Cover: Paw Yans Missgeschicke

Laos

Paw Yans Missgeschicke

Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.

Land
Laos
Alter
8–11 Jahre
Dauer
6 Min.
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Paw Yans Missgeschicke

In einem Dorf in Laos lebte ein Mann namens Paw Yan.

Er war freundlich, nahm Arbeit bereitwillig an und wollte wirklich jedes Mal alles so gut wie möglich machen.

Sein einziges Problem war:

Paw Yan verstand Worte oft ein wenig zu wörtlich.

Eines Morgens sagte er zu seiner Frau:

„Heute baue ich einen kleinen Wachturm am Reisfeld. Von dort können wir sehen, ob Vögel oder Büffel in die Pflanzen gehen.“

„Gut“, antwortete sie. „Nimm vier starke Pfosten, ungefähr so hoch wie unsere Kinder.“

Paw Yan nickte sehr ernst.

„So hoch wie die Kinder. Verstanden.“

Er nahm ein Seil, einige leichte Bambusstangen und rief die Kinder mit aufs Feld.

Dort grub er vier Löcher.

„Stellt euch mal hierher“, sagte er. „Ich muss nur sehen, wie hoch die Pfosten sein sollen.“

Die Kinder stellten sich neben die Löcher.

Paw Yan hielt Bambusstangen an sie, wechselte sie aus und murmelte:

„Diese ist zu kurz. Diese fast richtig. Eine etwas längere brauche ich noch.“

Schließlich war er so in seine Messungen vertieft, dass er die Kinder einfach stehen ließ und neues Bambus holen ging.

Der Abend kam näher.

Zu Hause wartete seine Frau.

„Wo bleiben denn alle?“

Sie ging zum Feld.

Dort sah sie ein erstaunliches Bild:

Vier Kinder standen noch immer neben den Löchern, während Paw Yan mit neuem Bambus zurückkam und weiter maß.

„Paw Yan!“, rief sie. „Ich sagte, du sollst Pfosten nehmen, die so hoch sind wie die Kinder. Nicht die Kinder als Messstäbe benutzen!“

Paw Yan blieb stehen.

„Aaaah. So war das gemeint.“

Die Kinder lachten.

Sogar seine Frau konnte nicht ernst bleiben.

„Gut“, sagte sie. „Morgen baue ich den Turm selbst. Du bekommst eine einfachere Aufgabe.“

Am nächsten Tag sagte sie:

„Während ich auf dem Feld arbeite, sammelst du Futter für die Schweine. Abends bringst du es ihnen.“

„Das kann ich nicht falsch verstehen!“, versprach Paw Yan.

Er nahm einen Korb und ging los.

Zuerst lief alles hervorragend.

Dann entdeckte er auf dem Boden einen glänzenden Stein.

„Wie ist der wohl hierhergekommen?“

Während er den Stein betrachtete, vergaß er, weshalb er unterwegs war.

Dann sah er einen Schmetterling.

Hinter dem Schmetterling eine Ameisenstraße.

Und an der Ameisenstraße einen hohen Baum, an dessen Stamm die Ameisen erstaunlich schnell abwärts liefen.

„Wie geschickt!“, staunte Paw Yan. „Und sie haben gar keine Angst zu fallen. Das muss ich genauer ansehen.“

Er sah so lange zu, dass die Sonne bereits tief stand.

„Die Schweine!“

Paw Yan lief nach Hause, nahm den ersten Sack, den er sah, und rannte zum Stall.

„Hier ist euer Abendessen!“, rief er fröhlich.

Dann öffnete er den Sack.

Darin war der Reis für die ganze Familie.

Die Schweine grunzten so laut, als wären auch sie überrascht.

„Halt! Das ist nicht für euch!“

Paw Yan band den Sack schnell wieder zu und brachte ihn zurück.

„Ich muss wirklich richtiges Futter sammeln.“

Auf dem Weg sah er wieder den Baum und die Ameisen.

„Aber wie steigen sie kopfüber hinunter, ohne zu fallen?“

Paw Yan glaubte, er könne es genauso.

Vorsichtig kletterte er auf einen niedrigen Ast, umklammerte den Stamm und versuchte, mit dem Kopf zuerst hinabzusteigen.

„Langsam ... noch ein Stück ...“

Sein Fuß rutschte.

Paw Yan fiel direkt in einen Haufen trockenes Gras.

Zuerst erschienen zwei Beine.

Dann zwei Arme.

Dann ein zerzauster Kopf.

„Jetzt weiß ich es“, sagte er zu sich selbst. „Ich bin keine Ameise.“

Am Abend sah ihn seine Frau voller Stroh und fragte:

„Hast du die Schweine gefüttert?“

„Fast.“

„Den Wachturm verwechselt?“

„Nein.“

„Den Familienreis verfüttert?“

„Beinahe.“

„Vom Baum gefallen?“

Paw Yan zog verlegen einen Strohhalm aus dem Haar.

„Nur ein bisschen.“

Seine Frau schüttelte den Kopf, lächelte aber.

„Paw Yan, dir fehlt es nicht an Fleiß. Dir fehlt nur eine Sache: Bevor du etwas tust, halte kurz an und überlege, was man dich eigentlich gebeten hat.“

Paw Yan wiederholte sehr ernst:

„Anhalten. Nachdenken. Dann handeln.“

Am nächsten Morgen nahm er einen Korb.

Er hielt an.

Er dachte nach.

Dann fragte er:

„Das ist der Korb für das Schweinefutter, richtig?“

„Richtig.“

„Und in den Korb kommt Grünfutter, nicht der Reis aus der Küche?“

„Ganz genau.“

„Und Kinder benutzt man nicht als Pfosten?“

„Auf gar keinen Fall.“

Paw Yan nickte zufrieden.

„Jetzt ist alles klar.“

Und diesmal erledigte er die Aufgabe tatsächlich richtig.

Man erzählt, dass Paw Yan von da an nicht mehr sofort losrannte, wenn er einen Auftrag bekam.

Er wiederholte ihn zuerst laut.

Dann stellte er ein oder zwei Fragen.

Erst danach machte er sich an die Arbeit.

Seine Missgeschicke wurden deutlich seltener.

Obwohl seine Frau sicherheitshalber weiterhin nachsah, wenn irgendwo in der Nähe eine besonders interessante Ameisenstraße auftauchte.

Denn dann bestand immer noch die Möglichkeit, dass Paw Yan vergessen hatte, wohin er eigentlich unterwegs war.

Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨