

Deutschland
Die Wichtelmänner und der Schuster
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Deutschland
- Alter
- 3–7 Jahre
- Dauer
- 5 Min.

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Die Wichtelmänner und der Schuster
Ein Schuster namens Matthias verstand sein Handwerk ausgezeichnet. Er fertigte feste Schuhe für lange Wege, leichte Schuhe zum Tanzen und warme Stiefel für den Winter.
Doch in einem Jahr gingen die Geschäfte schlecht. Es gab nur wenige Aufträge, und das Geld reichte kaum für das Nötigste.
Eines Abends legte Matthias sein letztes Stück Leder auf den Arbeitstisch.
„Daraus wird noch ein Paar Schuhe“, sagte er zu seiner Frau Anna. „Morgen früh fange ich an. Danach sehen wir weiter.“
Sorgfältig schnitt er die einzelnen Teile zu, legte sie neben seine Werkzeuge und ging schlafen.
Am nächsten Morgen betrat Matthias die Werkstatt und blieb wie angewurzelt stehen.
Auf dem Tisch stand ein fertiges Paar Schuhe.
Und was für eines!
Die Nähte waren vollkommen gerade, die Sohlen fest, jeder Stich saß genau dort, wo er hingehörte.
„Anna!“, rief er. „Warst du das?“
„Ich habe nicht einmal die Nadel angefasst“, antwortete seine Frau.
Schon bald kam ein Kunde herein.
„Was für herrliche Schuhe!“
Er bezahlte mehr dafür, als Matthias erwartet hatte.
Von dem Geld kaufte der Schuster Leder für zwei neue Paare.
Am Abend schnitt er wieder alle Teile zu und ließ sie auf dem Tisch liegen.
Am nächsten Morgen standen dort zwei fertige Paar Schuhe.
Wieder war die Arbeit tadellos.
Tag für Tag wiederholte sich das Wunder. Matthias kaufte mehr Material, und in der Nacht verwandelte jemand Unsichtbares es in wunderschöne Schuhe. Bald kamen Kunden aus der ganzen Stadt.
Doch Matthias wurde nicht stolz.
„Ich weiß genau, dass ich diese Schuhe nicht gemacht habe“, sagte er zu Anna. „Jemand hilft uns. Ich möchte wissen, wer.“
Kurz vor den Winterfesten schlug Anna vor:
„Heute gehen wir nicht schlafen. Wir verstecken uns hinter dem Vorhang und schauen nach.“
Am Abend legten sie wieder zugeschnittenes Leder auf den Tisch, löschten die Lampe und warteten.
Um Mitternacht fiel Mondlicht durchs Fenster.
Ganz leise öffnete sich eine kleine Tür unter dem Schrank.
Zwei winzige Wichtelmänner kamen heraus, kaum größer als ein Krug. Sie trugen dünne, abgenutzte Hemdchen und hatten nichts Warmes an den Füßen.
„An die Arbeit!“, flüsterte der erste.
„An die Arbeit!“, antwortete der zweite.
Sie sprangen auf den Tisch und begannen zu nähen.
Tick-tick machte die Nadel.
Rasch-rasch lief der Faden.
Tock-tock klopfte der kleine Hammer.
Die Wichtel arbeiteten so schnell, dass Matthias kaum mit den Augen folgen konnte. Einer nähte das Oberleder, der andere befestigte die Sohle. Dann tauschten sie die Plätze und prüften jeden einzelnen Stich.
Vor Sonnenaufgang waren die Schuhe fertig.
„Gute Arbeit“, sagte der erste Wichtel.
„Wie immer“, nickte der zweite.
Dann verschwanden beide wieder hinter dem Schrank.
Anna wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel.
„Nun wissen wir, wem wir alles verdanken.“
„Wir müssen uns bedanken“, sagte Matthias.
Am nächsten Tag ließ er seine gewöhnliche Arbeit liegen. Aus dem weichsten Leder fertigte er zwei winzige Paar Schuhe.
Anna nähte zwei warme Hemden, kleine Westen, Hosen und Strümpfe.
Am Abend legten sie statt des zugeschnittenen Leders die Geschenke auf den Tisch.
Um Mitternacht erschienen die Wichtel wieder.
Als sie die Kleidung sahen, blieben sie verwundert stehen.
„Ist das für uns?“
„Sieht ganz danach aus!“
Schnell zogen sie sich um.
Die Schuhe passten perfekt.
Der erste Wichtel sprang vor Freude hoch.
„Meine Füße frieren nicht mehr!“
Der zweite drehte sich vor einer glänzenden Metallschnalle, als wäre sie ein Spiegel.
„Und ich sehe aus wie ein echter Meister!“
Sie fassten sich an den Händen und tanzten über den Tisch.
Ein Sprung auf die Schachtel.
Ein Sprung auf den Hocker.
Sie drehten sich, lachten und stampften so fröhlich mit ihren neuen Schuhen, dass Matthias und Anna hinter dem Vorhang kaum ihr Lachen unterdrücken konnten.
Schließlich blieben die Wichtel stehen.
„Unsere Freunde brauchen keine heimliche Hilfe mehr“, sagte einer.
„Sie stehen wieder sicher auf eigenen Füßen“, sagte der andere.
Dann liefen beide hinaus in die Mondnacht.
Sie kamen nicht wieder.
Doch Matthias' Geschäft lief inzwischen gut. Er arbeitete ehrlich, hetzte nicht nur des Gewinns wegen und legte immer etwas Leder für Menschen zurück, die sich neue Schuhe nicht leisten konnten.
Auf einem kleinen Regal in der Werkstatt standen zwei leere Schachteln mit der Aufschrift:
„Für Freunde.“
Und wenn im Winter nachts manchmal ein leises Tock-tock an der Tür zu hören war, lächelte Matthias.
Vielleicht war es nur ein Ast am Fenster.
Vielleicht kamen aber auch zwei kleine Meister vorbei, um nachzusehen, ob ihr alter Freund noch wusste, dass gute Arbeit und Dankbarkeit am liebsten Seite an Seite durchs Leben gehen.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
