Cover: In achtzig Tagen um die Welt

Frankreich

In achtzig Tagen um die Welt

Abenteuer, Reisen, Erfindungsgeist, Beharrlichkeit

Land
Frankreich
Alter
9–14 Jahre
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In achtzig Tagen um die Welt

Phileas Fogg lebte in London so pünktlich, als tickte in seinem Inneren eine Uhr. Er kam immer zur selben Zeit in den Klub, aß nach einem festen Plan und hatte fast nie Eile.

Eines Tages sprach man im Klub über neue Eisenbahnen und Dampfschiffrouten. In der Zeitung stand, dass man die Erde nun in achtzig Tagen umrunden konnte.

„Theoretisch“, wandte eines der Klubmitglieder ein. „Aber unterwegs gibt es immer Verzögerungen.“

Fogg antwortete ruhig:

„Gerade die Verzögerungen muss man einplanen.“

Der Streit endete mit einer Wette. Fogg setzte einen beträchtlichen Teil seines Vermögens darauf, spätestens nach achtzig Tagen wieder in London zu sein.

Noch am selben Abend rief er seinen neuen Diener, einen Franzosen namens Passepartout.

„Wir reisen um die Welt.“

Passepartout glaubte, sich verhört zu haben.

„Wann?“

„Jetzt.“

Ein paar Stunden später saßen sie bereits im Zug.

Die Route führte durch Europa nach Suez, weiter mit dem Dampfschiff nach Bombay, dann durch Indien nach Kalkutta, über das Meer nach Hongkong und Yokohama, über den Pazifik nach San Francisco, durch Amerika nach New York und von dort zurück nach England.

Fogg notierte die Ankunfts- und Abfahrtszeiten in einem kleinen Heft. Passepartout staunte unterdessen über jedes neue Land, jede Sprache, jedes Gericht und jeden Bahnhof.

Hinter ihnen reiste noch jemand: der Detektiv Fix. In London war ein großer Diebstahl geschehen. Fix fand, dass Foggs plötzliche Abreise verdächtig aussah. Beweise hatte er nicht. Deshalb beobachtete er den Reisenden nur und wartete auf amtliche Nachrichten.

Fogg ahnte davon nichts.

In Indien stellte sich heraus, dass die Eisenbahnstrecke noch nicht überall fertig war. Wo auf der Karte eine gerade Linie verlief, lagen in Wirklichkeit Dutzende Kilometer ohne Schienen.

Passepartout schlug die Hände über dem Kopf zusammen.

Fogg sah nur auf seine Uhr.

„Dann finden wir einen anderen Weg.“

Sie kauften einen Elefanten und stellten einen Führer ein. Die Reise durch den Dschungel kostete Zeit, führte sie aber zu einer unerwarteten Begegnung.

Die Reisenden trafen eine junge Frau namens Aouda. Sie brauchte Hilfe, um einen gefährlichen Ort sicher zu verlassen. Fogg beschloss, nicht einfach an ihr vorbeizugehen.

„Wir haben einige Stunden Reserve“, sagte er. „Nutzen wir sie richtig.“

Gemeinsam mit Passepartout und dem Führer brachte er Aouda in Sicherheit. Danach setzte sie die Reise mit ihnen fort.

In Hongkong verlor Passepartout kurzzeitig den Anschluss an seine Freunde. Später trafen sie sich in Yokohama wieder. Von dort brachen alle gemeinsam über den Pazifik nach San Francisco auf.

Der Zug trug sie durch Amerika. Vor den Fenstern wechselten Berge, Ebenen, Städte und verschneite Weiten. Immer wieder hielt die Reise Überraschungen bereit, und ihr Zeitvorrat schmolz dahin. Einmal verzichtete Fogg sogar auf eine günstige Gelegenheit, schneller voranzukommen, als er erkannte, dass es wichtiger war, einen Gefährten nicht allein zurückzulassen.

Aouda sah: Der Mann, der wegen einer Wette aufgebrochen war, entschied sich immer häufiger für andere Menschen statt für Geld.

In New York kamen sie zu spät an. Der Dampfer, den sie brauchten, war bereits abgefahren. Fogg fand ein anderes Schiff und setzte die Reise über den Atlantik fort. Das Wetter war launisch, der Brennstoff wurde knapp, doch die Reisenden fuhren beharrlich weiter nach Osten.

Schließlich erreichten sie England. Hier verlor Fogg wegen Fix' falschem Verdacht noch einige Stunden. Als das Missverständnis aufgeklärt war, schien alles vorbei zu sein.

Fogg kehrte nach London zurück und war überzeugt, fünf Minuten zu spät gekommen zu sein und die Wette verloren zu haben.

Am nächsten Tag sagte Aouda, dass sie auch in Zukunft an seiner Seite bleiben wollte. Sie beschlossen zu heiraten. Passepartout lief los, um die Trauung zu vereinbaren. Plötzlich kam er so schnell zurück, als würde die Zeit selbst ihn jagen.

„Mein Herr! Heute ist Samstag!“

„Nein, heute ist Sonntag“, antwortete Fogg.

Da wurde alles klar.

Weil sie ständig nach Osten gereist waren, hatten sie der Sonne immer ein kleines Stück vorausgeeilt. Bei der Umrundung der Erde hatte Fogg unbemerkt einen ganzen Tag gewonnen.

Er war nicht zu spät. Ihm blieben noch einige Minuten.

Fogg und Passepartout eilten zum Klub. Die Tür ging gerade auf, als alle die letzten Sekunden zählten.

Phileas Fogg trat ein und sagte ruhig:

„Meine Herren, ich bin zurück.“

Er hatte die Wette gewonnen.

Als man jedoch die Ausgaben zusammenzählte, wurde klar, dass die Reise ihm kaum Geld eingebracht hatte. Dafür hatte Fogg etwas mitgebracht, das er nicht eingeplant hatte: Passepartouts Freundschaft, Aoudas Vertrauen, Tausende Erinnerungen und die Erkenntnis, dass die Welt in keinen Zeitplan passt.

Die achtzig Tage hatten ihm gezeigt: Pünktlichkeit hilft auf Reisen. Doch den wahren Wert einer Reise bestimmt keine Uhr.

Das tun die Entscheidungen, die man trifft, wenn am wenigsten Zeit bleibt.