

Laos
Die Affen und die Krabben
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Laos
- Alter
- 5–8 Jahre
- Dauer
- 4 Min.

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Die Affen und die Krabben
Im Süden, an einem warmen Meer, wuchs ein Wald fast bis an den Strand.
Tagsüber lärmten Affen in den Baumkronen.
Weiter unten, dort, wo das Meer zweimal am Tag vom Ufer zurückwich, lebten Krabben.
Wenn die Ebbe begann, zog sich das Wasser langsam zurück.
Auf dem nassen Sand blieben Muscheln, kleine Pfützen und winzige Höhlen zurück.
Die Affen kannten diese Zeit gut.
„Zum Strand!“, rief eine.
„Schnell, solange das Wasser weit weg ist!“, antwortete eine andere.
Und die ganze Gruppe kletterte von den Bäumen hinunter.
Auch die Krabben wussten, dass sie vorsichtig sein mussten.
Sobald sie das Trappeln der Affenpfoten und das aufgeregte Geschrei hörten, verschwanden sie in ihren Höhlen im weichen Schlamm.
Die Affen waren neugierig.
Und manchmal, wenn man ehrlich ist, etwas zu übermütig.
Eines Tages entdeckte eine junge Affin namens Kiki eine frisch gegrabene Krabbenhöhle.
„Da ist jemand drin!“, rief sie.
„Lass sie in Ruhe“, warnte eine alte Affin. „Jeder am Strand braucht einen Ort, an dem er nicht gestört wird.“
Kiki lachte nur.
„Ich schaue doch bloß.“
Sie beugte sich über das Loch, konnte aber nichts erkennen.
Also setzte sie sich mit dem Rücken zur Öffnung und ließ die Spitze ihres langen Schwanzes hineinbaumeln.
„Komm heraus, kleine Krabbe!“, neckte sie. „Wer versteckt sich denn da?“
In der Höhle saß eine große Krabbe.
Zuerst blieb sie geduldig.
Kiki bewegte ihren Schwanz noch einmal.
Und noch einmal.
Schließlich hatte die Krabbe genug.
Klack!
Sie packte den Schwanz mit ihrer Schere.
„Aua!“, schrie Kiki und sprang auf.
Sie zog den Schwanz zurück.
Die Krabbe ließ nicht los.
Kiki zog stärker.
Die Krabbe stemmte alle Beine gegen die Wände ihrer Höhle.
„Hilfe!“, rief die junge Affin.
Die anderen kamen angerannt und packten Kiki an Armen und Beinen.
„Eins, zwei, drei, ziehen!“
Die Affen zogen an Kiki.
Kiki zog an ihrem Schwanz.
Die Krabbe hielt den Schwanz fest.
Alle waren so beschäftigt, dass niemand bemerkte, wie sich das Meer verändert hatte.
Die Wellen liefen nicht mehr zurück.
Sie kamen näher.
Zuerst berührte das Wasser den Sand ein Stück entfernt.
Dann rollte die nächste Welle näher heran.
Die alte Affin blickte zum Meer.
„Flut!“, rief sie. „Wir müssen sofort weg!“
Kiki hörte auf, an ihrem Schwanz zu reißen.
Auch die Krabbe in der Höhle spürte das kalte Meerwasser.
Für einen Augenblick hielten alle still.
Dann sagte Kiki:
„Krabbe, ich werde dich nie wieder ärgern. Bitte lass mich los.“
Vielleicht verstand die Krabbe ihre Worte.
Vielleicht wollte sie auch einfach selbst schnell aus dem Durcheinander heraus.
Jedenfalls öffnete sie ihre Schere.
Kiki sprang sofort zurück.
„Auf die Bäume!“, rief die alte Affin.
Die Affen rannten zum Wald.
Die Krabbe grub sich tiefer in den nassen Sand.
Nur wenige Minuten später bedeckte das Wasser die Stelle, an der sie gerade noch gestritten hatten.
Hoch auf einem Ast saß Kiki und blickte schweigend auf die Wellen.
„Na?“, fragte die alte Affin. „War es interessant?“
Kiki rieb ihren Schwanz.
„Ja. Aber ein zweites Mal brauche ich das nicht.“
Am nächsten Tag zog sich das Meer wieder zurück.
Die Affen kamen erneut zum Strand.
Doch diesmal sah Kiki eine Krabbenhöhle und machte einen großen Bogen darum.
Zu den jüngeren Affen sagte sie:
„Da wohnt jemand. Steckt euren Schwanz nicht hinein.“
Von da an merkten sich die Affen zwei Dinge.
Erstens:
Der Strand bei Ebbe gehört niemals nur dem, der zuerst dort ankommt.
Und zweitens:
Wenn man jemanden nur deshalb ärgert, weil er kleiner ist oder sich versteckt, kann man selbst in große Schwierigkeiten geraten.
Die Krabben wiederum blieben ruhig in ihren Höhlen, wenn sie Affenschritte über sich hörten, und warteten, bis die laute Gesellschaft weitergezogen war.
Denn das Meer ist groß, der Strand ist lang, und es gibt genug Platz für alle, wenn man einander leben lässt.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
