Cover: Die eigenen Kinder sind immer die schönsten

Norwegen

Die eigenen Kinder sind immer die schönsten

Vögel, Elternliebe, Humor

Land
Norwegen
Alter
3–7 Jahre
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Die eigenen Kinder sind immer die schönsten

Einmal ging ein Mann in den Wald, um Vögel zu beobachten. Er schrieb gern in ein kleines Heft, wer wo nistete, welche Lieder die Vögel sangen und wann ihre Jungen schlüpften.

Auf einem schmalen Pfad begegnete ihm eine Bekassine.

Der Vogel lief besorgt vor ihm über den Weg und sagte:

„Lieber Mann, bitte komm meinem Nest nicht zu nahe. Meine Kleinen sind darin. Sie sind noch ganz winzig und könnten sich erschrecken.“

„Natürlich“, antwortete der Mann. „Ich mache einen Bogen um sie. Sag mir nur, woran ich deine Jungen unter all den anderen erkenne.“

Die Bekassine richtete sich stolz auf.

„Das ist ganz einfach! Meine Kinder sind die schönsten im ganzen Wald.“

„Die schönsten?“, fragte der Mann nach.

„Ohne jeden Zweifel!“, sagte die Bekassine. „Wenn du die süßesten, reizendsten, allerbesten Vogeljungen siehst, sind es meine.“

„Gut, das merke ich mir“, sagte der Mann lächelnd.

Er ging weiter.

Bald sah er neben einem Grasbüschel kleine, flauschige Vogeljungen.

„Wie hübsch!“, flüsterte er. „So rund und flink, und die Augen glänzen. Das sind bestimmt die, von denen die Bekassine gesprochen hat.“

Leise ging der Mann weiter, um sie nicht zu stören.

Ein Stück weiter entdeckte er ein anderes Nest. Daraus schauten einige langbeinige Kleine mit lustigen Schnäbeln hervor. Ihre Federn standen in alle Richtungen ab. Ein Junges stieg unbeholfen über einen trockenen Grashalm, und ein anderes fand neben seinen Geschwistern einfach keinen bequemen Platz.

„Was für eine komische Gesellschaft“, dachte der Mann. „Das sind wohl kaum die schönsten im ganzen Wald.“

Er kam ein wenig näher, um etwas in sein Heft zu schreiben.

Plötzlich ertönte über dem Gras eine bekannte Stimme:

„Vorsicht! Das sind doch meine Kinder!“

Die Bekassine eilte zum Nest.

Der Mann staunte.

„Deine? Aber du hast doch gesagt, deine Jungen seien die schönsten im ganzen Wald!“

„Das sind sie auch!“, antwortete die Bekassine aufrichtig.

Sie stellte sich neben ihre Kleinen und betrachtete zärtlich, wie eines versuchte, sich unter einem Blatt zu verstecken, während ein anderes auf seinen dünnen Beinchen lustig hüpfte.

„Schau doch nur! Dieses Schnäbelchen! Diese Füßchen! Und was für Augen! Siehst du denn nicht, wie wunderbar sie sind?“

Der Mann sah die Jungen noch einmal an.

Nun sah er weder zerzauste Federn noch unbeholfene Bewegungen. Er sah, wie sorgfältig die Bekassine die Grashalme um das Nest zurechtrückte und wie ihre Kleinen sich an sie kuschelten.

Plötzlich verstand er alles.

„Jetzt sehe ich es“, sagte er. „Für dich sind sie wirklich die schönsten.“

Die Bekassine legte erstaunt den Kopf schief.

„Wie sollte es denn anders sein?“

Der Mann lachte.

Er entfernte sich vom Nest und schrieb in sein Heft:

„Heute habe ich etwas Wichtiges gelernt. Wenn eine Mutter oder ein Vater sagt: Meine Kinder sind die schönsten auf der Welt, dann bitte sie nicht um eine genauere Beschreibung. Für ein liebendes Herz ist das bereits die genaueste Beschreibung.“

Die Bekassine kehrte unterdessen zu ihren Kleinen zurück und konnte sich noch lange nicht an ihnen sattsehen.

Denn die eigenen Kinder sind bekanntlich immer die schönsten.