

Philippinen
Die Schnecke und der Hirsch
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Philippinen
- Alter
- 3–7 Jahre
- Dauer
- 5 Min.

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Die Schnecke und der Hirsch
In einem warmen Land lebte ein Hirsch, der sehr stolz auf seine schnellen Beine war.
Er liebte es, über Wege zu rennen, über Wurzeln zu springen und vor allen zu prahlen, die sich langsamer bewegten als er.
Eines Morgens sah er eine Schnecke. Sie kroch ruhig am Weg entlang und hinterließ eine dünne glänzende Spur.
Der Hirsch blieb stehen und lachte.
„Schnecke, wohin hast du es denn so eilig?“
„Ich habe es überhaupt nicht eilig“, antwortete sie.
„Das ist auch gut so. Wenn du dich beeilen würdest, würde vermutlich niemand den Unterschied bemerken!“, spottete der Hirsch. „Bis du den nächsten Busch erreichst, könnte ich zweimal um den ganzen Platz laufen.“
Die Schnecke hob ihre Fühler und sah ihn ruhig an.
„Schnelligkeit ist eine wunderbare Sache. Aber man sollte nicht über jemanden lachen, nur weil er sich anders bewegt.“
„Ach wirklich?“, schnaubte der Hirsch. „Willst du etwa behaupten, du wärst schneller als ich?“
„Probieren wir es aus.“
Der Hirsch hörte auf zu lachen.
„Du forderst mich zu einem Rennen heraus?“
„Genau. Von diesem Platz bis zum Brunnen auf der anderen Seite.“
„Abgemacht!“, rief der Hirsch. „Das wird das kürzeste Rennen meines Lebens.“
Die Schnecke wusste jedoch etwas, das der Hirsch nicht wusste.
Im Dorf gab es mehrere Brunnen. An jedem lebten Schnecken, und sie sahen einander sehr ähnlich. Krähen, die gern auf den Brunnenrändern saßen, hatten das Gespräch gehört und verbreiteten die Neuigkeit.
Am Abend versammelte die Schnecke ihre Verwandten.
„Der Hirsch macht ständig Späße über alle, die langsamer sind“, sagte sie. „Helft ihr mir, ihm zu zeigen, dass man andere nicht nur nach ihrer Geschwindigkeit beurteilen sollte?“
Die Schnecken waren einverstanden.
Ihr Plan war einfach: An jedem Brunnen sollte eine Schnecke warten. Wenn der Hirsch ankam und nach seinem Gegner rief, würde sie hervorschauen und sagen: „Ich bin schon hier!“
Am nächsten Morgen stand der Hirsch am Start und scharrte ungeduldig mit dem Huf.
Die Schnecke saß ruhig daneben, als hätte sie überhaupt keine Eile.
„Bereit zu verlieren?“, fragte der Hirsch.
„Bereit anzufangen“, antwortete die Schnecke.
„Eins, zwei, drei!“
Der Hirsch schoss davon. Seine Beine flogen beinahe, Staub wirbelte hinter ihm auf. Nach wenigen Minuten war er am ersten Brunnen.
Er sah zurück.
Niemand.
Der Hirsch grinste.
„Frau Schnecke! Wo bist du?“
Am Brunnenrand erschien ein kleines Köpfchen.
„Hier. Warum hast du so lange gebraucht?“
Der Hirsch riss die Augen auf.
„Wie bitte?!“
„Vielleicht noch bis zum nächsten Brunnen?“, fragte die Schnecke.
„Natürlich!“
Der Hirsch lief noch schneller. Diesmal sah er nicht einmal zur Seite. Schwer atmend erreichte er den zweiten Brunnen.
„Schnecke! Wo bist du?“
Unter einem Stein beim Wasser kroch eine andere Schnecke hervor.
„Hier. Ich warte schon eine Weile.“
„Das kann nicht sein!“
Der Hirsch verlangte ein weiteres Rennen.
Dann noch eins.
Und noch eins.
An jedem Brunnen wartete bereits „dieselbe“ Schnecke.
„Ich bin hier!“
„Schon lange!“
„Da bist du ja endlich!“
Der Hirsch lief immer schneller, doch seine Beine wurden schwer. Schließlich setzte er sich im Schatten eines Brunnens und rang lange nach Luft.
„Genug“, sagte er. „Ich verstehe nicht, wie du das machst, aber ich gebe zu: Heute habe ich verloren.“
Da kamen hinter den Steinen eine Schnecke nach der anderen hervor.
Der Hirsch zählte erstaunt.
„Eine... zwei... drei... Ihr seid ja eine ganze Familie!“
Die erste Schnecke kroch langsam näher.
„Wir haben uns gegenseitig geholfen. Du warst schneller als jeder von uns. Aber du warst so beschäftigt mit deinem Prahlen, dass du nicht daran gedacht hast: Auch kleine und langsame Wesen können klug sein und zusammenarbeiten.“
Zuerst wollte der Hirsch sich ärgern. Dann erinnerte er sich daran, wie er selbst die Schnecke verspottet hatte, und senkte den Kopf.
„Ich glaube, das habe ich verdient.“
„Mach dich beim nächsten Mal einfach nicht über jemanden lustig, weil er anders ist als du“, sagte die Schnecke.
Der Hirsch lächelte.
„Abgemacht.“
Von da an lachte er nicht mehr, wenn er auf dem Weg jemanden Langsamen traf.
Denn er erinnerte sich gut an den Tag, an dem die schnellsten Beine im ganzen Land nicht ausgereicht hatten, um eine Familie kleiner Schnecken zu überholen.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
