

Ukraine
Katze, Hahn und Fuchs
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Ukraine
- Alter
- 4–7 Jahre
- Dauer
- 8 Min.

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Katze, Hahn und Fuchs
Eine Katze und ein Hahn lebten zusammen in einem kleinen Häuschen. Es war nicht groß, dafür warm und gemütlich. Der Hahn kümmerte sich um das Haus, fegte den Boden, füllte das Korn in kleine Säcke und achtete darauf, dass das Feuer im Ofen nicht ausging. Die Katze machte sich jeden Morgen auf den Weg, um Futter zu besorgen.
Bevor sie ging, sagte sie immer:
„Brüderchen Hahn, lass niemanden ins Haus. Vor allem nicht den Fuchs. Er spricht süß, aber seine Gedanken sind listig.“
„Keine Sorge, Kätzchen“, antwortete der Hahn. „Die Tür bleibt zu.“
Eines Tages, kaum war die Katze hinter dem Hügel verschwunden, schlich sich der Fuchs lautlos an das Häuschen heran. Er klopfte ganz sacht und sang:
„Hähnchen, Hähnchen, goldener Kamm, öffne nur kurz, ich bring dir guten Samen.“
Der Hahn trat zur Tür, erinnerte sich aber an die Worte der Katze.
„Nein, Fuchs. Die Katze hat mir gesagt, ich soll niemanden hereinlassen.“
Der Fuchs redete noch lange auf ihn ein. Mal lobte er sein glänzendes Gefieder, mal versprach er besonders gutes Korn, dann behauptete er, er wolle doch nur kurz Guten Tag sagen. Schließlich dachte der Hahn: Was kann in einer einzigen Minute schon passieren? Und er öffnete die Tür einen Spalt.
Im selben Augenblick packte ihn der Fuchs und rannte mit ihm davon.
Der Hahn erschrak und rief:
„Kätzchen, Brüderchen, hör mich geschwind! Der Fuchs trägt mich fort wie der Wind! Über die Brücke, hinter den Hain, Kätzchen, mein Freund, lass mich nicht allein!“
Die Katze war noch nicht weit. Sie hörte den Ruf, ließ ihren Beutel fallen und jagte hinterher. An der Brücke holte sie den Fuchs ein, fauchte so laut, dass er vor Schreck den Hahn losließ.
Zu Hause sagte die Katze:
„Siehst du, wohin die süßen Versprechen eines Fremden führen können?“
Der Hahn senkte den Kopf.
„Ja. Ich mache die Tür nicht wieder auf.“
Am nächsten Morgen ging die Katze erneut fort, um Futter zu holen. Der Fuchs wartete, bis sie außer Sicht war, und kam wieder zur Tür.
„Hähnchen, gestern war ich unhöflich“, sagte er mit seiner sanftesten Stimme. „Heute möchte ich mich nur entschuldigen. Ich werde nicht einmal über die Schwelle treten.“
„Ich glaube dir nicht“, antwortete der Hahn.
„Dann schau wenigstens kurz hinaus. Ich habe ein Geschenk für dich vor die Tür gelegt.“
Der Hahn zögerte lange. Schließlich öffnete er vorsichtig einen Spalt, nur um mit einem Auge hinauszusehen.
Genau darauf hatte der Fuchs gewartet. Schnapp! Schon klemmte der Hahn unter seinem Arm, und er rannte davon.
Wieder rief der Hahn:
„Kätzchen, Brüderchen, hör mich geschwind! Der Fuchs trägt mich fort wie der Wind! Hinter die Weide, zum fernen Hain, Kätzchen, mein Freund, lass mich nicht allein!“
Die Katze hörte ihn erst am Waldrand. Sie raste so schnell, dass das trockene Laub hinter ihren Pfoten durch die Luft wirbelte. Zum zweiten Mal befreite sie ihren Freund.
Diesmal sprach die Katze strenger:
„Ich werde nicht immer in der Nähe sein. Du musst selbst lernen, Nein zu sagen und bei deinem Nein zu bleiben.“
„Jetzt habe ich es wirklich verstanden“, sagte der Hahn.
Einige Tage vergingen. Dann musste die Katze weit fort, über zwei Hügel hinweg. Bevor sie aufbrach, erinnerte sie ihn noch einmal:
„Heute könnte ich deinen Ruf nicht hören. Pass gut auf dich auf.“
Der Fuchs bemerkte, dass die Katze weit weg war. Zum dritten Mal kam er zum Haus. Diesmal sang er nicht und bat auch nicht darum, eingelassen zu werden. Er streute einfach eine Handvoll glänzender Körner unter das Fenster und versteckte sich.
Der Hahn sah das Korn.
„Ich sammle es nur ganz schnell auf und komme sofort wieder herein“, sagte er zu sich selbst.
Kaum war er auf die Schwelle getreten, sprang der Fuchs hinter dem Zaun hervor.
Der Hahn rief nach der Katze, doch sie war zu weit entfernt. Der Fuchs brachte ihn zu seinem Bau und setzte ihn in eine Ecke.
„Du bleibst hier bis zum Abend“, sagte er. „Dann überlege ich, was ich mit dir mache.“
Der Hahn wurde still. Nun wusste er sehr genau: Beim dritten Mal hatte ihn nicht nur die List des Fuchses in Schwierigkeiten gebracht, sondern auch seine eigene Unvorsichtigkeit.
Als die Katze zurückkehrte und die offene Tür sowie die verstreuten Körner vor der Schwelle sah, verstand sie sofort, was geschehen war.
„Ach, Freundchen … Dann muss ich dich wohl wieder herausholen.“
Die Katze nahm eine alte Geige, einen Bogen und einen großen Leinensack. Sie ging zum Fuchsbau, setzte sich hinter einen Busch und spielte so fröhlich, dass selbst die Blätter im Takt zitterten.
Im Bau wurden alle aufmerksam.
„Wer spielt denn so schön?“, fragten die Fuchskinder neugierig.
Eines von ihnen schaute hinaus.
„Komm näher“, rief die Katze leise. „Ich habe nicht nur Musik, sondern auch einen wunderbaren Sack. Wer hineinschaut, für den spiele ich eine ganz besondere Melodie.“
Das junge Füchslein steckte die Nase in den Sack. Schwupp! Die Katze zog die Schnur zu, nicht fest, nur so, dass es nicht herausspringen konnte.
Auf dieselbe Weise überlistete sie noch einige Bewohner des Baus. Schließlich kam auch der alte Fuchs selbst heraus.
„Was ist denn das für ein Konzert ohne mich?“, fragte er.
Die Katze hörte auf zu spielen.
„Das Konzert beginnt, wenn du mir meinen Freund zurückgibst.“
Der Fuchs kniff die Augen zusammen.
„Und wenn ich es nicht tue?“
„Dann sitzt deine ganze Familie bis zum Morgen im Sack und hört eine einzige Note“, antwortete die Katze und zog mit dem Bogen ein langes „iiiiiiii“.
Aus dem Sack kam sofort ein Ruf:
„Mama, gib ihm lieber den Hahn zurück!“
Der Fuchs seufzte und brachte den verängstigten, aber unverletzten Hahn heraus.
„Wir machen es so“, sagte die Katze. „Du jagst nicht mehr in der Nähe unseres Hauses und versuchst nicht mehr, den Hahn herauszulocken. Dafür lasse ich alle nach Hause.“
Der Fuchs dachte nach, sah auf den Sack und stimmte zu.
Die Katze öffnete die Schnur. Die Füchslein sprangen eines nach dem anderen heraus und liefen in den Bau. Der alte Fuchs folgte ihnen, drehte sich aber noch einmal um.
„Gut, Katze. Heute hast du mich überlistet.“
„Nicht nur dich“, antwortete die Katze und sah zum Hahn.
Auf dem Heimweg schwieg der Hahn lange. Erst an der Haustür sagte er:
„Kätzchen, jetzt habe ich es wirklich verstanden. Wenn man weiß, dass etwas gefährlich ist, muss man es nicht ein zweites und drittes Mal ausprobieren.“
Die Katze lächelte.
„Nun sprichst du klug.“
Von da an öffnete der Hahn die Tür nicht mehr wegen schmeichelnder Worte und trat auch für glänzende Köder nicht vor die Schwelle. Der Fuchs hielt sich von ihrem Häuschen fern.
So lebten Katze und Hahn wieder friedlich zusammen. Einer besorgte Futter, der andere kümmerte sich um das Haus. Abends nahm die Katze ihre Geige hervor, der Hahn sang dazu, und in dem kleinen Häuschen war es so fröhlich, dass kein Fuchs mehr auf die Idee kam, sich an die Tür zu schleichen.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
