Cover: Strohhalm, Kohle und Bohne

Deutschland

Strohhalm, Kohle und Bohne

Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.

Land
Deutschland
Alter
3–7 Jahre
Dauer
6 Min.
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Strohhalm, Kohle und Bohne

Am Rand einer kleinen Stadt lebte eine freundliche Frau. Eines Morgens wollte sie Bohnensuppe kochen. Sie machte Feuer, legte trockenes Holz in den Ofen und stellte eine Schüssel Bohnen bereit.

Während sie sich zum Regal drehte, um Salz zu holen, geschah etwas Merkwürdiges.

Ein dünner Strohhalm neben dem Ofen bewegte sich plötzlich.

„Ach du meine Güte“, flüsterte er. „Noch ein bisschen, und ich lande im Feuer!“

In diesem Augenblick rollte eine kleine schwarze Kohle aus dem Ofen. An einer Kante glühte sie rot, und sie hatte es sehr eilig.

„Mach Platz!“, zischte sie. „Ich bin gerade aus den Flammen entwischt. Noch eine Minute dort drin und von mir wäre nur Asche übrig.“

Gleichzeitig sprang eine runde Bohne aus der Schüssel auf den Tisch, rollte bis zum Rand, hüpfte auf die Bank und von dort auf den Boden.

„Wartet auf mich!“, sagte sie. „Ich möchte heute ebenfalls nicht zur Suppe werden.“

Die drei Ausreißer versteckten sich hinter dem Holzkorb. Als es in der Küche ruhig wurde, schauten sie vorsichtig hervor.

„Wir hatten großes Glück“, sagte die Bohne. „Aber wenn wir hierbleiben, findet man uns früher oder später.“

„Was sollen wir dann tun?“, fragte der Strohhalm.

„Auf Reisen gehen!“, rief die Kohle. „Hinter dem Garten beginnt bestimmt eine ganze große Welt.“

Also machten sich die drei neuen Freunde auf den Weg.

Der Strohhalm ging voran, weil er am längsten war und Grashalme zur Seite schieben konnte. Die Bohne rollte fröhlich hinterher. Die Kohle trippelte zuletzt und achtete darauf, mit ihrer noch warmen Seite kein trockenes Laub zu berühren.

Sie durchquerten den Gemüsegarten, schlüpften unter dem Zaun hindurch und sahen ein Feld, das keiner von ihnen je zuvor gesehen hatte.

„Seht ihr“, sagte die Bohne. „Man muss sich nur trauen, und die Welt wird sofort größer.“

Doch bald plätscherte ein Bach vor ihnen.

Das Wasser sprang schnell über Steine und spritzte gegen die Ufer.

„Das ist ein Problem“, sagte die Kohle. „Wasser mag ich überhaupt nicht.“

„Ich möchte auch nicht schwimmen“, gab die Bohne zu. „Sonst treibt es mich irgendwohin.“

Der Strohhalm dachte nach und streckte sich über seine ganze Länge.

„Ich lege mich quer über den Bach und werde zur Brücke. Ihr geht über mich. Danach helft ihr mir auf die andere Seite.“

„Großartige Idee!“, freute sich die Bohne.

Der Strohhalm legte sich von einem Ufer zum anderen. Die Kohle ging zuerst.

„Vorsichtig“, warnte der Strohhalm. „Nicht hasten.“

Die Kohle machte einen Schritt.

Dann noch einen.

Mitten über dem Bach sah sie nach unten.

Direkt unter ihr rauschte das Wasser.

„Oh...“, flüsterte die Kohle.

Vor Angst blieb sie stehen.

„Weiter!“, rief die Bohne vom Ufer.

„Ich kann nicht. Meine Beine zittern.“

„Du hast gar keine Beine“, erinnerte sie der Strohhalm.

„Dann zittert eben alles andere!“

Die Bohne musste lachen.

Auch die Kohle kicherte. Dabei rutschte sie ein Stück weiter und berührte mit ihrer heißen Seite den Strohhalm.

„Au! Heiß!“, rief dieser.

Auf ihm erschien ein winziger schwarzer Fleck.

„Zurück!“, rief die Bohne. „Wir brauchen eine bessere Brücke.“

Die Kohle kehrte schnell ans Ufer zurück.

Die Freunde berieten sich.

Da entdeckte die Bohne ein breites Stück Holz in der Nähe.

„Was ist, wenn wir es neben den Strohhalm legen? Dann wird die Brücke breiter und kühler.“

So machten sie es.

Diesmal gelangte die Kohle problemlos hinüber. Danach rollte die Bohne über die Brücke. Gemeinsam zogen sie schließlich den Strohhalm am Ende auf die andere Seite.

„Hurra!“, riefen alle drei.

Die Bohne lachte so laut, dass sie beinahe wieder ins Wasser rollte.

„Vorsicht“, sagte der Strohhalm. „Ein Abenteuer reicht für heute.“

Am Abend fanden sie einen gemütlichen Platz unter einem großen Haselstrauch.

Der Strohhalm machte eine weiche Unterlage. Die Kohle wärmte einen kleinen Stein für die Nacht. Die Bohne fand eine Eichelkappe, in der sie einige Tautropfen sammelte.

Als der Mond über dem Feld stand, sagte die Bohne:

„Allein wäre wohl keiner von uns so weit gekommen.“

„Stimmt“, sagte die Kohle. „Ich wäre schon am ersten Bach stehen geblieben.“

„Und ohne euch wäre mir die Idee mit der besseren Brücke nie gekommen“, sagte der Strohhalm.

Von da an reisten die drei gemeinsam weiter.

Sie stritten noch manchmal, erschraken und gerieten in lustige Schwierigkeiten. Aber sie erinnerten sich immer an das Wichtigste:

Mit Freunden an der Seite wirkt selbst ein kleiner Bach nicht mehr wie ein unüberwindlicher Fluss.

Und irgendwo am Rand eines großen Feldes soll es noch heute einen Pfad geben, auf dem einst Strohhalm, Kohle und Bohne unterwegs waren: drei winzige Reisende mit riesigen Plänen.

Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨