

Indien
Sonne, Mond und Wind gehen zum Festessen
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Indien
- Alter
- 3–7 Jahre
- Dauer
- 4 Min.

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Sonne, Mond und Wind gehen zum Festessen
Sonne, Mond und Wind waren noch jung und lebten gemeinsam mit ihrer Mutter, der Morgenröte.
Die Sonne liebte alles Helle und Heiße.
Der Mond mochte stille Abende, silbernes Licht und ruhige Gespräche.
Der Wind dagegen konnte keine Minute stillsitzen. Mal raschelte er in den Blättern, mal wirbelte er Staub über die Straße, mal jagte er einfach hinter den Horizont, ohne selbst zu wissen, warum.
Eines Tages kam eine Einladung.
Donner und Blitz veranstalteten ein großes Festessen.
„Das wird ein Fest!“, freute sich die Sonne.
„Bestimmt gibt es Musik“, sagte der Mond.
„Und ich bin als Erster da!“, rief der Wind und wirbelte schon um das Haus.
Die Morgenröte richtete die festlichen Kleider ihrer Kinder und sagte:
„Geht und habt Freude. Ich bleibe zu Hause. Denkt nur daran: Wenn es euch gut geht, ist es schön, auch an den zu denken, der auf euch wartet.“
„Natürlich!“, antworteten alle drei.
Dann gingen sie zum Fest.
Bei Donner und Blitz war es laut und fröhlich.
Auf dem großen Tisch standen duftende Fladen, gewürzter Reis, süße Früchte, Nüsse und Krüge mit kühlen Getränken.
Die Sonne setzte sich dicht an den Tisch.
„Davon probiere ich! Und davon auch! Und das hier ebenfalls!“
Der Wind sauste von Teller zu Teller.
„Was riecht da so gut? Was ist das? Darf ich? Noch ein bisschen?“
Nur der Mond dachte immer wieder an seine Mutter.
Als süße Früchte serviert wurden, legte er einige der schönsten in ein sauberes Tuch.
Später kamen Nüsse dazu.
Und schließlich bat er die Gastgeber um einen kleinen Fladen für die Morgenröte.
„Der ist für unsere Mutter“, erklärte er. „Sie ist zu Hause geblieben.“
Der Donner lächelte.
„Es ist schön, wenn man bei einem Fest an die denkt, die nicht mit am Tisch sitzen.“
Spät am Abend kehrten Sonne, Mond und Wind heim.
Die Morgenröte wartete am Fenster.
„Wie war das Essen?“, fragte sie.
„Wunderbar!“, rief die Sonne. „Ich habe so viele leckere Sachen gegessen!“
„Und ich habe alles probiert, was ich erreichen konnte!“, prahlte der Wind.
Die Morgenröte fragte freundlich:
„Habt ihr auch an mich gedacht?“
Die Sonne schwieg.
Der Wind hörte auf zu pfeifen.
Beide sahen einander an.
„Wir waren... sehr mit dem Essen beschäftigt“, sagte die Sonne schließlich.
„Und mit den Gesprächen“, ergänzte der Wind.
Da holte der Mond sein Tuch hervor.
„Ich habe dir etwas mitgebracht.“
Er öffnete es, und auf dem Tisch lagen ein Fladen, Nüsse und süße Früchte.
Die Morgenröte freute sich nicht nur über das Essen. Viel mehr freute sie sich darüber, dass der Mond an sie gedacht hatte.
„Danke“, sagte sie. „Das Wertvollste hier sind nicht die Leckereien. Das Wertvollste ist, dass du mitten im fröhlichen Fest an jemanden gedacht hast, der zu Hause auf dich wartet.“
Der Sonne wurde etwas unbehaglich.
„Beim nächsten Mal bringe ich dir auch etwas Gutes mit.“
„Ich auch!“, rauschte der Wind. „Und ich kann es schneller tragen als alle anderen!“
Die Morgenröte lachte.
„Das glaube ich. Aber heute soll jeder von euch diesen Abend auf seine Weise im Gedächtnis behalten.“
Sie sah zur Sonne.
„Du bist hell und stark. Manchmal wird deine Wärme so heiß sein, dass die Menschen Schatten suchen. Dann sollst du daran denken, dass Kraft angenehmer ist, wenn man sie behutsam einsetzt.“
Dann wandte sie sich an den Wind.
„Du bist schnell und rastlos. Manchmal wirst du so kräftig wehen, dass Bäume rauschen und Türen schlagen. Dann sollst du daran denken, manchmal anzuhalten und die anderen wahrzunehmen.“
Zum Mond sagte sie:
„Du hast an mich gedacht. Darum soll dein Licht kühl und sanft sein. Wenn die Nacht kommt, werden die Menschen zu dir hinaufsehen und Ruhe spüren.“
Seitdem scheint die Sonne hell und warm. Der Wind reist durch die Welt, einmal sanft, einmal kräftig. Und der Mond leuchtet still in der Nacht.
Wenn sein Licht besonders klar ist, so erzählt man, sieht die Morgenröte zu ihm hinauf und erinnert sich an jenes Festessen, nach dem alle drei etwas Einfaches verstanden:
Freude wird größer, wenn man nicht vergisst, sie mit anderen zu teilen.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
