

Frankreich
Diamanten und Blumen
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Frankreich
- Alter
- 5–9 Jahre
- Dauer
- 5 Min.

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Diamanten und Blumen
Eine Mutter lebte mit ihren zwei Töchtern zusammen.
Die ältere, Fanny, ähnelte der Mutter sehr. Beide wurden schnell ärgerlich und mochten es, wenn andere die Arbeit für sie erledigten.
Die jüngere Tochter Rosalie war ruhig und versuchte immer zu helfen.
Jeden Morgen ging Rosalie zur Quelle, um Wasser zu holen.
Der Weg war nicht kurz und der Krug schwer.
Doch bei der Quelle sangen die Vögel, deshalb beklagte sich das Mädchen kaum.
Eines Tages saß eine alte Reisende auf einem Stein.
„Kind, würdest du mir etwas Wasser geben?“, bat sie.
„Natürlich.“
Rosalie spülte einen Becher aus, schöpfte das sauberste Wasser und reichte ihn der alten Frau.
„Setzt Euch lieber in den Schatten“, sagte sie. „Ich halte den Krug, damit Ihr leichter trinken könnt.“
Die Reisende trank und lächelte.
„Danke. Du warst freundlich zu mir, obwohl du dachtest, ich sei nur eine unbekannte alte Frau.“
Sanftes Licht leuchtete um sie herum.
Vor Rosalie stand plötzlich eine Fee.
„Ich möchte dir eine besondere Gabe schenken. Von nun an werden neben dir Blumen oder kleine Edelsteine erscheinen, wenn deine Worte ehrlich und freundlich sind. Dann kann jeder sehen, dass auch ein gutes Wort einen Wert besitzt.“
Die Fee verschwand.
Rosalie kam später als gewöhnlich nach Hause.
„Warum hat das so lange gedauert?“, fragte ihre Mutter ungeduldig.
„Entschuldige, Mutter. An der Quelle traf ich eine alte Frau, die um Wasser bat.“
Kaum hatte Rosalie den Satz beendet, fielen zwei Rosenblätter und eine kleine Perle auf den Tisch.
Mutter und Fanny staunten.
Rosalie erzählte von der Fee.
Mit jedem freundlichen Satz erschien eine Veilchenblüte, ein Blütenblatt oder ein klarer kleiner Stein.
„Fanny!“, rief die Mutter. „Du gehst sofort zur Quelle. Du musst ebenfalls eine solche Gabe bekommen!“
Die ältere Schwester wollte den schweren Krug nicht tragen.
Doch die Aussicht auf Edelsteine gefiel ihr.
Bei der Quelle sah sie keine alte Frau.
Dort stand eine wunderschön gekleidete Dame.
„Darf ich um einen Schluck Wasser bitten?“, fragte die Fremde höflich.
Fanny seufzte.
„Könnt Ihr Euch nicht selbst zum Wasser hinunterbeugen? Ich bin nicht hier, um jedem zu dienen.“
Die Dame war dieselbe Fee.
„Auch du bekommst eine magische Gabe“, sagte sie. „Wenn du grob sprichst, erscheinen neben dir kleine Frösche oder trockene, stachelige Blätter. Sie tun niemandem weh. Sie sollen dich nur daran erinnern, wie deine Worte auf andere wirken.“
Fanny schnaubte.
„So ein Unsinn!“
„Quak!“
Neben ihrem Schuh saß plötzlich ein kleiner grüner Frosch.
Fanny sprang zur Seite.
„Nehmt ihn weg!“
Raschel!
Ein trockenes, stacheliges Blatt fiel neben sie.
Nun wusste Fanny, dass die Fee es ernst meinte.
Zu Hause rief sie ärgerlich:
„Das ist alles Rosalies Schuld!“
„Quak-quak!“
Zwei Fröschlein setzten sich ruhig an die Tür.
Die Mutter wollte schon die jüngere Tochter ausschimpfen.
Doch Rosalie sagte:
„Ich habe nichts getan. Vielleicht möchte die Fee uns nur zeigen, dass Worte weich oder stachelig sein können.“
Neben ihr öffnete sich eine kleine weiße Blüte.
Fanny schwieg.
Am nächsten Tag versuchte sie, eine ganze Stunde lang nichts Grobes zu sagen.
Das war schwieriger, als sie gedacht hatte.
Als ihre Mutter sie bat, den Tisch abzuräumen, lag Fanny schon eine scharfe Antwort auf der Zunge.
Doch sie hielt inne.
„Gut. Ich helfe.“
Nichts geschah.
„Wo bleibt denn der Diamant?“, fragte sie enttäuscht.
Rosalie lachte.
„Die Fee hat gesagt, Blumen kommen bei ehrlichen guten Worten. Nicht bei Worten, die man nur wegen einer Belohnung sagt.“
Fanny dachte darüber nach.
Am Abend sah sie einen Nachbarsjungen, der auf der Straße Äpfel verschüttet hatte.
„Komm, ich helfe dir“, sagte sie und kniete sich wirklich neben ihn.
Bei den Äpfeln erschien eine blaue Kornblume.
Fanny staunte noch mehr als an der Quelle.
„Es hat funktioniert!“
Von da an erschienen immer weniger Frösche.
Und immer mehr Blumen.
Eines Morgens gingen die Schwestern gemeinsam Wasser holen.
An der Quelle wartete die Fee.
„Ich sehe, meine Gabe war nützlich.“
„Bleibt sie für immer?“, fragte Fanny.
Die Fee schüttelte den Kopf.
„Nein. Heute endet der Zauber. Jetzt kennt ihr auch ohne ihn den Unterschied.“
„Zwischen freundlichen und groben Worten?“, fragte Rosalie.
„Genau. Blumen und Frösche waren nur ein Hinweis. Die wirkliche Spur unserer Worte liegt nicht auf dem Boden. Sie bleibt in den Herzen der Menschen, die sie hören.“
Dann löste sich die Fee im Sonnenlicht auf.
Von diesem Tag an fielen weder Perlen noch Blumen noch Frösche aus den Worten der Schwestern.
Doch Rosalie und Fanny dachten oft an die Quelle.
Besonders dann, wenn sie gerade etwas Ärgerliches sagen wollten.
Denn auch ohne Magie kann ein freundliches Wort einen Tag heller machen.
Und ein unfreundliches kann sehr stachelig sein.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
