

Indien
Der Weg durch den Sand
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Indien
- Alter
- 6–10 Jahre
- Dauer
- 5 Min.

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Der Weg durch den Sand
Ein Kaufmann stellte einen großen Handelszug zusammen. Auf den Wagen lagen Stoffe, Geschirr, Gewürze und andere Waren, die er in einer fernen Stadt verkaufen wollte.
Doch zwischen ihm und seinem Ziel lag eine breite Sandwüste.
Am Tag wurde der Sand so heiß, dass Reisen kaum möglich war. Deshalb zogen Karawanen nachts weiter, wenn die Luft kühler wurde.
Der Kaufmann bereitete alles sorgfältig vor.
Auf den Wagen standen Krüge mit Wasser, Säcke mit Reis und Vorräte an Brennholz.
Mit ihnen reiste ein erfahrener Führer, der den Weg anhand der Sterne kannte.
Sobald die Sonne unterging, brachen sie auf.
Die ganze Nacht knarrten die Räder leise im Sand, und über ihnen leuchtete der Sternenhimmel.
Bei Sonnenaufgang hielt die Karawane an.
Die Menschen tränkten die Ochsen, kochten Reis, spannten große Tücher als Sonnenschutz und ruhten bis zum Abend.
So vergingen mehrere Tage.
Eines Morgens sagte der Führer:
„Nur noch eine Nacht. Noch vor Sonnenaufgang sind wir auf der anderen Seite der Wüste.“
Alle freuten sich.
Vor der letzten Etappe wollte der Kaufmann die Wagen leichter machen.
„Wir sind fast da“, sagte er. „Wir müssen nicht mehr das ganze Wasser und Holz mitschleppen.“
Ein Teil der Vorräte blieb zurück.
Am Abend zog die Karawane weiter.
Der Führer saß auf dem ersten Wagen und beobachtete die Sterne.
Doch er hatte viele Nächte kaum geschlafen.
Seine Augen wurden schwer.
„Nur einen Augenblick“, dachte er.
Und schlief ein.
Die Ochsen folgten der vertrauten Spur.
Als niemand sie mehr führte, bogen sie langsam zur Seite.
Dann noch weiter.
Schließlich liefen sie zurück.
Die ganze Nacht zog die Karawane weiter.
Kurz vor Sonnenaufgang erwachte der Führer.
Er sah zu den Sternen.
Sein Gesicht wurde blass.
„Halt!“
Die Wagen blieben stehen.
„Was ist passiert?“, fragte der Kaufmann.
Der Führer sah sich schweigend um.
„Wir sind dorthin zurückgekehrt, wo wir gestern gestartet sind.“
Die Menschen konnten es kaum glauben.
Dieselben Spuren.
Derselbe Lagerplatz.
Und fast kein Wasser mehr.
Die Ochsen waren müde und durstig.
Die Menschen ebenfalls.
„Wir haben uns verirrt.“
„Ohne Wasser schaffen wir es nicht.“
„Wir hätten die Vorräte nicht zurücklassen dürfen.“
Einige setzten sich einfach in den Sand.
Auch der Kaufmann war erschöpft.
Und er wusste genau, wie ernst die Lage war.
Doch er sagte sich:
Wenn ich mich jetzt ebenfalls hinsetze und beschließe, dass alles verloren ist, führt uns niemand hier heraus.
Er ging um das Lager herum und sah sich die Erde genau an.
Sand.
Noch mehr Sand.
Steine.
Dann bemerkte er einen kleinen grünen Grasbüschel.
Der Kaufmann blieb stehen.
„Gras wächst nicht ohne Wasser“, flüsterte er. „Irgendwo darunter muss Feuchtigkeit sein.“
Er rief die anderen.
„Bringt die Schaufeln!“
Sie begannen zu graben.
Der Sand rutschte immer wieder zurück in die Grube.
Die Hände wurden schwer.
Doch das Loch wurde tiefer.
Schließlich traf eine Schaufel auf Stein.
Tock!
„Das war's“, seufzte jemand. „Fels. Weiter kommen wir nicht.“
Der Kaufmann stieg hinunter.
Er legte sein Ohr an den Stein.
Ganz tief darunter glaubte er ein leises Rauschen zu hören.
„Da ist Wasser!“
Die Menschen schöpften neue Hoffnung.
Sie holten einen schweren Hammer.
Einer schlug.
Nichts.
Ein zweiter schlug.
Wieder nichts.
Da sagte ein junger Helfer des Kaufmanns:
„Lasst mich versuchen.“
Er stieg in die Grube, nahm den Hammer mit beiden Händen und schlug zu.
Einmal.
Der Stein blieb ganz.
Zweimal.
Ein dünner Riss erschien.
„Noch einmal!“, riefen die Menschen von oben.
Der Junge sammelte seine letzte Kraft.
Beim dritten Schlag brach der Stein.
Darunter schoss kühles Wasser hervor.
„Wasser!“
Die Menschen lachten und riefen durcheinander.
Sie füllten ihre Krüge, tränkten die Ochsen, wuschen sich und kochten Essen.
Bevor sie weiterzogen, stellte der Kaufmann an der neuen Wasserstelle ein hohes Zeichen auf.
So konnten auch andere Reisende den Brunnen finden.
Am Abend brach die Karawane erneut auf.
Diesmal hatte der Führer gut geschlafen.
Er ließ den Himmel keine Sekunde aus den Augen.
Bei Sonnenaufgang erschienen vor ihnen endlich Bäume und Häuser.
Die ferne Stadt war erreicht.
Der Kaufmann blickte zurück auf die Wüste.
„Das Gefährlichste war nicht der Sand und nicht einmal der Durst“, sagte er.
„Was dann?“, fragte der junge Helfer.
„Der Augenblick, in dem alle glaubten, es habe keinen Sinn mehr, nach einem Ausweg zu suchen.“
Seitdem sagte man in der Karawane:
Wenn du mitten im Sand auch nur einen einzigen grünen Halm siehst, gib nicht zu früh auf.
Manchmal fließt unter dem härtesten Stein bereits Wasser.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
