Cover: Der Emu Dinewan und die Wan-Krähen

Australien

Der Emu Dinewan und die Wan-Krähen

Emu, Krähen, Tiere, List

Land
Australien
Alter
5–9 Jahre
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Der Emu Dinewan und die Wan-Krähen

Einmal wanderte der Emu Dinewan mit zwei Wan-Krähen. Der Weg war lang, und der Himmel wurde seit dem frühen Morgen immer dunkler. Schwere Wolken sammelten sich über der Ebene, der Wind wiegte das Gras, und bald fielen die ersten großen Tropfen.

„Wir müssen einen trockenen Platz finden“, sagte eine der Krähen.

„Oder noch besser einen Unterstand bauen“, fügte die andere hinzu.

Dinewan war einverstanden. Gemeinsam sammelten sie große Rindenstücke, lehnten sie aneinander und bauten einen kleinen Unterschlupf. Drinnen war es etwas eng, aber trocken. Alle drei setzten sich möglichst weit in die Mitte und aßen zum Abendbrot, was sie mitgebracht hatten.

Der Regen wurde rasch stärker. Er klopfte so laut auf die Rinde, als schütte jemand eine ganze Handvoll Kieselsteine aufs Dach.

Dinewan saß in der trockensten Ecke. Er hatte es warm und gemütlich. Da fiel ihm plötzlich ein Scherz ein.

Vorsichtig streckte er sein langes Bein aus und stieß gegen das unterste Rindenstück. Es kippte ein wenig weg, und kalter Wind zog herein.

„Oje!“, rief die erste Wan. „Die Wand rutscht weg!“

„Wir müssen sie richten, bevor der ganze Unterstand auseinanderfällt“, sagte die zweite.

Die Krähen liefen in den Regen hinaus, stellten die Rinde wieder an ihren Platz und kamen nass zurück. Sie schüttelten die Tropfen von ihren Flügeln.

Dinewan machte ein sehr ernstes Gesicht.

„Gut, dass ihr es rechtzeitig bemerkt habt“, sagte er.

Doch kaum hatten die Krähen sich wieder hingesetzt, stieß Dinewan heimlich zum zweiten Mal gegen die Rinde.

„Schon wieder!“, wunderte sich eine Wan.

Wieder liefen sie hinaus. Der Regen strömte auf ihre Rücken, der Wind zerzauste ihre Federn, und Dinewan saß in der trockenen Ecke und konnte sich das Lachen kaum verkneifen.

Als es zum dritten Mal geschah, sahen die Krähen einander an.

„Seltsam“, sagte eine leise.

„Sehr seltsam“, antwortete die andere. „Der Wind kommt von der anderen Seite.“

Beim nächsten Mal beeilten sie sich nicht mit dem Hinausgehen. Stattdessen taten beide so, als betrachteten sie das Dach, beobachteten dabei aber Dinewan aus den Augenwinkeln.

Und sie sahen, wie er wieder das Bein ausstreckte und gegen die Rinde schob.

Die Krähen sagten nichts. Sie gingen einfach hinaus, als wollten sie die Wand reparieren, und überlegten sich draußen schnell einen eigenen Scherz.

Beim Eingang lag ein breites, flaches Rindenstück mit noch etwas warmer Asche von einem kleinen Feuer darauf. Eine Wan packte es an der einen Seite, die andere an der anderen. Dann sammelten sie Regenwasser in einer Vertiefung der Rinde und trugen alles sehr vorsichtig unter das Dach.

„Na, hält es?“, fragte Dinewan und tat wieder so, als hätte er mit allem nichts zu tun.

„Jetzt hält es ganz bestimmt“, sagte die erste Wan.

„Und wir haben dir noch etwas Interessantes mitgebracht“, fügte die zweite hinzu.

Sie stellten die Rinde am Eingang ab. Dinewan beugte sich vor, um nachzusehen, was darauf lag.

Genau in diesem Augenblick hoben die Krähen den Rand ein wenig an.

Platsch!

Kaltes Regenwasser schwappte Dinewan direkt vor die Füße. Er sprang so plötzlich hoch, dass sein Flügel den Rand des Unterstands streifte, und eine leichte Rußwolke aus der warmen Asche legte sich auf seine Brust und seinen Schnabel.

Dinewan lief hinaus und stand im Regen. Eine Minute später war er von Kopf bis Fuß nass.

Die Krähen schauten aus dem Unterstand.

„Na?“, fragte eine. „Ist es schön, ständig in den Platzregen hinauszumüssen?“

Dinewan schwieg.

„Wir sind mehrmals nass geworden, nur damit du deinen Spaß hattest“, sagte die andere. „Wenn aber nur einer über einen Scherz lachen kann, ist es kein besonders guter Scherz.“

Dinewan sah sie an, dann seine rußverschmierten Federn, und schließlich lachte er.

„Also gut“, gab er zu. „Ihr habt mich überlistet. Und ich glaube, diese Dusche habe ich verdient.“

Er kehrte unter das Dach zurück, stellte sich diesmal aber selbst an die Wand, an der er zuvor gerüttelt hatte.

„Lasst mich sie richtig befestigen“, schlug er vor. „Damit niemand wegen meiner Einfälle noch einmal nass werden muss.“

Gemeinsam stellten sie die Rinde fester auf, stützten sie mit Zweigen ab und prüften alle Ritzen. Bald war es im Unterstand wieder trocken und warm.

Der Regen fiel fast bis zum Morgen. Dinewan ließ die Wand in Ruhe. Und wenn der Wind stärker wurde, sah er selbst als Erster nach, ob alles hielt.

Seitdem, so erzählt man, fragte Dinewan sich immer zuerst, wenn ihm nach einem Scherz war: Werden alle darüber lachen können?

Denn ein guter Scherz bringt Menschen näher zusammen. Einen Scherz dagegen, nach dem jemand allein im Regen steht, denkt man sich besser gar nicht erst aus.