Cover: Die Affen und die Libellen

Philippinen

Die Affen und die Libellen

Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.

Land
Philippinen
Alter
4–8 Jahre
Dauer
5 Min.
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Die Affen und die Libellen

An einem sehr heißen Tag stand die Luft still über dem grünen Wald.

Die Blätter bewegten sich kaum.

Die Bäche wirkten warm.

Selbst die lautesten Vögel suchten Schatten.

Über einer Lichtung flog eine kleine Libelle.

Sie war von Teich zu Teich gereist und so müde, dass ihre Flügel kaum noch wollten.

„Nur eine Minute ausruhen.“

Sie setzte sich auf den Ast eines großen Baumes.

Auf diesem Baum lebte eine ganze Gruppe Affen.

Die Affen dösten, kratzten einander den Rücken und warfen sich halb gegessene Früchte zu.

Die frechste unter ihnen bemerkte die Libelle.

„He, du! Warum sitzt du auf unserem Baum?“

Die Libelle antwortete höflich:

„Ich bin sehr müde. Ich ruhe mich kurz aus und fliege dann weiter.“

„Unser Baum ist kein Gasthaus!“

„Ich fasse nichts an. Ich brauche nur Schatten.“

Doch die Affin wollte vor den anderen besonders wichtig wirken.

Sie nahm einen dünnen Stock und schwang ihn in der Nähe der Libelle.

„Flieg weg!“

Die Libelle war schnell.

Sie blitzte mit den Flügeln davon.

Der Stock pfiff nur durch die Luft.

„Seht ihr?“, sagte die Affin stolz. „Ich habe sie vertrieben.“

Die anderen Affen lachten.

Die Libelle flog zum See, wo viele ihrer Verwandten lebten.

Zwischen Schilf saß auf einem breiten Blatt der Libellenkönig.

„Was ist passiert?“

Die Reisende erzählte alles.

Der König runzelte die Stirn.

„Wegen einer unhöflichen Affin lohnt sich kein Streit mit dem ganzen Wald. Aber Kleine zu vertreiben, nur weil sie klein sind, ist auch nicht richtig.“

„Was tun wir?“

Der König lächelte.

„Zuerst reden wir.“

Drei Libellen flogen zum Affenbaum.

„Unser König bittet euren König darum, seine Leute daran zu erinnern: Ein Ast ist groß genug, damit ein müder Gast kurz darauf sitzen kann.“

Der Affenkönig saß auf der höchsten Gabelung und aß eine Mango.

„Ha! Soll euer König selbst kommen. Dann sehen wir, wer wem Befehle gibt.“

„Wir befehlen nicht. Wir wollen nur Frieden.“

„Verschwindet!“

Als die Boten zurückkamen, seufzte der Libellenkönig.

„Mit Worten hat es nicht geklappt. Dann zeigen wir ihnen, dass auch Schnelligkeit eine Stärke ist.“

Am nächsten Morgen versammelten sich viele Libellen über der Lichtung.

Die Affen kamen ebenfalls.

Jede trug einen langen Stock.

„Jetzt jagen wir euch alle davon!“

Der Libellenkönig sagte leise zu seinen Leuten:

„Streitet nicht. Bleibt in der Luft. Wenn die Affen mit den Stöcken schwingen, setzt euch kurz auf ihre Köpfe und fliegt sofort wieder weg.“

„Auf ihre Köpfe?“

„Genau. Und seid schnell.“

Der Affenkönig hob die Hand.

„Los!“

Die Affen schwangen ihre Stöcke.

Surr!

Doch die Libellen waren schon über ihnen.

Eine landete auf dem Kopf einer Affin.

„Da sitzt eine!“

Die Affin schlug über sich.

Die Libelle flog weg.

Der Stock traf leicht die Schulter des Nachbarn.

„He! Pass auf!“

„Bei mir sitzt eine am Ohr!“

Klack!

„Au! Das war meine Hand!“

„Bei mir am Schwanz!“

„Dreh dich nicht!“

In wenigen Augenblicken war die Lichtung ein großes Durcheinander.

Die Libellen landeten und flogen wieder auf.

Die Affen behinderten einander mit ihren Stöcken.

Ein Stock hing in einer Liane.

Ein anderer klemmte zwischen Zweigen.

Ein dritter flog in einen Busch.

Der Affenkönig drehte sich so schnell, dass er schließlich mitten in einem Haufen trockener Blätter landete.

Rasch!

Alle wurden still.

Dann begann das kleinste Äffchen zu kichern.

„Hihi.“

Noch eins.

„Haha.“

Kurz darauf lachte die ganze Affengruppe.

Der König stand auf und schüttelte Blätter aus seinem Fell.

„Gut. Ihr seid klein, aber sehr geschickt.“

Der Libellenkönig schwebte vor ihm.

„Und ihr seid groß und stark. Warum sollten wir beweisen, wer besser ist? Der Wald ist groß genug für alle.“

Der Affenkönig kratzte sich am Kopf.

„Vielleicht haben wir wirklich übertrieben.“

Die Affin, mit der alles begonnen hatte, trat zur müden Reisenden.

„An diesem Tag war es heiß. Und ich wollte angeben. Entschuldige.“

Die Libelle legte die Flügel zusammen.

„Entschuldigung angenommen. Ich verspreche auch, mich nicht auf eure Nasen zu setzen, wenn es nicht nötig ist.“

„Vor allem nicht auf die Nase des Königs!“, rief das kleinste Äffchen.

Alle lachten wieder.

Von da an galt auf dem Baum eine einfache Regel:

Eine müde Libelle durfte auf einem freien Ast ausruhen.

Und die Affen schwangen keine Stöcke in ihrer Nähe.

Wenn später ein junger Affe behauptete, nur Stärke entscheide alles, lächelten die Älteren.

„Erinnerst du dich an unseren großen Kampf mit den Libellen?“

Dann wurde der Prahler meistens stiller.

Denn der Wald wusste:

Manchmal können kleine Flügel und ein schneller Gedanke einen großen Stock besiegen.

Noch besser ist es allerdings, wenn danach alle einen Weg finden, ohne Kampf nebeneinander zu leben.

Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨