Cover: Die wundersame Kuh

Philippinen

Die wundersame Kuh

Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.

Land
Philippinen
Alter
5–9 Jahre
Dauer
6 Min.
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Die wundersame Kuh

Eines Abends fuhr ein philippinischer Bauer mit seinem zweirädrigen Wagen vom Feld nach Hause.

Hinter dem Wagen ging an einem langen Seil seine Kuh.

Sie war gutmütig, geduldig und etwas langsam.

Manchmal blieb sie stehen, um am Straßenrand ein Büschel Gras abzuzupfen.

Nicht weit entfernt saßen zwei Freunde, Felipe und Ambrosio.

Felipe sah die Kuh zuerst.

„Siehst du? Der Bauer schaut überhaupt nicht nach hinten.“

Ambrosio kniff die Augen zusammen.

„Ich sehe es.“

„Was wäre, wenn wir ihm einen Streich spielen?“

Felipe flüsterte ihm einen Plan ins Ohr.

Ambrosio riss die Augen auf.

Dann hielt er sich den Mund zu, um nicht laut zu lachen.

„Das ist die dümmste Sache, die ich heute gehört habe. Also bin ich dabei.“

Sie schlichen zur Straße.

Felipe löste vorsichtig die Kuh vom Seil und führte sie hinter die Büsche.

Ambrosio befestigte das freie Ende des Seils an seinem Gürtel.

Der Wagen rollte weiter.

Schritt für Schritt ging Ambrosio hinterher und kämpfte gegen sein Lachen.

Nach einiger Zeit hörte der Bauer ein merkwürdiges Geräusch hinter sich.

Kein Muhen.

Eher:

„Au... ein Stein... und noch einer...“

Der Mann drehte sich um.

Er erstarrte.

Statt seiner Kuh lief ein junger Mann hinter dem Wagen.

„Was soll das sein? Wo ist meine Kuh?“

Ambrosio machte das ernsteste Gesicht, zu dem er fähig war.

„Guter Mann, seid nicht böse. Ich erkläre alles.“

„Das hoffe ich.“

Ambrosio seufzte tief.

„Früher war ich ein ganz gewöhnlicher Junge. Aber ich war schrecklich ungehorsam. Eines Tages sagte meine Mutter: Wenn du doch einmal still und folgsam wärst wie eine Kuh! Und im selben Augenblick verwandelte ich mich in eine.“

Der Bauer blinzelte.

„In eine Kuh?“

„Ja. In genau die Kuh, die Ihr gekauft habt.“

„Aber ich habe eine echte Kuh gekauft!“

„Weil ich damals eine echte Kuh war. Ich konnte nicht sprechen. Jetzt sind die Zauber offenbar vorbei.“

Der Bauer ging einmal um ihn herum.

Dann noch einmal.

„Merkwürdige Sache...“

Ambrosio senkte traurig den Kopf.

„Ich habe mein Zuhause so lange nicht gesehen. Darf ich gehen?“

Der Bauer war gutherzig, wenn auch völlig verwirrt.

„Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Komm erst mit zu meiner Frau. Sie versteht solche wunderlichen Dinge besser als ich.“

Zu Hause erzählte er seiner Frau alles.

Sie sah Ambrosio an.

Dann das Seil.

Dann wieder Ambrosio.

In ihren Augen lag Misstrauen.

Doch sie sagte:

„Wenn dieser Junge wirklich wieder ein Mensch geworden ist, halten wir ihn bestimmt nicht an einem Seil. Lass ihn gehen.“

Ambrosio bedankte sich, verbeugte sich und verschwand so schnell, dass der Bauer keine weitere Frage stellen konnte.

Hinter dem Hügel wartete Felipe mit der Kuh.

„Und?“

Ambrosio konnte vor Lachen kaum sprechen.

„Er hat es geglaubt!“

Beide lachten so laut, dass die Kuh den Kopf drehte.

„Muuu.“

Plötzlich fanden die beiden die Sache nicht mehr ganz so komisch.

Felipe strich über ihre Seite.

„Was macht der Bauer jetzt? Das ist seine Kuh.“

„Es war doch nur ein Streich.“

„Ein guter Streich ist vorbei, wenn alle lachen. Er macht sich wahrscheinlich Sorgen.“

Die Freunde setzten sich ins Gras.

Die Kuh fraß ruhig weiter.

Die Sonne sank.

Schließlich stand Ambrosio auf.

„Wir bringen sie zurück.“

„Und was sagen wir?“

„Die Wahrheit.“

„Alles?“

„Alles.“

Sie führten die Kuh zurück.

Vor dem Haus lief der Bauer gerade über den Hof und erzählte einem Nachbarn von der unglaublichen Kuh, die sich in einen Jungen verwandelt hatte.

Als er die vertrauten Hörner sah, verstummte er mitten im Satz.

Dann sah er Felipe.

Dann Ambrosio.

„Aha“, sagte er langsam. „Ich bin sehr gespannt auf die zweite Hälfte dieses Wunders.“

Die Jungen senkten die Köpfe.

„Es gab keine Zauberei“, gestand Ambrosio. „Wir wollten einen Streich spielen.“

„Und wir haben die Kuh mitgenommen“, sagte Felipe. „Das war falsch. Hier ist sie. Ihr geht es gut.“

Der Bauer schwieg lange.

„Ihr wisst, dass ich fast geglaubt hätte, ich hätte einen verzauberten Jungen gekauft?“

„Ja.“

Aus dem Haus hörte man seine Frau lachen.

„Ich habe gesagt, dass da etwas nicht stimmt!“

Der Bauer versuchte streng zu bleiben.

Ein Mundwinkel zuckte trotzdem.

„Gut. Die Kuh ist zurück. Aber der Streich muss vollständig wiedergutgemacht werden. Morgen früh kommt ihr beide und helft mir auf dem Feld.“

„Beide?“

„Beide.“

„Den ganzen Tag?“

„Wenn ihr möchtet, könnt ihr euch wieder in Kühe verwandeln. Dann gibt es noch mehr Arbeit.“

Jetzt lachten alle.

Am nächsten Morgen kamen Felipe und Ambrosio wirklich.

Sie arbeiteten ordentlich.

Ab und zu fragte der Bauer:

„Ambrosio, möchtest du vielleicht etwas Heu?“

„Nein, danke!“

„Ganz sicher?“

„Völlig sicher!“

Noch lange erzählte das Dorf von der wundersamen Kuh, die für einige Minuten angeblich zu einem Jungen geworden war.

Felipe und Ambrosio erinnerten sich dagegen an etwas anderes:

Einen cleveren Streich zu erfinden ist leicht.

Schwieriger ist es zu merken, wann er aufgehört hat, freundlich zu sein.

Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨