

Laos
Die Berggeister und die Steinmörser
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Laos
- Alter
- 6–9 Jahre
- Dauer
- 6 Min.

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Die Berggeister und die Steinmörser
Nahe einer großen Stadt in Laos erhoben sich hohe Berge.
Am Tag lagen ihre Hänge blau in der Ferne. Gegen Abend verschwanden die Gipfel oft im Nebel.
Die Menschen erzählten, dass hoch zwischen den Felsen Berggeister lebten.
Normalerweise mischten sich die Geister nicht in die Angelegenheiten der Stadt ein.
Und die Stadtbewohner gingen nicht ohne Grund zu ihnen hinauf.
Damit waren eigentlich alle zufrieden.
Doch eines Morgens hörte man auf der Hauptstraße ein ungewöhnliches Dröhnen.
Rumm!
Rumm!
Rumm!
„Was ist das?“, fragte der Reishändler und steckte den Kopf aus seinem Laden.
„Vielleicht Donner?“, vermutete eine Frau mit einem Korb voller Gemüse.
„Donner bei so klarem Himmel?“, wunderte sich ein alter Handwerker.
Das Dröhnen kam näher.
Dann erschienen die Berggeister.
Sie rollten riesige steinerne Mörser vor sich her.
Die Mörser waren so groß, dass in jedem von ihnen ein ganzer Sack Reis Platz gehabt hätte.
Die dicken steinernen Stößel sahen aus, als könnte man damit nicht nur Getreide, sondern gleich Felsbrocken zermahlen.
„Guten Tag!“, riefen die Geister.
„Guten Tag“, antworteten die Stadtbewohner vorsichtig.
„Wir haben euch ausgezeichnete Mörser gebracht.“
Die Menschen gingen um die steinernen Gefäße herum und betrachteten sie von allen Seiten.
„Sie sind sehr ... groß“, sagte schließlich jemand.
„Genau deshalb sind sie ausgezeichnet!“, erklärten die Geister stolz.
„Und sehr schwer“, fügte jemand anderes hinzu.
„Stein muss schwer sein. Was wäre das sonst für ein Stein?“
Die Menschen sahen einander an.
Schließlich fragte der Stadtälteste:
„Und was verlangt ihr für diese Mörser?“
Die Geister nannten ihren Preis.
Auf dem Platz wurde es still.
Sogar die Hühner hörten für einen Moment auf zu gackern.
„Vielleicht haben wir uns verhört“, sagte der Reishändler.
Die Geister wiederholten den Preis.
Nun redeten die Stadtbewohner alle gleichzeitig.
„Für so viel Geld kann man viele gewöhnliche Mörser kaufen!“
„Wir brauchen keine so riesigen!“
„Wo sollen wir sie überhaupt hinstellen?“
„Wer könnte mit solchen Dingern arbeiten?“
Der Älteste hob die Hand.
„Verehrte Geister, seid uns nicht böse. Eure Mörser sind stabil, und der Stein ist wirklich schön. Aber für unseren Reis sind sie viel zu groß, und der Preis ist zu hoch. Wir können sie nicht kaufen.“
Die Geister zogen finstere Gesichter.
Seit dem Morgen hatten sie die schweren Steinmörser vom Berg herabgeschafft.
Unterwegs hatten sie Pausen gemacht, sich den Schweiß von der Stirn gewischt und darüber gestritten, wer den größten schieben musste.
„Also wollt ihr sie nicht?“, fragte ein Geist.
„Nein“, antworteten die Menschen.
„Dann bringt sie uns wieder auf den Berg.“
Die Stadtbewohner blickten auf die Mörser.
Dann hinauf zum Berg.
Dann wieder auf die Mörser.
Das nächstgelegene Steingefäß war so schwer, dass vier kräftige Männer es kaum um eine Handbreit bewegen konnten.
„Vielleicht nehmt ihr sie selbst wieder mit?“, schlug der Handwerker vorsichtig vor.
„Wir haben sie schon hergebracht“, sagten die Geister. „Jetzt seid ihr dran.“
„Aber wir haben sie doch gar nicht bestellt!“
„Und wir sind müde!“
So begann ein langer Streit.
Die Geister fanden es ungerecht, die Steine noch einmal bergauf ziehen zu müssen.
Die Stadtbewohner erklärten, dass man niemanden zwingen könne, etwas zu kaufen, nur weil es bereits geliefert worden war.
Sie stritten und stritten.
Die Sonne stieg hoch.
Dann begann sie wieder zu sinken.
Die Mörser standen immer noch mitten auf der Straße.
Schließlich sagte eine kluge Frau:
„Hört zu. Wenn wir euch etwas weniger bezahlen, als ihr verlangt, und die Mörser dafür hierbleiben, ist der Streit dann beendet?“
Die Geister steckten die Köpfe zusammen.
Auch die Stadtbewohner berieten sich.
Der Preis war ihnen immer noch ziemlich hoch.
Aber niemand wollte die steinernen Riesen den steilen Berg hinaufbefördern.
Am Ende einigten sie sich.
Die Geister nahmen das Geld und gingen zufrieden zurück in die Berge.
Die Mörser blieben in der Stadt.
Einer stand an der Straße.
Ein anderer nicht weit vom Markt.
Ein dritter zwischen den Häusern.
Die Jahre vergingen.
Die Menschen gewöhnten sich an die riesigen Steinmörser, so wie man sich an einen alten Baum oder einen großen Felsen gewöhnt.
Wenn ein Reisender in die Stadt kam, blieb er fast immer stehen und fragte:
„Wozu braucht ihr so gewaltige Mörser?“
Dann lächelte jemand aus der Stadt.
„Das ist eine lange Geschichte.“
„Und die kurze Version?“
„Vor langer Zeit wollten die Berggeister uns unbedingt etwas verkaufen, und unsere Stadt wollte es unbedingt nicht kaufen.“
Der Reisende lachte.
„Und wer hat gewonnen?“
Der Stadtbewohner sah auf den Mörser.
„Schwierige Frage. Die Geister bekamen Geld. Wir mussten die Steine nicht auf den Berg zurücktragen. Und die Mörser stehen bis heute hier.“
Dann fügte er meistens hinzu:
„Dafür haben wir jetzt eine Geschichte, die wir jedem neuen Gast erzählen können.“
Und tatsächlich blieben die großen Steinmörser an ihren Plätzen.
Wenn jemand daran zweifelte, dass Berggeister sie hergebracht hatten, zeigten die Leute auf den schweren Stein und sagten:
„Überleg doch selbst. Wer sonst hätte so ein Ungetüm vom Gipfel bis hierher geschafft?“
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
