

Finnland
Mikkos Diener
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Finnland
- Alter
- 5–9 Jahre
- Dauer
- 6 Min.

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Mikkos Diener
In einem finnischen Wald lebte ein Fuchs namens Mikko.
Er war rot, flink und liebte es sehr, so zu tun, als wüsste er über die Welt mehr als alle anderen.
Eines Tages zog ein Kater namens Mirri in seine Hütte ein.
Ein wirklicher Diener war Mirri überhaupt nicht.
Er hatte nur zugestimmt, eine Weile bei Mikko zu wohnen.
Doch dem Fuchs gefiel sofort die Vorstellung, vor anderen mit seinem neuen Hausgenossen anzugeben.
Bald traf Mikko den Wolf Pekka.
„Guten Tag, Pekka!“, rief der Fuchs fröhlich.
„Guten Tag, Mikko. Was gibt es Neues?“
Mikko kniff geheimnisvoll die Augen zusammen.
„Ich habe jetzt einen Helfer.“
„Einen Helfer?“
„Und was für einen! Er sieht klein aus, ist aber blitzschnell. Er sieht alles, hört alles und springt schneller, als du blinzeln kannst.“
Pekka wurde sofort neugierig.
„Kann ich ihn sehen?“
„Natürlich“, flüsterte Mikko. „Aber sei vorsichtig. Er mag es überhaupt nicht, wenn jemand ohne Erlaubnis zu ihm hineinschaut.“
Der Wolf machte sich auf den Weg zu Mikkos Hütte.
Er schlich zur Tür und steckte vorsichtig die Nase durch einen Spalt.
Mirri saß gerade in der Küche und hielt Ausschau nach einer Maus.
Da sah er die graue Nasenspitze.
„Was für eine riesige Maus!“, dachte der Kater.
Er hob die Pfote und tippte leicht dagegen.
Pekka erschrak so sehr, dass er beinahe über seinen eigenen Schwanz sprang.
„Au!“
Er rannte in den Wald.
Unterwegs begegnete er dem Bären Osmo.
„Osmo! Hast du schon von Mikkos schrecklichem Helfer gehört?“
„Schrecklich?“, fragte der Bär.
„Ich habe nur die Nase gezeigt, und schon war er da!“
Osmo war mindestens genauso neugierig.
„Das muss ich sehen.“
Er ging zur Hütte, stellte sich auf die Zehenspitzen und blickte hinein.
Gerade in diesem Augenblick bemerkte Mirri einen neuen Schatten an der Tür.
Er sprang auf das Fensterbrett und von dort auf eine Bank.
Osmo sah den Kater durch die Luft fliegen, den Schwanz steil nach oben.
Für ihn sah es aus, als springe ein kleiner Waldkrieger mit einem Speer durch die Hütte.
Der Bär wich erschrocken zurück.
„Pekka hatte recht!“, murmelte er und entfernte sich schnell.
Am Abend kamen Wolf und Bär gemeinsam zu Mikko.
„Wir möchten deinen Helfer richtig kennenlernen“, sagte Osmo.
Mikko konnte sein Grinsen kaum verbergen.
„Dann veranstaltet ein Essen. Mirri schätzt ein gutes Abendessen.“
Am nächsten Tag deckten sie auf einer Waldlichtung einen Tisch.
Es gab Beeren, Pilze, gebackene Wurzeln, eine Schale Sahne für den Kater und einen ganzen Korb duftendes Brot.
Doch Pekka und Osmo hatten nicht genug Mut, sich mit dem geheimnisvollen Gast an den Tisch zu setzen.
„Wir beobachten lieber ein wenig aus der Ferne“, sagte der Wolf und versteckte sich hinter einem Busch.
Osmo kletterte auf einen niedrigen Ast.
Bald kamen Mikko und Mirri.
Der Kater entdeckte sofort die Sahne.
„Das nenne ich Gastfreundschaft“, schnurrte er.
Hinter dem Busch versuchte Pekka, etwas zu sehen.
Er drehte sich nach rechts.
Dann nach links.
Sein buschiger Schwanz bewegte dabei ständig die Blätter.
Raschel-raschel.
Mirri stellte die Ohren auf.
Raschel-raschel.
„Eine Maus!“, dachte der Kater.
Er schlich näher und sprang direkt in den Busch.
Pekka sah Mirri auf sich zufliegen.
„Er hat mich gefunden!“
Der Wolf sprang auf die Lichtung und raste davon.
Mirri erschrak nun selbst vor dem Wolf und rannte auf den nächsten Baum.
Doch auf diesem Baum saß Osmo.
„Jetzt kommt er auch noch zu mir!“, rief der Bär.
Er wollte so schnell hinunterklettern, dass eine Pfote an einem Ast hängen blieb.
Osmo drehte sich wie ein Sack voller Nüsse und fiel weich in einen Haufen altes Laub.
Raschel! Puff!
Im nächsten Augenblick waren weder Wolf noch Bär auf der Lichtung.
Mirri kam vorsichtig vom Baum herunter.
„Mikko“, sagte er, „was war das gerade?“
Der Fuchs nickte sehr würdevoll.
„Meine Freunde sind offenbar etwas schüchtern.“
Der Kater sah ihn misstrauisch an.
„Du hast ihnen doch nicht irgendeinen Unsinn über mich erzählt?“
„Ich? Niemals!“, rief Mikko viel zu schnell.
Mirri verengte die Augen.
„Warum laufen sie dann vor einer gewöhnlichen Katze davon?“
Mikko kratzte sich am Ohr.
„Vielleicht habe ich deine Tapferkeit ganz leicht übertrieben.“
„Ganz leicht?“
„Nur ein winziges bisschen. Wirklich kaum der Rede wert.“
Mirri prustete los.
„Gut. Aber beim nächsten Mal sag mir vorher Bescheid, wenn ich plötzlich das gefährlichste Tier im Wald bin.“
Die beiden setzten sich allein an den Tisch.
Pekka und Osmo kamen erst am nächsten Morgen zurück, nachdem sie erfahren hatten, was wirklich passiert war.
Der Wolf war zunächst beleidigt.
Der Bär runzelte die Stirn.
Dann spielte Mirri so komisch nach, wie sie alle voreinander weggelaufen waren, dass sogar Osmo lachen musste.
„So viel kann unsere Fantasie aus einer Kleinigkeit machen“, sagte der Bär.
„Und Mikkos Übertreibungen helfen dabei ziemlich gut“, fügte Pekka hinzu und sah den Fuchs an.
Mikko setzte das unschuldigste Gesicht auf, zu dem ein Fuchs überhaupt fähig war.
Von da an wusste jeder im Wald:
Wenn Mikko etwas besonders Unglaubliches erzählt, sollte man lieber erst selbst nachsehen.
Mirri blieb bei ihm wohnen.
Nur das Wort Diener durfte Mikko nicht mehr benutzen.
„Helfer?“, fragte der Fuchs einmal.
„Freund“, korrigierte der Kater.
„Freund“, stimmte Mikko zu.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
