Cover: Der Regenvogel Bugudugada

Australien

Der Regenvogel Bugudugada

Regen, Vogel, Natur, Wetter

Land
Australien
Alter
4–8 Jahre
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Der Regenvogel Bugudugada

Vor langer Zeit lebte zwischen trockenen Hügeln eine einsame alte Frau namens Bugudugada. Bei ihr wohnte ein riesiges Rudel Dingos. Die Hunde gehorchten nur ihrer Stimme. Sobald sie ihren besonderen Ruf hörten, kamen sie aus den Büschen hervor.

Bugudugada hatte kaum Freunde. Mit den Jahren wurde sie immer verdrießlicher. Es machte ihr Spaß, Wanderer zu erschrecken und ihnen abzunehmen, was sie bei sich trugen.

Wenn eine Gruppe Menschen auf dem Weg zum Bach vorbeikam, ging ihnen die Alte mit zwei kleinen Hunden entgegen und sagte:

„Ich kenne einen Ort, an dem viele leckere wilde Früchte wachsen. Geht auf den Hügel dort und wartet. Ich treibe sie gleich zu euch hinauf.“

Die Menschen wunderten sich, glaubten ihr aber. Sie stiegen auf den Hügel. Unterdessen eilte Bugudugada zu ihrem Lager und rief leise:

„Birri, gugu … Birri, gugu …“

Sofort liefen die Dingos aus den Büschen. Sie umringten die Wanderer, bellten laut, knurrten und ließen sie nicht weiter. Voller Angst warfen die Menschen ihre Körbe und Beutel hin und flohen den Hang hinunter. Die Alte aber nahm die zurückgelassenen Vorräte an sich.

Das geschah mehr als einmal.

Bald bemerkten die Menschen in den benachbarten Gemeinschaften, dass diejenigen, die diesen Weg genommen hatten, oft ohne Essen und völlig verängstigt zurückkehrten.

„Da stimmt etwas nicht“, sagten die Ältesten. „Wir müssen herausfinden, was dahintersteckt.“

Beim nächsten Mal versteckten sich einige Leute hinter den Bäumen und beobachteten alles. Sie sahen, wie Bugudugada den Wanderern wieder den Weg auf den Hügel zeigte und anschließend ihren geheimen Ruf ausstieß. Sofort tauchten von allen Seiten Dingos auf.

Jetzt war alles klar.

Noch am selben Abend kamen die Menschen aus der Umgebung zusammen.

„Wir wollen keine Rache“, sagten sie. „Aber dieser Betrug muss ein Ende haben.“

Am Morgen gingen sie zu Bugudugadas Lager. Als die Alte sie sah, runzelte sie ärgerlich die Stirn.

„Verschwindet!“, schrie sie.

„Wir sind gekommen, um mit dir zu reden“, antworteten die Menschen. „Niemand soll vor diesem Weg mehr Angst haben müssen.“

Doch Bugudugada wollte nicht zuhören. Wieder flüsterte sie:

„Birri, gugu …“

Die Dingos sprangen aus den Büschen.

Diesmal liefen die Menschen jedoch nicht auseinander. Sie blieben zusammen, klatschten in die Hände, schlugen mit Stöcken auf den Boden und riefen laut. Bei diesem Lärm wussten die Hunde nicht mehr weiter. Einer nach dem anderen drehte sich um und rannte ins Dickicht.

Nur die beiden kleinen Hunde blieben bei der Alten. Sie hatten nie jemanden erschreckt und drückten sich nun an ihre Beine.

Bugudugada stand schweigend da. Zum ersten Mal hatte ihre List nicht funktioniert.

Plötzlich hallte ein seltsamer Laut über die Hügel:

„Bugudugada … Bugudugada …“

Der Himmel verdunkelte sich, obwohl er gerade noch ganz klar gewesen war. Ein kühler Wind kam auf. Staub wirbelte über den Boden.

Die Alte hob den Kopf.

„Wer ruft mich?“, flüsterte sie.

Doch als Antwort kam nur wieder dieselbe Stimme:

„Bugudugada … Bugudugada …“

Ein leichter Wirbelwind drehte sich um sie. Für einen Augenblick schlossen alle die Augen. Als der Wind sich gelegt hatte, war die Alte verschwunden.

Auf einem Stein saß ein kleiner grauer Vogel.

Er sah die Menschen mit dunklen, glänzenden Augen an, schüttelte die Flügel und rief erneut:

„Bugudugada … Bugudugada …“

Da fiel der erste Tropfen vom Himmel.

Dann der zweite.

Eine Minute später rauschte ein kräftiger Regen über das trockene Land.

Die Menschen hoben die Gesichter zum Himmel und lachten. Nach der langen Hitze war das Wasser ein unschätzbares Geschenk.

Der Vogel lief inzwischen zwischen den Steinen hindurch und versteckte sich im Gras.

Man erzählt, dass man ihn seitdem in trockenen Gegenden hören kann. Tagsüber verhält er sich still. Doch manchmal ertönt seine Stimme gerade dann, wenn die Erde besonders sehnsüchtig auf Wasser wartet:

„Bugudugada … Bugudugada …“

Und wenn sich danach am Horizont Wolken sammeln, wissen die Menschen: Der Regen ist schon ganz nahe.

An die alte List der Frau erinnert man sich nur noch als Mahnung: Wer anderen aus Eigennutz Angst macht, wird früher oder später entlarvt. Und sich ändern kann man selbst dann noch, wenn es dafür schon zu spät zu sein scheint.