

Dänemark
Die Springkünstler
Insekten, Wettkampf, Humor
- Land
- Dänemark
- Alter
- 4–8 Jahre

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Die Springkünstler
Eines Tages wollten ein Floh, ein Grashüpfer und ein kleiner Frosch herausfinden, wer von ihnen am höchsten springen konnte.
Alle drei waren überzeugt, die besten Springkünstler der Welt zu sein.
„Wir müssen einen richtigen Wettkampf veranstalten“, sagte der Floh. „Mit Zuschauern, Schiedsrichtern und Applaus.“
„Und mit Musik“, fügte der Grashüpfer hinzu. „Ohne Musik kann ein großes Ereignis nicht wirklich groß sein.“
Der kleine Frosch sagte nichts. Er blinzelte nur und sah sich seine beiden Mitstreiter aufmerksam an.
Die Nachricht verbreitete sich rasch im Königreich. Die Gäste strömten zum Palast. Höflinge kamen, Köche, Gärtner, Musiker, der Wachhund und sogar ein paar Spatzen, die sich ohne Einladung auf das Fensterbrett setzten.
Der König ließ mitten im Saal eine goldene Startmarkierung anbringen.
„Wer den besten Sprung zeigt“, verkündete er, „erhält eine Goldmedaille und einen Ehrenplatz neben der Prinzessin beim heutigen Fest.“
Die Prinzessin saß auf einem kleinen goldenen Stuhl und lächelte.
„Aber ich möchte auch sagen dürfen, welchen Sprung ich für den besten halte“, merkte sie an.
„Natürlich“, stimmte der König zu. „Es ist schließlich unser gemeinsames Fest.“
Als Erster trat der Floh vor.
Er verbeugte sich tief nach rechts, dann nach links und schließlich noch einmal zur Mitte.
„Ich stamme aus einer sehr angesehenen Familie“, sagte der Floh. „Ich war in Häusern zu Gast, in die man manchen Anwesenden nicht einmal durch die Eingangstür hineinlassen würde.“
Der Wachhund schnaubte.
„Das liegt daran, dass du keine Tür brauchst, um hineinzukommen“, brummte er.
Der Floh tat, als hätte er nichts gehört.
Als Nächster kam der Grashüpfer.
Er trug eine prächtige grüne „Uniform“, die allerdings nur aus seinen eigenen Flügeln und seinem Rücken bestand.
„Mein Geschlecht ist sehr alt“, sagte er stolz. „Und außerdem bin ich Musiker. Wenn ich im Gras singe, weiß die ganze Wiese, wer hier der große Künstler ist.“
Sogleich ließ er ein langes Zirpen hören:
„Zir-r-r-r-r!“
Ein paar Höflinge klatschten höflich.
Der Frosch schwieg noch immer.
„Und was erzählst du uns über dich?“, fragte der König.
Der Frosch überlegte und antwortete:
„Nichts Besonderes. Ich springe lieber.“
Der Wachhund beschnupperte ihn und sagte mit ernster Miene:
„Er gefällt mir. Er riecht nach Teich, Schilf und gesundem Menschenverstand.“
Der alte Ratgeber nickte so feierlich, als hätte er ein Staatsgeheimnis gehört.
„Schweigsame Geschöpfe denken oft viel nach“, sagte er.
„Oder sie schweigen einfach“, fügte die Prinzessin hinzu.
Alle lachten.
Endlich begann der Wettkampf.
Der Floh stellte sich auf die goldene Markierung.
„Schaut genau hin!“, rief er.
Hopp!
Er flog so hoch hinauf, dass niemand rechtzeitig erkennen konnte, wohin genau.
Im Saal wurde es still.
„Ist er schon gesprungen?“, flüsterte jemand.
„Ich habe nichts gesehen“, sagte ein anderer.
Der Floh landete und erklärte empört:
„Genau das beweist, dass ich am höchsten gesprungen bin! Ich war zu hoch für eure Augen!“
„Möglich“, sagte der König. „Aber einen Sprung zu beurteilen, den niemand gesehen hat, ist nicht leicht.“
Nun trat der Grashüpfer an den Start.
Er streckte seine Beine, rückte einen unsichtbaren Kragen zurecht und zwinkerte den Zuschauern zu.
„Jetzt seht ihr wahre Kunst.“
Hopp!
Der Grashüpfer flog wunderbar in die Höhe. Nur hatte er die Richtung nicht besonders gut berechnet und landete mitten auf der Königskrone.
Die Krone rutschte dem König auf ein Ohr.
Alle erstarrten.
Der Grashüpfer sprang rasch auf den Boden hinunter.
„Ich wollte meinem Auftritt einen feierlichen Glanz verleihen“, erklärte er.
Der König rückte die Krone zurecht.
„Der Sprung war hoch“, sagte er. „Aber such dir beim nächsten Mal den Landeplatz sorgfältiger aus.“
Nun war der Frosch an der Reihe.
Er ging zur Startmarkierung.
Er stand da.
Er dachte nach.
Er stand noch ein wenig länger da.
„Vielleicht hat er es sich anders überlegt?“, flüsterte der Floh.
„Vielleicht ist er eingeschlafen?“, vermutete der Grashüpfer.
Der Wachhund legte den Kopf schief.
„Nein. Er rechnet etwas aus.“
Plötzlich ging der Frosch in die Hocke.
Hopp!
Er sprang nicht einfach nach oben, sondern schräg durch die Luft und landete sanft am Rand des goldenen Stuhls neben der Prinzessin.
Überrascht lachte die Prinzessin auf.
„Na so etwas!“
Der König sah den Frosch an, dann den Stuhl und schließlich die anderen Teilnehmer.
„Interessant“, sagte er. „Wir wollten den besten Sprung finden. Der Floh ist so hoch gesprungen, dass niemand etwas gesehen hat. Der Grashüpfer sprang großartig, hätte mir aber beinahe die Krone entführt. Der Frosch dagegen wollte nicht bloß seine Kraft zeigen. Er hat überlegt, wohin er gelangen möchte.“
Die Prinzessin nickte.
„Für mich ist das der genaueste Sprung. Er ist nicht nur hochgekommen, sondern hat sich auch seinen Landeplatz genau ausgesucht.“
So erhielt der Frosch die Goldmedaille und den Ehrenplatz beim Fest.
Der Floh schnaubte:
„Ich bin trotzdem höher gesprungen.“
„Vielleicht“, antwortete der Frosch. „Aber manchmal zählt nicht nur, wie hoch man kommt, sondern auch, wo man danach landet.“
Der Grashüpfer dachte über diese Worte nach und begann dann, sein Abendlied zu spielen.
Auch der Floh beruhigte sich bald. Er beschloss, beim nächsten Mal schon vorher um ein hohes Maßband zu bitten, damit alle sein Talent beurteilen konnten.
Der Frosch aber saß neben der Prinzessin und naschte kleine Honigtropfen von einem Blatt.
Von da an erinnerte man sich am Hof oft an diesen seltsamen Wettkampf.
Nicht deshalb, weil jemand am höchsten gesprungen war.
Sondern weil der kleine schweigsame Frosch alle daran erinnert hatte: Erst gut überlegen, wohin man will, und dann springen.
