

Philippinen
Eine gute Tat
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Philippinen
- Alter
- 5–9 Jahre
- Dauer
- 8 Min.

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Eine gute Tat
Eines Morgens nahm ein Junge namens Andres ein paar Münzen und machte sich auf den Weg zum Markt, um Reis zu kaufen.
Seine Mutter wartete zu Hause, deshalb ging er zügig und wollte sich nicht aufhalten.
Am Straßenrand sah Andres einen Mann, der über einer kleinen Schlange stand. Das Tier hatte sich im Gras zusammengerollt und griff niemanden an, doch der Mann hob bereits ein langes Messer.
„Wartet!“, rief Andres. „Hat sie Euch gebissen?“
„Nein. Aber vielleicht beißt sie später jemand anderen.“
Andres betrachtete die Schlange. Sie versuchte nur, zwischen den Blättern zu verschwinden.
„Dann lasst sie bitte gehen. Sie hat doch nichts getan.“
Der Mann schüttelte den Kopf.
„Warum interessiert dich das?“
Andres sah auf die Münzen in seiner Hand. Dafür sollte er Reis kaufen. Ohne sie musste er mit leeren Händen heimkehren.
Trotzdem tat ihm das kleine Tier leid.
„Nehmt mein Geld. Aber lasst die Schlange einfach davonkriechen.“
Der Mann staunte, nahm die Münzen und ging.
Andres setzte sich ins Gras.
„Jetzt ist alles gut. Geh nach Hause.“
Da hob die Schlange den Kopf.
„Du hast dein letztes Geld ausgegeben, um mich zu retten. Das vergesse ich nicht. Komm mit. Mein Ältester möchte dir danken.“
Andres erstarrte.
„Du kannst sprechen?“
„Heute ist ein ungewöhnlicher Tag. Gewöhn dich daran.“
Die Schlange kroch über einen Pfad.
Andres folgte.
Hinter einem Hügel erreichten sie eine kühle Höhle.
Wasser tropfte von den Steinen.
Tropf.
Tropf.
Tropf.
Tief im Inneren lag eine große alte Schlange.
Als sie den Jungen sah, wurde sie aufmerksam.
„Wer ist dieser Fremde?“
Die kleine Schlange kroch vor.
„Er hat mich gerettet, ohne etwas dafür zu erwarten.“
Der Älteste betrachtete Andres.
„Welche Belohnung möchtest du?“
Der Junge erinnerte sich an die Worte seiner neuen Freundin.
„Wenn es möglich ist, hätte ich gern ein Stück rotes Tuch.“
Der Älteste war überrascht.
Dann brachte er ein zusammengefaltetes rotes Tuch.
„Es ist nicht gewöhnlich. Wenn du wirklich Nahrung brauchst, breite es aus und bitte höflich. Dann deckt es dir einen Tisch. Aber merke dir: Zauberdinge verderben leicht den Menschen, der nur an sich selbst denkt.“
Andres bedankte sich und machte sich auf den Heimweg.
Mittags bekam er großen Hunger.
Er setzte sich unter einen Baum, breitete das Tuch aus und sagte vorsichtig:
„Wenn du kannst, gib mir bitte etwas Reis und etwas dazu.“
Das Tuch bewegte sich leicht.
Plötzlich standen darauf eine Schale duftender Reis, Gemüse, Früchte und frisches Wasser.
„Unglaublich.“
Andres aß.
Mehr verlangte er nicht.
Am Abend kam er an einer kleinen Hütte vorbei und bat um einen Platz zum Ausruhen.
Dort lebte eine ältere Frau.
„Zum Abendessen habe ich fast nichts“, sagte sie.
„Dann essen wir gemeinsam.“
Andres breitete das rote Tuch aus.
Schon bald war der Tisch voll.
Er erklärte offen, was das Tuch konnte, und teilte das Essen.
Die Frau war begeistert.
„Tausch es gegen meine zwei Zaubersteine. Sie rollen, wohin man sie schickt, finden verlorene Dinge und können jemanden aufhalten, der Unrecht tut.“
Andres dachte, auch das könne nützlich sein.
Er stimmte zu.
Doch schon kurze Zeit später merkte er, dass er zu schnell entschieden hatte.
Der Weg war noch lang.
Geld für Essen hatte er nicht.
Das rote Tuch war fort.
„Steine“, sagte er, „rollt zur Frau zurück. Sagt ihr, ich bereue den Tausch. Ich möchte mein Tuch zurück und gebe euch wieder zurück.“
Die beiden Steine rollten los.
Ratter-ratter.
Ratter-ratter.
Die Frau wollte das Tuch zuerst behalten.
„Wir hatten eine Abmachung!“
Die Steine stellten sich vor die Tür.
Einer sagte:
„Der Tausch war übereilt. Andres will dich nicht betrügen. Er gibt uns zurück und bittet nur um sein Eigentum.“
Die Frau schwieg.
Dann seufzte sie.
„Gut. Dann soll es fair sein.“
Die Steine brachten Andres das Tuch.
Danach rollten sie wieder zu ihrer Besitzerin zurück.
Später übernachtete Andres bei einer zweiten alten Frau.
Sie gab ihm Wasser und einen Schlafplatz.
Zum Dank ließ er das Zaubertuch für beide ein Abendessen erscheinen.
„So gut habe ich lange nicht gegessen“, sagte die Frau. „Für deine Großzügigkeit schenke ich dir zwei besondere Stöcke. Sie verletzen niemanden. Aber sie können ein Haus schützen: Türen verriegeln, Fensterläden schließen, gestohlene Dinge aus fremden Händen stoßen oder so laut auf den Boden klopfen, dass unerwünschte Gäste davonlaufen.“
„Eine Magie, die schützt statt weh zu tun, gefällt mir.“
Als Andres endlich heimkam, war seine Mutter schon sehr besorgt.
„Wo warst du? Und wo ist der Reis?“
„Ich erkläre alles. Aber zuerst essen wir.“
Er breitete das rote Tuch aus.
Sofort erschien warmes Essen.
Während sie aßen, erzählte Andres von der Schlange, der Höhle, dem Ältesten, dem Zaubertuch und den seltsamen Begegnungen.
Seine Mutter schüttelte den Kopf.
„Du bist ohne Reis heimgekommen, aber mit einer Geschichte für ein ganzes Buch.“
Von da an mussten sie Hunger nicht mehr fürchten.
Doch Andres verlangte nie Berge aus Gold.
Er bat nur um so viel Essen, wie nötig war.
Wenn Nachbarn eine schlechte Ernte oder einen schweren Tag hatten, teilte er mit ihnen.
Die meisten Menschen freuten sich.
Ein reicher Nachbar aber wurde neidisch.
„Warum besitzen sie ein Wunder und ich nicht?“
Eines Nachts schickte er mehrere Diebe, um das rote Tuch zu holen.
Der Hund bellte.
Andres wachte auf und hörte Schritte.
„Stöcke, helft uns, das Haus zu schützen.“
Die beiden Stöcke sprangen zur Tür.
Einer stemmte sich gegen den Riegel.
Der andere klopfte auf den Boden.
Klopf!
Klopf!
Klopf!
Die Diebe versuchten es am Fenster.
Die Stöcke schlugen die Läden zu.
Gerade an diesem Tag waren auch die beiden Zaubersteine zu Besuch.
Sie rollten über den Hof und blieben direkt vor den Füßen der Eindringlinge liegen.
„Genug“, sagte einer. „Etwas Fremdes wird nicht zu eurem Eigentum, nur weil ihr es unbedingt haben wollt.“
Die Männer erschraken so sehr über Stimmen, Poltern und Magie, dass sie Seile und Säcke fallen ließen und davonrannten.
Am nächsten Morgen lag vor dem Tor eine Nachricht des reichen Nachbarn:
„Ich habe falsch gehandelt. Es wird nicht wieder vorkommen.“
Andres antwortete:
„Gut, dass du es verstanden hast. Wenn du einmal hungrig bist, klopf am Tag. Essen teilen wir. Stehlen darf man trotzdem nicht.“
Der Nachbar begann danach weniger auf fremden Besitz zu schielen und öfter darüber nachzudenken, wem er selbst helfen konnte.
Andres bewahrte das rote Tuch noch viele Jahre.
Doch das größte Wunder war nicht, dass es Essen erscheinen ließ.
Das größte Wunder hatte am Straßenrand begonnen:
Ein Junge gab seine letzten Münzen für ein kleines Leben aus, ohne eine Belohnung zu erwarten.
Und genau aus dieser guten Tat wuchs alles Weitere.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
