

Ukraine
Die Füchsin und der Kranich
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Ukraine
- Alter
- 4–8 Jahre
- Dauer
- 5 Min.

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Die Füchsin und der Kranich
Eine Füchsin und ein Kranich freundeten sich miteinander an. Wenn sie sich am Fluss trafen, sprachen sie über das Wetter, die Neuigkeiten aus dem Wald, darüber, wo die Beeren reif waren und wo die Frösche am lautesten sangen.
Eines Tages sagte die Füchsin:
„Lieber Kranich, komm morgen zu mir zu Besuch. Ich werde dich so gut bewirten, dass du es nicht vergisst!“
„Danke, liebe Füchsin. Ich komme“, antwortete der Kranich.
Am nächsten Tag strich er seine Federn ordentlich glatt und flog zum Häuschen der Füchsin. Dort duftete es schon nach warmem Milchbrei.
„Komm herein, lieber Gast!“, sagte die Füchsin geschäftig. „Setz dich näher heran. Für dich habe ich das beste Essen vorbereitet.“
Sie nahm einen breiten, flachen Teller, verstrich den Brei in einer dünnen Schicht darauf und stellte ihn auf den Tisch.
„Iss, lieber Kranich, iss! Nur keine Scheu.“
Der Kranich senkte seinen langen Schnabel zum Teller. Klopf, klopf. Er versuchte es von einer Seite. Klopf, klopf. Dann von der anderen. Doch sein Schnabel war lang und der Teller flach. So sehr er sich auch bemühte, er konnte fast nichts aufnehmen.
Die Füchsin leckte inzwischen mit ihrer Zunge über den Teller. Für sie war dieses Geschirr genau richtig.
„Schmeckt es?“, fragte sie.
Höflich antwortete der Kranich:
„Es duftet sehr gut.“
Die Füchsin war so mit dem Brei beschäftigt, dass sie nicht bemerkte, wie hungrig ihr Gast blieb. Bald war der Teller leer.
„Das war es“, sagte sie. „Ich teile gern, was ich habe.“
Der Kranich begann keinen Streit. Er dachte nur: „Bei einer Einladung sollte es nicht nur dem Gastgeber gut gehen.“
Bevor er fortflog, sagte er:
„Danke für die Einladung. Komm morgen zu mir. Jetzt bin ich an der Reihe, dich zu bewirten.“
Die Füchsin freute sich.
„Oh, ich komme bestimmt!“
Den ganzen nächsten Tag stellte sie sich vor, was der Kranich wohl kochen würde. Vielleicht einen Kuchen? Vielleicht Beeren mit Honig? Oder etwas so Köstliches, dass sie noch nie davon gehört hatte?
Endlich lief die Füchsin zum Kranich.
„Willkommen, liebe Freundin!“, sagte er. „Bitte komm an den Tisch.“
Auf dem Tisch stand ein hohes Tongefäß mit einem schmalen Hals. Duftender Dampf stieg daraus auf. Darin lagen gekochtes Gemüse und kleine leckere Häppchen.
„Lass es dir schmecken“, lud der Kranich sie ein.
Er steckte seinen langen Schnabel in den Hals des Gefäßes und holte mühelos ein Stück nach dem anderen heraus.
Die Füchsin ging rechts um das Gefäß herum, dann links. Sie versuchte, ihre Schnauze hineinzustecken. Es ging nicht. Sie wollte mit der Zunge an das Essen kommen. Es war zu weit entfernt. Nicht einmal mit der Pfote konnte sie etwas erreichen.
„Mmm, sehr lecker“, lobte der Kranich.
Die Füchsin setzte sich hin und betrachtete verdrießlich den schmalen Hals.
Da erinnerte sie sich plötzlich an den flachen Teller vom Vortag. Sie erinnerte sich daran, wie der Kranich mit seinem Schnabel geklopft und nichts zu essen bekommen hatte.
„So ist das also“, dachte sie. „Gestern habe ich Geschirr gewählt, das nur für mich passte. Heute hat der Kranich dasselbe getan.“
Als das Essen aufgebraucht war, sagte der Kranich:
„Das war es, liebe Füchsin. Ich teile gern, was ich habe.“
Schon wollte die Füchsin ärgerlich schnauben. Doch sie hielt inne.
„Lieber Kranich, ich glaube, ich verstehe, warum ich heute hungrig geblieben bin.“
Der Kranich sah sie aufmerksam an.
„Und ich habe dir wohl ein wenig zu genau deine gestrige Einladung zurückgegeben“, antwortete er.
Eine Weile schwiegen beide.
„Wenn wir uns wieder einmal zum Essen einladen“, sagte die Füchsin, „sollten wir Geschirr wählen, aus dem wir beide essen können.“
„Das wäre klug“, stimmte der Kranich zu.
Seitdem wussten sie: Einen Gast einzuladen bedeutet nicht nur, auf den Tisch zu stellen, was für einen selbst bequem ist. Man muss auch an denjenigen denken, den man eingeladen hat.
Denn echte Gastfreundschaft beginnt weder mit einem Teller noch mit einem Topf. Sie beginnt mit Aufmerksamkeit.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
