Cover: Maria und der goldene Schuh

Philippinen

Maria und der goldene Schuh

Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.

Land
Philippinen
Alter
6–10 Jahre
Dauer
8 Min.
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Maria und der goldene Schuh

In einer grünen Gegend der Philippinen lebte ein Mädchen namens Maria.

Ihr Haus stand nahe einem Fluss, der morgens zwischen den Bäumen glänzte und abends das rosa Licht des Himmels zum Meer trug.

Marias Mutter starb, als das Mädchen noch klein war.

Zurück blieben warme Erinnerungen:

ein Lied vor dem Einschlafen,

der Duft von Jasmin im Haar,

und ein Satz, den Maria nie vergaß:

„Ein gutes Herz macht einen Menschen nicht schwach. Es hilft ihm, sich selbst nicht zu verlieren.“

Einige Jahre später heiratete Marias Vater erneut.

Seine neue Frau hieß Juana und hatte zwei Töchter, Rosa und Damiana.

Maria hoffte, das Haus würde voller Lachen und Gespräche sein.

Doch Juana gewöhnte sich schnell daran, fast alle Arbeiten Maria zu geben.

Maria stand am frühesten auf.

Sie fegte den Boden.

Holte Wasser.

Wusch Kleidung am Fluss.

Half in der Küche.

Rosa und Damiana dagegen wählten Bänder aus und stritten darüber, wem welches Kleid besser stand.

Maria fürchtete Arbeit nicht.

Was sie traurig machte, war etwas anderes:

Fast niemand dankte ihr.

Und niemand fragte, ob sie müde war.

Eines Tages verbreitete sich eine Nachricht in der Stadt.

Prinz Malekadel veranstaltete ein großes Fest im Palast.

Er lud junge Leute aus dem ganzen Reich ein.

Er wollte Menschen kennenlernen, mit denen man reden, lachen und gemeinsam auf die Welt schauen konnte.

Rosa und Damiana suchten den ganzen Morgen Kleider aus.

Maria nahm schweigend einen Korb Wäsche und ging zum Fluss.

Dort setzte sie sich auf einen Stein.

Im Korb lagen die Festkleider der anderen.

Sie selbst trug einen alten geflickten Rock.

„Ich würde auch gern einmal zu einem Fest gehen.“

Zwischen den Steinen raschelte etwas.

Aus dem Wasser kroch eine kleine Krabbe mit einem goldenen Punkt auf dem Panzer.

Sie hob eine Schere, als würde sie grüßen.

Maria lächelte.

„Wo kommst du denn her?“

Die Krabbe klopfte gegen den Stein.

Maria glaubte eine vertraute, sanfte Stimme zu hören:

„Sei nicht traurig. Du bist nicht allein.“

Sie erschrak nicht.

In Märchen erinnern sich Flüsse manchmal an mehr als Menschen.

Und kleine Tiere bringen manchmal große Botschaften.

„Ich weiß nicht, wie ich zum Fest kommen soll. Ich habe keine passenden Kleider.“

Die Krabbe schob ein glänzendes Stück Muschel zu ihr.

„Pflanze es im Garten. Gieß Wasser aus dem Fluss darauf. Bitte nicht um Reichtum, sondern um das, was du wirklich brauchst.“

Da kam Juana den Weg entlang.

„Maria! Warum sitzt du herum? Es gibt noch genug zu tun.“

Sie sah die Krabbe.

„Und jag dieses Tier fort.“

Maria hob die Krabbe vorsichtig auf und brachte sie zum Wasser.

„Danke.“

Der goldene Punkt blitzte ein letztes Mal zwischen den Wellen.

Am Abend vergrub Maria das Muschelstück im Garten.

Sie goss Flusswasser darüber und sagte:

„Ich möchte nicht besser sein als andere. Ich möchte nur einen Abend ich selbst sein können und mich nicht dafür schämen müssen, wie ich aussehe.“

Die Erde raschelte.

Vor ihr wuchs ein schlanker Baum mit silbern glänzenden Blättern.

Zwischen den Zweigen leuchteten kleine Lichter.

Auf einer Bank erschien ein Kleid in der Farbe des Abendhimmels.

Daneben standen zwei goldene Schuhe.

Vor dem Tor wartete eine kleine Kutsche.

Auf der Baumrinde erschienen Worte:

„Kehre vor Mitternacht zurück. Nach dem zwölften Schlag endet der Zauber.“

Maria zog das Kleid an und fuhr zum Palast.

Im großen Saal spielte Musik.

Laternen leuchteten.

Durch die offenen Fenster kam Blumenduft.

Als Maria eintrat, drehten sich viele um.

Rosa und Damiana sahen sie ebenfalls, erkannten sie aber nicht.

Prinz Malekadel kam zu ihr.

„Darf ich um diesen Tanz bitten?“

„Gern.“

Sie tanzten.

Noch mehr redeten sie miteinander.

Über den Fluss.

Über Bäume.

Darüber, warum Menschen einander manchmal nach Kleidung beurteilen.

„Ich habe Euch noch nie gesehen“, sagte der Prinz.

Maria lächelte.

„Vielleicht habt Ihr früher nur nicht dorthin geschaut, wo Menschen arbeiten.“

Malekadel staunte.

Dann lachte er.

„Das ist wahrscheinlich wahr.“

Maria merkte kaum, wie spät es geworden war.

Als die Uhr halb zwölf zeigte, erinnerte sie sich.

„Ich muss gehen.“

„Sehen wir uns wieder?“

„Vielleicht.“

Sie erreichte den Garten vor Mitternacht.

Die Kutsche zerfiel in silbrigen Nebel.

Das Kleid verschwand.

Maria stand wieder in ihrer einfachen Kleidung da.

Am nächsten Abend gab es ein weiteres Fest.

Rosa und Damiana fuhren wieder zuerst.

Maria ging zum Silberbaum.

„Ich möchte zurück. Nicht wegen des Kleides. Ich möchte unser Gespräch beenden.“

Die Zweige klingelten leise.

Wieder erschienen Kleid, Kutsche und goldene Schuhe.

Dieses Mal vergaß Maria beim Reden mit Malekadel die Zeit.

Bumm.

Die Uhr begann Mitternacht zu schlagen.

Maria sprang auf.

„Ich muss fort!“

Auf der Treppe verlor sie einen goldenen Schuh.

Zum Umkehren war keine Zeit.

Im Garten verschwand die Kutsche.

Maria hielt nur noch den zweiten Schuh in der Hand.

Am Morgen fand der Prinz den verlorenen Schuh.

„Ich suche nicht das schönste Mädchen im Reich. Ich suche die Person, mit der ich gestern gesprochen habe. Der Schuh hilft nur dabei, sicherzugehen, dass wir dieselbe finden.“

Von Haus zu Haus wurde der goldene Schuh gebracht.

Schließlich kamen die Boten zu Marias Haus.

Rosa probierte ihn.

Zu groß.

Damiana probierte ihn.

Zu klein.

Maria stand hinten im Raum.

„Und du?“, fragte der Bote.

Rosa schnaubte.

„Warum sie? Sie arbeitet den ganzen Tag. Seht ihre alten Schuhe.“

Der Bote schüttelte den Kopf.

„Der Auftrag lautet: Jede darf ihn anprobieren.“

Maria setzte sich und zog den goldenen Schuh an.

Er passte genau.

Dann holte sie den zweiten aus ihrer Tasche.

Im Zimmer wurde es so still, dass man draußen die Blätter hören konnte.

Juana wurde blass.

Rosa und Damiana wussten nicht, was sie sagen sollten.

Maria verspottete niemanden.

„Ich bin dieselbe Maria, die gestern eure Kleider am Fluss gewaschen hat. Das Festgewand hat daran nichts verändert.“

Im Palast erkannte Malekadel sofort ihre Stimme und ihr Lächeln.

Maria stimmte nicht sofort einer Hochzeit zu.

„Zuerst möchte ich, dass wir einander wirklich kennenlernen.“

Malekadel war einverstanden.

Sie gingen spazieren.

Sie redeten viel.

Sie wurden Freunde.

Erst später, als beide sicher waren, entschieden sie sich für eine gemeinsame Zukunft.

Auch zu Hause änderte sich etwas.

Marias Vater begriff endlich, wie viel Arbeit und Ungerechtigkeit sie still getragen hatte.

Juana, Rosa und Damiana konnten nicht länger so tun, als sei das normal.

Maria verlangte keine Rache.

Sie sagte nur:

„Ich möchte nicht, dass hier jemals wieder jemand für weniger wichtig gehalten wird, weil er alte Kleidung trägt, arm ist oder einfache Arbeit tut.“

Der silberne Baum wuchs noch lange am Fluss.

Manchmal sah man abends darunter eine kleine Krabbe mit einem goldenen Fleck auf dem Panzer.

Und wenn man sehr genau hinsah, wirkte es, als winke sie mit einer Schere und erinnere daran:

Würde beginnt nicht mit einem goldenen Schuh.

Maria hatte sie schon vorher.

Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨