Cover: Die alte Frau und der alte Mann

Rumänien

Die alte Frau und der alte Mann

Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.

Land
Rumänien
Alter
6–9 Jahre
Dauer
6 Min.
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Die alte Frau und der alte Mann

In einer kleinen Hütte lebten eine alte Frau und ein alter Mann.

Sie kamen gut miteinander aus, arbeiteten auf dem Feld, kümmerten sich um den Garten und saßen am Abend am Feuer.

Manchmal wurden sie jedoch traurig.

„Wenn wir doch jemanden Kleinen bei uns hätten“, seufzte die alte Frau. „Jemanden, dem man Geschichten erzählen könnte.“

„Und jemanden, der uns nach der Arbeit begrüßt“, fügte der Alte hinzu.

Eines Tages gingen sie auf verschiedenen Wegen fort und wollten sehen, ob sie jemanden trafen, der ein Zuhause brauchte.

Der alte Mann kehrte mit einem kleinen Hund zurück.

Die alte Frau brachte eine winzige graue Maus mit.

„Sieh nur, wie flink sie ist!“, sagte die Alte.

„Und der Hund ist so fröhlich“, antwortete der Alte.

Sie berieten lange.

Dann beschlossen sie, dass der Hund beim benachbarten Hirten mit viel Platz gut aufgehoben wäre.

Die Maus sollte bei ihnen im Haus bleiben.

So bekamen die beiden eine kleine Helferin.

Sie nannten sie einfach Maus, als wäre das ein richtiger Name.

Maus war neugierig.

Sie wusste, wo das Korn lag, wo die Äpfel trockneten, wo sich das Wollknäuel versteckte, und sie hatte sogar gelernt, mit einem kleinen Löffel zu klingeln, wenn sie an das Abendessen erinnern wollte.

Eines Morgens stellte die alte Frau einen Topf mit saurer Milchgrütze aufs Feuer.

„Maus, bleib bitte hier. Wenn die Grütze überkocht, pieps ganz laut.“

Maus nickte sehr ernst.

Die alte Frau und der alte Mann gingen in den Garten.

Zuerst war alles still.

Dann begann die Grütze zu blubbern.

Blubb, blubb.

Noch lauter.

Blubb-blubb-blubb!

Ein Tropfen sprang über den Rand und landete direkt vor Maus.

„Piep! Nicht so wild!“, schimpfte sie.

Die Grütze hörte natürlich nicht auf sie.

Noch ein Tropfen platschte auf den Herd.

Maus beschloss, selbst etwas zu unternehmen.

Sie lief zum Löffel und schob mit den Pfoten dagegen.

Der Löffel kippte um und klirrte so laut, dass Maus erschrak.

Sie rutschte aus und fiel direkt in einen großen Korb mit sauberen Handtüchern neben dem Herd.

Die Tücher begruben sie vollständig.

Genau da kamen die Alten nach Hause.

„Maus!“, rief die Frau.

Stille.

„Maus, wir sind wieder da!“

Keine Antwort.

Sie sahen unter die Bank.

Hinter die Truhe.

In die Vorratskammer.

Neben die Tür.

Nichts.

Die Grütze war inzwischen so stark eingekocht, dass ihre Oberfläche ganz ruhig geworden war.

„Ach du meine Güte“, flüsterte die Alte. „Was, wenn sie in den Topf gefallen ist?“

Der alte Mann wurde blass.

Beide erschraken so sehr, dass er sich an den Bart fasste und sie an ihr Kopftuch.

„Ich bin schuld!“, jammerte die Alte. „Ich hätte sie nicht bei dem heißen Topf lassen dürfen!“

Der Alte lief hinaus, um Wasser zu holen.

Auf einem Ast saß eine Elster.

„Krak-krak! Warum siehst du so verwirrt aus?“, fragte sie.

„Unsere Maus ist verschwunden! Wir fürchten, dass etwas passiert ist!“

Die Elster regte sich so auf, dass sie auf dem Ast herumhüpfte und eine Feder verlor.

„Ach! Jetzt habe sogar ich etwas von dieser traurigen Geschichte abbekommen!“

Die alte Frau lief inzwischen zum Brunnen.

Dort stand ein Mädchen mit einem Krug.

„Großmutter, warum hast du es so eilig?“

„Unsere Maus ist verschwunden!“

Das Mädchen erschrak so sehr, dass es beinahe den Krug fallen ließ.

Es fing ihn noch rechtzeitig auf, verschüttete aber Wasser über die Füße.

„Na wunderbar! Jetzt bin sogar ich wegen eurer Geschichte nass!“

Eine Nachbarin hörte davon.

Sie erzählte es dem Bäcker.

Der Bäcker dem Schmied.

Der Schmied dem Wächter am Palast.

Nach einer Stunde wusste das ganze Dorf, dass bei der alten Frau und dem alten Mann etwas Außergewöhnliches geschehen war.

Währenddessen bewegte sich im Haus plötzlich der Korb mit den Handtüchern.

Zuerst erschien eine kleine rosa Nase.

Dann zwei Ohren.

Dann die ganze Maus.

„Piep-piep!“, sagte sie empört.

Die alte Frau erstarrte.

„Maus!“

Der Alte ließ den Wassereimer fallen und nahm die kleine Ausreißerin in die Hand.

„Wo warst du denn?“

Maus zeigte auf den Korb.

Die Alte schaute hinein und sah den umgekippten Löffel.

„Du bist gar nicht in den Topf gefallen! Du hast dich nur in den Tüchern versteckt!“

Maus nickte feierlich.

Da klopfte es an der Tür.

Das Mädchen vom Brunnen kam.

Die Elster setzte sich auf den Zaun.

Dann erschienen Nachbarn, Bäcker, Schmied und sogar der Wächter.

„Nun?“, fragten alle. „Habt ihr sie gefunden?“

Die Alte hob Maus auf der Hand hoch.

„Hier ist unsere große Katastrophe!“

Alle sahen das winzige graue Gesicht.

Maus piepste.

Jemand begann zu lachen.

Dann ein zweiter.

Dann lachten alle.

Die Elster lachte so heftig, dass sie fast vom Zaun fiel.

„Wegen eines umgekippten Löffels haben wir das halbe Dorf in Aufregung versetzt!“, sagte der Alte.

„Und ich wollte schon das Schlimmste glauben, ohne überhaupt in den Handtuchkorb zu schauen“, fügte die Alte hinzu.

Von diesem Tag an gab es in ihrem Haus eine neue Regel.

Wenn etwas Unverständliches geschah, sagte die alte Frau:

„Zuerst suchen wir ruhig.“

Und der Alte ergänzte:

„Danach machen wir uns Sorgen. Wenn es dann überhaupt noch einen Grund gibt.“

Maus hielt sich fortan von heißen Töpfen fern.

Beim Handtuchkorb dagegen fühlte sie sich weiterhin sehr wohl.

Und wenn im Dorf jemand wegen einer Kleinigkeit in Panik geriet, lächelten die Leute und sagten:

„Nur langsam. Vielleicht ist es bloß wieder Maus im Handtuchkorb.“

Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨