

Russland
Mascha und der Bär
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Russland
- Alter
- 4–7 Jahre
- Dauer
- 5 Min.

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Mascha und der Bär
In einem Dorf lebten ein Großvater und eine Großmutter mit ihrer Enkelin Mascha. Das Mädchen war lebhaft und neugierig. Besonders gern ging es mit seinen Freundinnen Beeren sammeln.
An einem Sommermorgen nahmen die Kinder ihre Körbe und baten darum, in den Wald gehen zu dürfen. Die Großeltern erlaubten es, erinnerten sie aber:
„Bleibt zusammen und geht nicht zu weit hinein.“
Zuerst blieb Mascha bei den anderen. Sie fand Walderdbeeren unter den Büschen, schaute unter die Blätter und hörte, wie die Vögel einander zuriefen. Plötzlich entdeckte sie eine kleine Lichtung mit unzähligen Beeren. Begeistert ging das Mädchen von Busch zu Busch. Als es sich mit seinem vollen Korb wieder aufrichtete, war niemand mehr zu sehen.
„Mädchen!“, rief Mascha.
Der Wald antwortete nur mit einem Rascheln.
Mascha ging einen Weg entlang, dann einen anderen. Doch den vertrauten Weg fand sie nicht. Die Sonne stand schon tiefer, und das Mädchen begann sich zu sorgen. Schließlich entdeckte es zwischen den Bäumen ein kleines Häuschen.
Mascha klopfte. Niemand antwortete. Die Tür stand halb offen. Deshalb ging sie hinein und beschloss, auf den Besitzer zu warten.
Bald knackten draußen vor dem Fenster Zweige. Ein großer Bär kehrte zum Häuschen zurück. Als er Mascha sah, staunte er.
„Was für ein Gast!“, sagte er. „Bleib bei mir. Dann wird es im Haus fröhlicher. Du kochst Brei und räumst auf, und ich bringe Beeren und Honig.“
„Danke“, antwortete Mascha höflich. „Aber zu Hause warten meine Großeltern. Ich muss zurück.“
Der Bär schüttelte den Kopf.
„Allein lasse ich dich nicht durch den Wald gehen. Der Weg ist weit, und es gibt viele Pfade. Ins Dorf gehe ich aber nicht.“
Mascha begriff, dass sie ihn nicht einfach überreden konnte. Sie stritt nicht. Am nächsten Tag half sie im Häuschen und dachte dabei die ganze Zeit darüber nach, wie sie nach Hause kommen könnte.
Am Abend fiel ihr eine List ein.
„Bär“, sagte sie, „ich backe kleine gefüllte Küchlein für Großvater und Großmutter. Bring ihnen das Geschenk, damit sie wissen, dass es mir gut geht.“
Der Bär war einverstanden.
Mascha knetete Teig, backte duftende Küchlein und suchte einen großen, festen Korb mit einem Deckel.
„Morgen bringst du ihn in unser Dorf“, sagte sie. „Aber öffne ihn unterwegs nicht und koste die Küchlein nicht. Ich werde ganz hoch hinaufsteigen und nachsehen, ob du dein Versprechen hältst.“
Der Bär lachte.
„Wie willst du mich denn durch den Wald sehen?“
„Das werde ich schon“, antwortete Mascha geheimnisvoll.
Am nächsten Morgen sagte sie:
„Geh hinaus und schau, ob Regen kommt.“
Kaum war der Bär draußen, kletterte Mascha rasch in den Korb. Über sich legte sie ein Tuch und die Küchlein. Den Deckel schloss sie so, dass noch Luft hineinkam.
Der Bär kehrte zurück, hob den Korb auf seinen Rücken und ging zum Dorf.
Lange war er unterwegs. Der Korb war schwer, und die Küchlein dufteten so köstlich, dass er schließlich bei einem alten Baumstumpf stehen blieb.
„Ich setze mich ein wenig hin und esse ein Küchlein“, murmelte er.
Da erklang Maschas Stimme aus dem Korb:
„Setz dich nicht hin, Bär! Lass die Küchlein in Ruhe! Bring das Geschenk direkt nach Hause!“
Der Bär zuckte zusammen.
„Was für Augen Mascha hat! Sie kann weit sehen!“
Und er ging weiter.
Nach einer Weile wurde er wieder müde.
„Jetzt kann sie mich bestimmt nicht mehr sehen“, beschloss der Bär. „Ich setze mich nur für eine Minute.“
Doch wieder kam es aus dem Korb:
„Ich sehe dich, Bär! Geh weiter!“
„Wie sonderbar!“, staunte er und setzte seinen Weg fort.
Endlich erschienen die Dächer des Dorfes. Der Bär fand den richtigen Hof, stellte den Korb am Tor ab und klopfte laut an die Gartenpforte.
Da hörten die Hunde das fremde Tier und begannen laut zu bellen. Der Bär erschrak vor dem Lärm, wich vom Tor zurück und lief schließlich wieder in den Wald.
Die Großeltern kamen in den Hof. Sie sahen den Korb und wunderten sich sehr.
„Wer hat uns dieses Geschenk gebracht?“
Sie öffneten den Deckel. Und aus dem Korb richtete sich Mascha auf!
„Großmutter! Großvater!“
Sie umarmten ihre Enkelin so fest, dass sie beinahe die Küchlein verschüttete.
Mascha erzählte, wie sie sich verlaufen hatte, wie sie zum Häuschen des Bären gekommen war und wie sie sich einen Weg nach Hause ausgedacht hatte.
„Gut, dass du den Kopf nicht verloren hast“, sagte der Großvater. „Aber das beste Abenteuer ist eines, aus dem man die richtigen Schlüsse zieht.“
Von da an blieb Mascha im Wald immer bei den Erwachsenen oder ihren Freunden und achtete gut auf den Weg. Wenn sie Küchlein backte, erinnerte sich die Familie noch lange an den Korb, den erstaunten Bären und seine feste Überzeugung, Mascha könne durch den ganzen Wald sehen.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
