Cover: Die Bremer Stadtmusikanten

Deutschland

Die Bremer Stadtmusikanten

Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.

Land
Deutschland
Alter
4–8 Jahre
Dauer
7 Min.
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Die Bremer Stadtmusikanten

Ein Esel hatte viele Jahre lang seinem Besitzer geholfen, Säcke, Heu und Gemüse zum Markt zu bringen. Er war ein zuverlässiger Arbeiter, wurde mit dem Alter jedoch langsamer.

Eines Morgens hörte er:

„Er ist schon alt. Wir müssen wohl einen anderen Hof für ihn finden.“

Der Esel dachte nach.

„Ein anderer Hof? Warum nicht gleich ein anderes Leben? Meine Stimme war immer hervorragend. Ich gehe nach Bremen und werde Musiker!“

Fröhlich zog er los und pfiff auf seine ganz eigene Eselart.

Bald sah er am Weg einen alten Hund liegen, der schwer atmete.

„Warum bist du so traurig, Freund?“, fragte der Esel.

„Früher konnte ich schnell laufen und bei der Jagd helfen. Jetzt sind meine Beine nicht mehr so kräftig. Mein Besitzer will mich weggeben. Ich weiß nicht, wohin.“

„Komm mit mir nach Bremen. Ich singe den Bass, und du kannst mit deinem Bellen wunderbar den Rhythmus halten.“

Der Hund hob die Ohren.

„Eine Musikgruppe? Das ist viel besser, als hier herumzuliegen und traurig zu sein.“

Also gingen sie zu zweit weiter.

Später saß eine Katze mit sehr mürrischem Gesicht am Straßenrand.

„Guten Tag, Frau Katze“, sagte der Esel. „Warum diese schlechte Laune?“

„Früher habe ich jede Nacht Mäuse gejagt. Jetzt liege ich lieber am warmen Ofen. Zu Hause findet man mich inzwischen zu faul.“

„Kannst du singen?“

Die Katze fühlte sich beinahe beleidigt.

„Meine Stimme hört man nachts über drei Zäune hinweg.“

„Dann bist du wie geschaffen für unsere Band!“

Die Katze schloss sich an.

Am nächsten Hof saß ein Hahn auf dem Tor und krähte so laut, dass die Blätter am Apfelbaum zitterten.

„Was für eine Stimme!“, rief der Esel. „Warum strengst du dich so an?“

„Man hat mir gesagt, dass ich morgen zu den Nachbarn gebracht werde, weil ich alle viel zu früh wecke. Dabei kündige ich doch nur gewissenhaft den Sonnenaufgang an!“

„Komm mit uns nach Bremen. Für einen Musiker ist eine laute Stimme ein Vorteil.“

Nun waren sie zu viert: Esel, Hund, Katze und Hahn.

Bremen erreichten sie an diesem Tag nicht. Am Abend befanden sie sich mitten im Wald und suchten einen Platz zum Schlafen.

Der Hahn flog auf einen hohen Ast.

„Da ist ein Licht zwischen den Bäumen!“

„Und wo Licht ist, gibt es vielleicht auch Abendessen“, sagte der Hund hoffnungsvoll.

Sie gingen darauf zu.

Durch das Fenster sahen sie eine Lampe. An einem Tisch saßen mehrere Leute und stritten über Säcke voller Dinge, die offensichtlich nicht ihnen gehörten.

„Das sind wohl keine besonders gastfreundlichen Bewohner“, flüsterte die Katze.

„Das Haus ist trotzdem groß“, sagte der Esel. „Vielleicht geben sie uns eine Ecke, wenn wir uns richtig vorstellen.“

„Mit Musik!“, schlug der Hahn vor.

Die Tiere bereiteten einen Auftritt vor.

Der Esel stellte die Vorderbeine auf das Fensterbrett. Der Hund kletterte auf seinen Rücken, die Katze auf den Hund und der Hahn ganz nach oben.

„Auf drei“, sagte der Esel. „Eins... zwei... drei!“

Dann begann das Konzert.

„I-A-A-A!“

„WAU-WAU!“

„MIAAAU!“

„KIKERIKIII!“

Jeder sang seine eigene Melodie, in seinem eigenen Tempo und, wenn man ehrlich war, in einer völlig anderen Tonart.

Im Haus sprangen alle auf.

„Was ist das?!“

Im Fenster erschien eine merkwürdige mehrköpfige Gestalt, die gleichzeitig brüllte, bellte, miaute und krähte.

Die ungebetenen Bewohner glaubten, ein unbekanntes Waldwesen sei gekommen, und rannten so schnell durch die Hintertür hinaus, dass sie sogar ihre Hüte zurückließen.

Die Tiere gingen vorsichtig hinein.

„Das Publikum war offenbar beeindruckt“, sagte die Katze.

„Wir waren noch nicht einmal beim Refrain“, bedauerte der Hahn.

Auf dem Tisch lagen Brot, Käse, Äpfel und eine Schüssel warmer Brei. Die Freunde aßen, löschten die Lampen und suchten sich Schlafplätze.

Der Esel legte sich auf weiches Heu im Hof.

Der Hund schlief an der Tür.

Die Katze am warmen Ofen.

Der Hahn auf einem Balken unter dem Dach.

Mitten in der Nacht kehrte einer der früheren Bewohner zurück, um nachzusehen, ob wirklich ein Ungeheuer eingezogen war.

Leise öffnete er die Tür.

In der Dunkelheit leuchteten die Augen der Katze.

„Zwei grüne Feuer!“, flüsterte er.

Die Katze hörte den fremden Schritt und miaute laut.

Der Hund bellte.

Der Esel schrie im Hof.

Und vom Dachbalken setzte der Hahn den Schlussakkord:

„KIKERIKIII!“

Der Besucher rannte schneller hinaus, als er gekommen war.

„Da drinnen sitzt ein furchtbarer Wächter mit leuchtenden Augen! An der Tür donnert eine Trommel, im Hof brüllt ein Riese, und vom Dach ruft jemand Befehle!“, berichtete er seinen Gefährten.

Danach kehrte niemand mehr zurück.

Am Morgen sahen sich die Freunde das Haus an. Es gab eine Küche, ein trockenes Dach, einen kleinen Garten und sogar einen alten Schuppen, in dem man proben konnte, ohne die Nachbarn zu erschrecken.

Der Esel sah die anderen an.

„Müssen wir eigentlich unbedingt bis Bremen weitergehen?“

Der Hund streckte sich an der Tür.

„Hier ist es gar nicht schlecht.“

Die Katze hatte schon einen sonnigen Platz auf der Fensterbank gefunden.

„Überhaupt nicht schlecht.“

Der Hahn flog aufs Dach.

„Die Akustik ist ausgezeichnet!“

So blieben die vier reisenden Musikanten zusammen in ihrem neuen Zuhause.

In einem großen Konzertsaal traten sie zwar nie auf. Dafür veranstalteten sie jeden Abend Konzerte für sich selbst, für die Waldvögel und gelegentliche Wanderer.

Und wenn jemand sagte:

„Ihr seid doch schon zu alt für neue Abenteuer“,

antwortete der Esel:

„Für Abenteuer, Freunde und Musik ist niemand zu alt.“

Dann begann die Band feierlich:

„I-A-A-A!“

„WAU!“

„MIAU!“

„KIKERIKIII!“

Und der ganze Wald wusste: Die Probe hatte begonnen.

Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨