Cover: Die erste Kuh mit loser Haut und der erste Karabao mit straffer Haut

Philippinen

Die erste Kuh mit loser Haut und der erste Karabao mit straffer Haut

Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.

Land
Philippinen
Alter
5–9 Jahre
Dauer
5 Min.
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Die erste Kuh mit loser Haut und der erste Karabao mit straffer Haut

Als auf der Erde noch wenige Menschen lebten, konnten die Tiere in den Geschichten sprechen. Oft begleiteten sie die Menschen auf Reisen und halfen ihnen bei der Arbeit. Ein Wanderer machte sich eines Tages auf den Weg durch die Berge. Er nahm eine Kuh und einen Karabao mit. Ein Karabao ist ein großer, kräftiger Wasserbüffel, wie man ihn auf den Philippinen seit jeher bei den Reisfeldern sieht. Dieser hier war ruhig, bedächtig und sehr zuverlässig. Die Kuh war lebhafter. Sie entdeckte alles Ungewöhnliche zuerst und erschrak manchmal schon über ein Rascheln im Gebüsch. Ihr Weg führte hoch ins Gebirge. Zwischen Felsen und Bäumen entdeckten sie den dunklen Eingang einer Höhle. „Wir müssen nachsehen, ob wir hier eine Rast einlegen können“, sagte der Wanderer. Die Kuh und der Karabao gingen vorsichtig hinein. In der Höhle war es kühl. Von der Decke fielen leise Wassertropfen: plitsch ... plitsch ... plitsch ... Plötzlich bewegte sich etwas im Dunkeln. „Hast du das gesehen?“, flüsterte die Kuh und versteckte sich sofort hinter dem breiten Rücken des Karabaos. „Was denn?“, fragte er gelassen. In diesem Augenblick trat der Bewohner der Höhle aus dem Schatten: ein alter Berggeist. Seine Stimme klang gewaltig, doch er sprach keineswegs zornig. „Fürchtet euch nicht“, sagte der Geist. „Ich bin schon lange allein hier. Heute habe ich großen Hunger. Habt ihr vielleicht ein wenig zu essen?“ Die Kuh schaute hinter dem Karabao hervor. In der Tasche, die sie trug, lagen Vorräte für die Reise. „Wir können teilen“, sagte sie. „Es reicht für uns alle.“ Der Höhlengeist freute sich sehr. „Ein gutes Herz ist mehr wert als eine volle Vorratskammer“, sagte er. „Für eure Freundlichkeit schenke ich euch etwas Besonderes.“ Er brachte zwei Zaubergewänder. Das eine schimmerte in einem warmen Goldton. Das andere war von einem tiefen Bronzebraun. „Geht sorgsam damit um“, sagte der Geist. Die Kuh und der Karabao waren begeistert. Die Gewänder waren leicht, fest und so glatt, dass sich die Sonnenstrahlen darin spiegelten. Die beiden blieben einige Tage bei der Höhle. Sie halfen dem Geist, Früchte zu sammeln und Wasser zu holen. An einem warmen Morgen schickte er die Freunde aus, reifes Obst zu sammeln. Fröhlich machten sich die Kuh und der Karabao auf den Weg in den Wald. Unterwegs kamen sie jedoch an einen herrlichen Teich mit kühlem Wasser und weichem Lehm. „Lass uns baden!“, schlug die Kuh vor. „Aber nur kurz“, stimmte der Karabao zu. Sie zogen ihre Zaubergewänder aus, legten sie ordentlich ans Ufer und stiegen ins Wasser. Der Karabao versank genüsslich fast bis zu den Ohren im kühlen Schlamm. „Das ist eine Erholung!“, murmelte er. Die Kuh planschte neben ihm und lachte. Da hörten sie plötzlich die Stimme ihres Reisegefährten. Der Wanderer kam den Pfad entlang und rief nach ihnen. Er machte sich Sorgen, weil die Tiere schon so lange verschwunden waren. „Wir müssen uns beeilen!“, sagte die Kuh. Die Freunde sprangen aus dem Teich, griffen nach den Gewändern und zogen sie hastig an. Erst als sie schon ein gutes Stück gelaufen waren, blieb der Karabao stehen. „Irgendwie ist das ganz schön eng“, sagte er und bewegte die Schultern. Auch die Kuh betrachtete sich. „Und bei mir hängt alles wie ein großer Sack!“ Da begriffen sie: In der Eile hatten sie ihre Kleider verwechselt. Der große Karabao hatte das kleinere Gewand der Kuh angezogen. Es lag eng an seinem Hals und seinen Flanken. Die Kuh dagegen trug das große Gewand des Karabaos. An ihrem Hals bildete es lockere, weiche Falten. „Komm, wir gehen zurück und tauschen“, schlug die Kuh vor. Doch die Zaubergewänder veränderten sich bereits. Sie wurden immer weicher und wärmer. Schließlich wuchsen sie mit den Körpern der Tiere zusammen und verwandelten sich in ihre Haut. „Nun ja“, seufzte der Karabao. „Jetzt ist es zu spät.“ Die Kuh sah ihn an und lächelte. „Dafür wird niemand unser Abenteuer vergessen.“ So bekam der Karabao der alten philippinischen Geschichte zufolge seine straffe Haut, die eng um seinen kräftigen Hals liegt. Die Kuh erhielt die weichere, lockerere Haut mit ihren Falten. Und wenn jemand fragte, warum die beiden so verschieden aussahen, antworteten die alten Erzähler: „Weil sich zwei Freunde nach dem Baden einmal so sehr beeilten, dass sie ihre Zaubergewänder verwechselten.“

Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨