

Indien
Erbse und Bohne
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Indien
- Alter
- 4–8 Jahre
- Dauer
- 6 Min.

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Erbse und Bohne
Zwei Schwestern lebten zusammen. Die ältere hieß Erbse, die jüngere Bohne.
Erbse war freundlich und aufmerksam. Wenn jemand Hilfe brauchte, bemerkte sie es meistens, bevor man sie darum bat.
Bohne dagegen liebte schöne Dinge und dachte oft zuerst daran, was sie selbst bekommen könnte.
Eines Tages machte sich Erbse auf den Weg zu ihrem Vater.
Unterwegs kam sie an einen kleinen Bach, der von Laub verstopft war.
„Hilfst du mir?“, plätscherte das Wasser. „Ich kann kaum noch fließen.“
Erbse legte ihre Tasche ab, zog die Blätter heraus und räumte den kleinen Lauf frei.
Der Bach sprudelte wieder.
„Danke.“
Weiter vorn stand ein Pipalbaum mit einem gebrochenen Ast.
„Kannst du mich stützen?“
Erbse suchte einen geraden Stock und band den Ast vorsichtig fest.
Dann kam sie zu einem kleinen Feuer, das unter feuchter Asche fast erloschen war.
Sie legte trockene Zweige nach und schützte die Flamme vor dem Wind.
Schließlich erreichte sie einen Pflaumenbaum, unter dem Dornen lagen.
Erbse räumte sie fort, damit niemand hineintreten musste.
Als sie beim Vater ankam, freute er sich sehr.
„Meine Tochter, wie schön, dich zu sehen.“
Sie saßen zusammen, redeten und aßen.
Als Erbse sich verabschiedete, gab ihr der Vater einige kleine Dinge für den Haushalt und sagte:
„Nicht weil du gekommen bist, um Geschenke zu holen. Sondern weil ich dich gern unterstützen möchte.“
Auf dem Rückweg geschahen merkwürdige Dinge.
Der Bach trug ein schönes Stück Stoff heran und ließ es am Ufer liegen.
Vom Pipalbaum fiel eine kleine nützliche Schale aus Holz.
Beim Feuer wartete eine warme Flade.
Und der Pflaumenbaum ließ einige reife Früchte in ihre Tasche fallen.
Erbse kam mit vollen Händen nach Hause.
Bohne staunte.
„Woher hast du das alles?“
Erbse erzählte von ihrem Weg.
Bohne hörte jedoch vor allem die Geschenke.
Am nächsten Morgen lief sie denselben Weg.
Als der Bach um Hilfe bat, sagte sie:
„Später. Ich habe es eilig.“
Am Pipalbaum ging sie vorbei.
„Jemand anders kann den Ast binden.“
Beim Feuer sagte sie:
„Ich will mir die Hände nicht schmutzig machen.“
Und unter dem Pflaumenbaum störten sie die Dornen ebenfalls nicht.
Beim Vater angekommen, fragte sie gleich:
„Und was bekomme ich? Erbse hast du doch auch etwas gegeben!“
Der Vater wurde traurig.
„Ich freue mich, dich zu sehen, nicht wegen Geschenken. Setz dich zu mir. Erzähl mir, wie es dir geht.“
Doch Bohne war ungeduldig und ging bald wieder.
Am Bach sah sie einen schönen Stoff im Wasser treiben.
„Der ist bestimmt für mich!“
Sie griff danach.
Die Strömung trug ihn fort.
Auf dem Pipalbaum glänzte etwas.
Bohne sprang hoch.
Der gebrochene Ast wackelte, und trockenes Laub fiel ihr auf den Kopf.
Beim Feuer roch eine Flade wunderbar.
Sie eilte darauf zu.
Doch die runde Flade rollte vom Stein und wurde von einem Vogel fortgetragen.
Der Pflaumenbaum hing voller Früchte.
Bohne griff nach der schönsten Pflaume und blieb mit dem Ärmel an einem Dorn hängen.
„Warum habe ich nur so viel Pech?“, rief sie.
Hungrig und verärgert kam sie nach Hause.
Erbse sagte nichts.
Sie legte einfach die Hälfte ihrer Flade und einige Pflaumen vor die Schwester.
„Iss. Du bist müde.“
Bohne setzte sich schweigend.
„Warum teilst du mit mir? Ich habe heute doch niemandem geholfen.“
Erbse lächelte.
„Gerade deshalb. Du kannst morgen anfangen.“
Am nächsten Morgen ging Bohne wieder denselben Weg.
Diesmal hatte sie keine Eile.
Sie räumte die Blätter aus dem Bach.
Sie band den Ast des Pipalbaums fest.
Sie schob die Asche beim Feuer zur Seite und legte trockenes Holz nach.
Unter dem Pflaumenbaum entfernte sie die Dornen.
Und wisst ihr was?
Niemand überschüttete sie mit Schätzen.
Doch der Bach floss klarer.
Der Baum stand besser.
Das Feuer brannte gemütlich.
Unter dem Pflaumenbaum konnte man leicht gehen.
Bohne sah sich um.
Plötzlich fühlte sie sich sehr froh.
Da verstand sie:
Güte ist kein Handel.
Sie ist keine Methode, Geschenke zu bekommen.
Sie macht den Weg selbst heller.
Und wenn manchmal zusätzlich eine reife Pflaume oder eine warme Flade auftaucht, ist das einfach ein schöner Bonus.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
