Cover: Die Fehler des Alten

Vereinigte Staaten

Die Fehler des Alten

Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.

Land
Vereinigte Staaten
Alter
7–11 Jahre
Dauer
4 Min.
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Die Fehler des Alten

Als die Welt noch jung war, hatte der Alte viel zu tun.

Er sah auf die Berge, die Ebenen und die Täler und überlegte, wo welches Tier am besten leben sollte.

Doch auch jemand, der an etwas Großem arbeitet, kann sich irren.

Eines Tages schuf der Alte einen kräftigen Dickhornschafbock mit großen gebogenen Hörnern.

Er betrachtete ihn und sagte:

„Für dich habe ich eine weite Ebene. Viel Platz, hoher Himmel. Dort kannst du leben.“

Das Dickhornschaf ging los.

Zuerst im Schritt.

Dann versuchte es zu laufen.

Doch irgendetwas stimmte nicht.

Auf der offenen Ebene wirkte das kräftige Tier unbeholfen.

Seine starken Beine schienen nicht zu wissen, was sie mit all ihrer Kraft anfangen sollten.

Es lief ein Stück.

Blieb stehen.

Sah sich um.

Der Alte beobachtete es lange.

„Seltsam. Ich habe dich so stark gemacht. Warum wirkst du hier so unsicher?“

Das Dickhornschaf antwortete nicht.

Es blickte nur zu den fernen Bergen.

Der Alte folgte seinem Blick.

„Gut. Versuchen wir etwas anderes.“

Er führte das Tier hoch in die Berge.

Dort wurden die Wege schmal.

Steine lagen übereinander.

Die Hänge waren steil.

Der Alte ließ das Dickhornschaf los und setzte sich auf einen Felsen.

„Zeig, was du kannst.“

Das Tier setzte einen Huf auf einen Stein.

Dann auf den nächsten.

Plötzlich sprang es leicht auf einen schmalen Vorsprung.

Dann höher.

Noch höher.

Es lief über den felsigen Hang, als hätte es genau darauf sein ganzes Leben gewartet.

Der Alte stand auf.

„Das ist es!“

Wo andere Tiere stehen geblieben wären, fand das Dickhornschaf sicheren Halt.

Wo ein Pfad fast verschwand, setzte es genau den richtigen Huf auf den richtigen Stein.

Der Alte sah ihm zu, bis ihm selbst vom Hinsehen schwindelig wurde.

Dann lachte er.

„Jetzt verstehe ich. Ich habe dich einfach an den falschen Ort gesetzt. Hier gehören deine Beine hin.“

Also ließ er das Dickhornschaf in den Bergen.

Doch seine Fehler waren damit noch nicht vorbei.

Während er dort saß, schuf er die Antilope.

Sie war leicht, schlank und schnell.

Der Alte sah sie an.

Dann die Berge.

„Wenn es dem Dickhornschaf hier gut geht, vielleicht gefällt es dir auch.“

Er ließ die Antilope zwischen den Steinen laufen.

Schon nach wenigen Schritten wurde klar, dass das eine schlechte Idee war.

Sie stieg über einen Stein.

Stolperte fast am nächsten.

Auf dem dritten geriet sie ins Schwanken.

Sie versuchte schneller zu werden, doch zwischen Felsvorsprüngen und schmalen Wegen konnte sie ihre Geschwindigkeit gar nicht nutzen.

Der Alte kratzte sich am Kopf.

„Ich glaube, ich war wieder zu schnell mit meiner Entscheidung.“

Er rief die Antilope zurück.

Dann sah er zum Dickhornschaf, das ruhig hoch oben auf einem Felsen stand.

„Du bist offenbar zu Hause. Für sie brauchen wir etwas anderes.“

Der Alte führte die Antilope zurück ins Tal.

Sie kamen auf eine weite offene Ebene.

Keine Felsen.

Keine engen Wege.

Nur Raum und Wind.

„Versuch es hier.“

Die Antilope machte einen Schritt.

Dann einen zweiten.

Dann lief sie.

Immer schneller.

Ihre Beine berührten den Boden fast nur noch leicht.

Die Entfernung schien sich vor ihr zu öffnen.

Der Alte blinzelte.

Die Antilope war schon weit fort.

Er blinzelte noch einmal.

Nur noch ein kleiner Punkt.

Dann fast verschwunden.

Der Alte lachte.

„Da ist dein Platz.“

Er brachte die Antilope nicht zurück in die Berge.

Und das Dickhornschaf nicht zurück auf die Ebene.

Er merkte sich einfach seinen Fehler.

Denn Weisheit bedeutet nicht, niemals falsch zu liegen.

Weisheit bedeutet auch, zu erkennen, wenn etwas nicht funktioniert, genau hinzusehen und einen besseren Weg zu versuchen.

So blieb das Dickhornschaf an den felsigen Hängen.

Die Antilope lebte auf der weiten Ebene.

Nicht beide bekamen dasselbe Zuhause.

Jeder bekam den Ort, an dem er am besten er selbst sein konnte.

Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨