

Sri Lanka
Die gierige Palmzibetkatze
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Sri Lanka
- Alter
- 5–9 Jahre
- Dauer
- 6 Min.

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Die gierige Palmzibetkatze
Drei Bauern rodeten ein Stück Land am Waldrand und pflanzten dort Bananen. Lange arbeiteten sie daran. Sie trugen Wasser herbei, stützten nach dem Regen die jungen Pflanzen, entfernten trockene Blätter und schauten täglich unter das breite grüne Laub: „Na, werden sie bald reif?“ Endlich hingen schwere Fruchtstände an den Pflanzen. Die Bananen wurden größer und gelb. Sie dufteten so süß, dass der Geruch bis zum Waldrand zog. Doch sobald die Bauern beschlossen: „Diesen Fruchtstand können wir morgen abschneiden“, waren am nächsten Morgen die reifsten Früchte verschwunden. „Merkwürdig“, sagte der erste Bauer. „Gestern waren sie noch da, heute nicht mehr“, staunte der zweite. „Jemand kommt nachts“, vermutete der dritte. Sie untersuchten den Boden, doch die Spuren verloren sich im Laub. Abends hielten sie Wache, aber der geheimnisvolle Nascher zeigte sich nicht. Da ersannen die Bauern eine ungefährliche Falle. Bei den am stärksten duftenden Bananen stellten sie einen großen geflochtenen Korb auf eine Stütze. Zog jemand an einer Banane, rutschte die Stütze weg, und der Korb senkte sich sanft darüber. „Nun werden wir sehen, wer unsere Ernte mitnimmt“, sagten sie und gingen nach Hause. In dieser Nacht kamen zwei Palmzibetkatzen aus dem Wald: eine Mutter und ihr Junges. Das Junge hob sofort die Nase. „Mama! Riechst du das?“ „Ja“, antwortete die Mutter. „Und gerade deshalb gehen wir besser vorbei.“ „Aber ich schaue doch nur.“ Sie kamen ein wenig näher. Zwischen den breiten Blättern leuchteten die schönsten Bananen des ganzen Gartens. Die Mutter blieb stehen. „Hier stimmt etwas nicht. Gestern stand bei dieser Pflanze noch kein Korb.“ Die junge Palmzibetkatze schaute hinauf. „Ich schaue doch nur, Mama. Schauen ist nicht verboten.“ „Schauen darf man. Aber manchmal geht man besser fort, bevor die Neugier einen weiterzieht.“ Das Junge machte noch einen Schritt. „Ich gehe nur näher heran. Ich fasse nichts an.“ „Tu das nicht“, sagte die Mutter. „Was soll denn bei einem einzigen Schritt geschehen?“ Noch ein Schritt. Dann noch einer. Schließlich stand das Junge direkt unter den Bananen. „Ich schnuppere nur.“ Es streckte den Hals. „Was für ein Duft!“ „Komm“, drängte die Mutter. „Gleich. Ich berühre sie nur mit der Pfote. Ich esse doch nichts.“ Die Pfote berührte die Schale. Nichts geschah. Das Junge lächelte. „Siehst du? Ich habe sie nur angefasst.“ Die Mutter schüttelte den Kopf. „Genau so beginnen törichte Abenteuer: Ich schaue nur. Ich gehe nur näher. Ich fasse nur an.“ Doch das Junge hörte schon nicht mehr zu. „Ich ziehe nur eine Banane zu mir her. Ich reiße sie nicht einmal ab.“ Es nahm die Frucht in beide Pfoten und zog leicht daran. Die Stütze machte: klick! Der Korb machte: raschel! Und die junge Palmzibetkatze saß darin. „Mama!“, piepste sie. „Ich bin hier“, sagte die Mutter ruhig auf der anderen Seite der geflochtenen Zweige. „Hol mich heraus!“ Die Mutter ging um den Korb herum. Sie schob ihn mit der Nase und versuchte, ihn mit einer Pfote zu heben. Doch der Korb war groß und schwer. „Ich fürchte, allein kann ich ihn nicht bewegen.“ Das Junge wurde still. „Und wenn die Menschen kommen?“ „Dann sehen wir weiter. Wichtig ist, dass du nicht in Panik gerätst. Du bist unverletzt. Der Korb tut dir nichts.“ Das Junge setzte sich hinein und betrachtete traurig die Banane, deretwegen alles passiert war. „Ich wollte wirklich nicht alle Bananen stehlen.“ „Ich weiß“, sagte die Mutter. „Du wolltest nur schauen.“ „Dann nur näher gehen.“ „Ja.“ „Dann nur riechen.“ „Ja.“ „Dann nur anfassen ...“ „Und jedes Nur hat dich einen Schritt näher an die Falle gebracht.“ Die junge Palmzibetkatze seufzte. „Jetzt verstehe ich.“ Bei Tagesanbruch kamen die Bauern. Als sie den Korb sahen, wussten sie sofort, dass der nächtliche Besucher endlich gefangen war. „Da ist der Bananennascher!“, sagte einer. „Aber er ist noch ganz jung“, bemerkte der zweite. Das Junge legte die Ohren an und drängte sich in eine Ecke. Der dritte Bauer ging neben dem Korb in die Hocke. „Wir brauchen unsere Ernte. Aber wegen ein paar Bananen werden wir einem Tier nichts antun.“ Vorsichtig hoben sie den Korb an, trugen ihn vom Garten weg bis zum Waldrand und stellten ihn auf den Boden. Die Mutter hatte sich die ganze Zeit in den nahen Büschen verborgen. „Bereit?“, sagte der Bauer. Er hob den Rand des Korbes. Das Junge sprang so schnell heraus, dass trockenes Laub nach allen Seiten flog. Einen Augenblick später stand es neben seiner Mutter. „Gehen wir nach Hause“, sagte die Mutter. „Ja.“ Sie gingen in den Wald. Doch nach ein paar Schritten drehte das Junge sich um und betrachtete den Bananengarten. Auch die Mutter blieb stehen. „Na? Duftet es wieder?“ „Sehr“, antwortete das Junge ehrlich. „Und was tust du?“ Das Junge überlegte. „Ich schaue von hier aus. Und dann gehe ich weiter.“ Die Mutter lächelte. „Das ist schon klüger.“ Seitdem schützten die Bauern die reifen Bananen mit Netzen. Die Palmzibetkatzen suchten ihr Futter im Wald. Und jene junge Palmzibetkatze, heißt es, merkte sich etwas für ihr ganzes Leben: Ein großes Missgeschick beginnt selten mit den Worten: Ich werde etwas Unvernünftiges tun. Meistens beginnt es viel leiser: „Ich schaue doch nur.“
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
