. Der Frosch erschrak wegen der Schildkröte. Die Schildkröte sorgte sich wegen des Glühwürmchens. Das Glühwürmchen fürchtete den Moskito. Und der Moskito hatte einfach nie darüber nachgedacht, dass sein Verhalten andere stört.“
Der Moskito senkte den Kopf.
„Was passiert jetzt?“
„Du verbringst drei Tage damit, etwas leiser zu sein und darüber nachzudenken, wie du anderen näherkommen kannst, ohne sie zu belästigen. Und alle anderen merken sich: Bevor man sich ärgert, sollte man manchmal erst fragen, warum etwas passiert.“
Drei Tage lang war der Moskito ungewöhnlich still.
Als er in den Wald zurückkehrte, war seine Stimme nicht mehr so laut.
Seitdem, so erzählt die Geschichte, singen Moskitos nicht über den ganzen Wald.
Sie summen nur dünn und leise ganz nah am Ohr.
Und wenn dieses Summen jemanden ärgert, erinnern sich die Tiere vom Berg Arayat an Sinukuans altes Gericht:
„Beschuldige nicht zu schnell. Finde zuerst heraus, wo die Sache angefangen hat.“
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
