

Vereinigtes Königreich
Die Mäuse Titty und Tatty
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Vereinigtes Königreich
- Alter
- 4–8 Jahre
- Dauer
- 8 Min.

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Die Mäuse Titty und Tatty
In einem kleinen Haus lebten zwei Mäuse namens Titty und Tatty.
Titty erledigte alles am liebsten schnell.
Tatty machte alles lieber sorgfältig.
Eines Morgens gingen sie aufs Feld, um Ähren zu sammeln, die nach der Ernte liegen geblieben waren.
Titty fand eine goldene Ähre.
Tatty fand ebenfalls eine goldene Ähre.
Beide trugen ihre Ähren nach Hause.
„Wir machen Pudding!“, schlug Titty vor.
„Gern“, sagte Tatty. „Aber nicht so hastig am heißen Topf.“
Sie mahlten die Körner, gaben Milch, etwas Honig und eine Prise Zimt dazu.
Tatty machte einen kleinen Pudding.
Titty machte einen kleinen Pudding.
Beide stellten ihre Töpfchen zum Kochen auf.
Doch Titty hatte es, wie immer, eilig.
„Ich mache das schon! Ganz schnell!“, rief sie und griff nach dem Topf.
Der Topf wackelte.
„Titty, vorsichtig!“, rief Tatty.
Tatty zog ihre Freundin noch rechtzeitig zurück.
Das heiße Wasser schwappte auf den Boden.
Titty wurde nicht verletzt, nur ihre Pfoten wurden nass, und sie erschrak sehr.
Sie setzte sich auf die Bank und schluchzte.
Tatty brachte ein Handtuch, trocknete ihre Pfoten und wurde selbst ganz traurig.
Der dreibeinige Hocker neben dem Ofen hörte ihr Seufzen.
„Tatty, warum bist du traurig?“
„Titty hat sich erschreckt, das Wasser ist ausgelaufen, und beinahe wäre unser Pudding verloren gegangen. Darum bin ich traurig.“
„Wenn Tatty traurig ist und Titty sich erschreckt hat, dann hüpfe ich!“, rief der Hocker.
Und los ging es:
Bumm! Bumm! Bumm!
Der Besen in der Ecke sah ihn.
„Hocker, warum hüpfst du?“
Der Hocker antwortete:
„Titty hat sich erschreckt,
Tatty ist traurig,
darum hüpfe ich!“
„Wenn du hüpfst, dann fege ich!“, sagte der Besen.
Rasch! Rasch! Rasch!
Er fegte so eifrig, dass eine Wolke Mehlstaub zur Tür zog.
Die Tür nieste.
„Hatschi! Besen, warum fegst du so wild?“
Der Besen antwortete:
„Titty hat sich erschreckt,
Tatty ist traurig,
der Hocker hüpft,
darum fege ich!“
„Wenn du fegst, dann knalle ich!“, beschloss die Tür.
Bumm! Bumm! Bumm!
Das Fenster bebte im Rahmen.
„Tür, warum knallst du?“
Die Tür antwortete:
„Titty hat sich erschreckt,
Tatty ist traurig,
der Hocker hüpft,
der Besen fegt,
darum knalle ich!“
„Wenn du knallst, dann quietsche ich!“, sagte das Fenster.
Quiek-quiek! Quiek-quiek!
Unter dem Fenster stand eine alte Gartenbank.
„Fenster, warum quietschst du?“
Das Fenster antwortete:
„Titty hat sich erschreckt,
Tatty ist traurig,
der Hocker hüpft,
der Besen fegt,
die Tür knallt,
darum quietsche ich!“
„Wenn du quietschst, dann renne ich ums Haus!“, erklärte die Bank.
Und tatsächlich hob sie ihre vier Beine und lief los.
Tapp-tapp-tapp-tapp!
Rund um das Haus wuchs ein großer Nussbaum.
„Bank, warum rennst du im Kreis?“
Die Bank rief im Vorbeilaufen:
„Titty hat sich erschreckt,
Tatty ist traurig,
der Hocker hüpft,
der Besen fegt,
die Tür knallt,
das Fenster quietscht,
darum renne ich!“
Der Nussbaum dachte nach.
„Wenn sich alle so aufregen, dann lasse ich ein paar Blätter fallen!“
Rasch-raschel!
Grüne Blätter wirbelten durch die Luft.
Auf einem Ast saß ein kleiner Vogel.
„Baum, warum wirfst du deine Blätter ab?“
Der Baum rauschte:
„Titty hat sich erschreckt,
Tatty ist traurig,
der Hocker hüpft,
der Besen fegt,
die Tür knallt,
das Fenster quietscht,
die Bank rennt,
darum lasse ich Blätter fallen!“
Der Vogel breitete die Flügel aus.
„Wenn Blätter fliegen, mache ich einen Federsturm!“
Er putzte sich so heftig, dass kleine weiche Federn herunterwirbelten.
Gerade kam ein Mädchen mit einem Milchkrug über den Weg.
Eine Feder landete auf ihrer Nase.
„Hatschi!“
Beinahe hätte sie den Krug fallen lassen.
„Vogel, warum wirfst du Federn herum?“
Der Vogel zwitscherte:
„Titty hat sich erschreckt,
Tatty ist traurig,
der Hocker hüpft,
der Besen fegt,
die Tür knallt,
das Fenster quietscht,
die Bank rennt,
der Baum wirft Blätter,
darum putze ich meine Federn!“
Das Mädchen sah auf den Krug.
„Wenn alle irgendetwas tun, dann werde ich...“
Schon wollte sie die Milch ins Gras schütten.
Dann hielt sie inne.
„Moment. Warum sollte ich die Milch ausgießen? Zu Hause wartet man darauf.“
Alles wurde für einen Augenblick still.
Sogar die Bank blieb stehen.
Auf dem Nachbarhof reparierte ein alter Handwerker ein Strohdach.
Er stieg von der Leiter.
„Was ist denn hier für ein Durcheinander?“
Das Mädchen erklärte:
„Titty hat sich erschreckt,
Tatty ist traurig,
der Hocker hüpft,
der Besen fegt,
die Tür knallt,
das Fenster quietscht,
die Bank rennt,
der Baum wirft Blätter,
der Vogel verteilt Federn...
Und ich habe beschlossen, die Milch nicht auszugießen.“
Der alte Mann kratzte sich am Kopf.
„Eine kluge Entscheidung. Wenn jeder bei der Nachricht von einem Unglück noch etwas umwirft, knallt oder verstreut, weiß bald niemand mehr, womit alles angefangen hat.“
„Womit hat es denn angefangen?“, fragte die Bank.
„Mit Titty!“, erinnerte sich das Fenster.
„Sie hat sich erschreckt!“, sagte der Besen.
„Und Wasser ist ausgelaufen!“, fügte der Hocker hinzu.
Alle liefen zum Haus.
Titty saß auf der Bank, die Pfoten im Handtuch.
Sie weinte nicht mehr, sah aber schuldbewusst aus.
„Ich war zu schnell“, sagte sie. „Tatty hatte mich gewarnt.“
„Das Wichtigste ist, dass dir nichts passiert ist“, sagte der alte Handwerker. „Und jetzt machen wir statt eines großen Durcheinanders jeder eine kleine nützliche Sache.“
Der Hocker hörte auf zu hüpfen und stellte sich wieder an den Tisch.
Der Besen fegte ruhig den Boden.
Die Tür hörte auf zu knallen und blieb offen, damit der Dampf hinausziehen konnte.
Das Fenster hörte auf zu quietschen und ließ frische Luft herein.
Die Bank kehrte an ihren Platz unter dem Nussbaum zurück.
Der Baum ließ keine Blätter mehr fallen.
Der Vogel sammelte trockene Zweige für sein Nest.
Das Mädchen brachte die Milch nach Hause und kam später zurück, um zu helfen.
Der alte Handwerker prüfte, ob der Topf sicher stand.
Und Titty und Tatty machten sich wieder an ihren Pudding.
Diesmal hatte Titty keine Eile.
„Zuerst die Topflappen“, sagte sie.
„Richtig“, nickte Tatty.
„Dann beide Griffe festhalten.“
„Richtig.“
„Und einen heißen Topf nicht allein tragen.“
„Sehr richtig.“
Bald waren zwei kleine Puddings fertig.
Titty hatte ihren Pudding.
Tatty hatte ihren.
Und beide setzten sich zum Essen.
Der Hocker stand still.
Der Besen ruhte in der Ecke.
Die Tür knallte nicht.
Das Fenster quietschte nicht.
Die Bank rannte nicht herum.
Der Nussbaum rauschte leise.
Der Vogel sang.
Als Titty versuchte, einen Löffel Pudding viel zu schnell herunterzuschlucken, hob Tatty nur eine Augenbraue.
Titty hielt inne, pustete auf den Löffel und sagte:
„Schon gut, schon gut. Ich weiß: Nicht jede Sache muss schneller als alle anderen erledigt werden.“
Damit waren alle rundherum vollkommen einverstanden.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
