

Südafrika
Tink-Tinkje
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Südafrika
- Alter
- 4–8 Jahre
- Dauer
- 4 Min.

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Tink-Tinkje
Eines Tages versammelten sich die Vögel auf einer großen Lichtung und begannen darüber zu streiten, wer ihr Anführer sein sollte.
„Nehmen wir den Strauß!“, schlug jemand vor. „Er ist der Größte.“
„Groß ist er“, sagten die anderen. „Aber er kann nicht fliegen. Ein Anführer der Vögel sollte den Himmel kennen.“
„Dann der Adler! Er ist stark.“
„Stärke ist nützlich. Aber ein kräftiger Flügel allein reicht nicht, um alle klug zu führen.“
„Der Pfau! Seht nur seine Farben!“
„Schönes Gefieder macht noch keinen guten König.“
„Die Eule! Sie sieht im Dunkeln hervorragend.“
„Dafür schläft sie tagsüber gern.“
Die Vögel redeten und redeten und konnten sich nicht einigen.
Schließlich rief jemand:
„Machen wir einen Wettbewerb! Wer am höchsten fliegt, gewinnt.“
Sofort entstand Aufregung.
„Einverstanden!“
Mitten in der großen Vogelschar saß der winzige Tink-Tinkje. Er war so leicht, dass sich ein dünner Zweig unter seinen Füßen kaum bog.
Tink-Tinkje sah auf die großen Flügel der anderen und sagte leise zu sich:
„Wenn ich nur mit meiner eigenen Kraft fliege, komme ich niemals so hoch. Ich muss mir etwas ausdenken.“
Während sich alle auf den Start vorbereiteten, klammerte er sich unbemerkt an eine große Feder des Geiers und versteckte sich so gut, dass niemand ihn sah.
Auf das Startzeichen hin erhoben sich die Vögel.
Zuerst war der Himmel voller Flügel.
Dann wurden einige müde und kehrten zur Erde zurück.
Danach weitere.
Immer höher flogen nur noch die ausdauerndsten.
Der Geier stieg lange weiter.
Schließlich war kein anderer Vogel mehr über ihm.
„Ich bin höher als alle!“, rief er. „Ich habe gewonnen!“
Da erklang direkt über seinem Kopf eine dünne Stimme:
„Tsi-tsi-tsi! Ich bin noch höher!“
Der Geier sah erstaunt nach oben.
Über ihm kreiste Tink-Tinkje.
„Wo kommst du denn her?“
Der kleine Vogel piepste nur fröhlich:
„Tsi-tsi-tsi!“
Der Geier sammelte seine letzten Kräfte und stieg noch ein Stück höher.
„Jetzt bin ich wirklich am höchsten!“
Doch Tink-Tinkje schoss erneut unter seinem Flügel hervor und flog eine halbe Flügellänge höher.
„Tsi-tsi-tsi! Hier bin ich!“
Als alle wieder auf der Lichtung landeten, verstanden die Vögel schnell, wie Tink-Tinkje seinen Vorsprung erreicht hatte.
„Das war nicht fair!“, riefen sie. „Du bist nicht den ganzen Weg selbst geflogen.“
Tink-Tinkje merkte, dass es Ärger gab.
Er huschte in ein kleines Mauseloch und versteckte sich.
„Er soll herauskommen und erklären, was er getan hat“, beschlossen die Vögel. „Jemand muss Wache halten.“
„Die Eule!“, sagten alle. „Sie hat große aufmerksame Augen.“
Die Eule setzte sich vor das Loch und versprach, nicht zu blinzeln.
Doch die Sonne war warm.
Das Gras duftete.
Insekten summten über der Lichtung.
Die Eule blinzelte einmal.
Dann ein zweites Mal.
Kurz darauf döste sie ein.
Tink-Tinkje schob vorsichtig den Schnabel aus dem Loch.
Still.
Dann den Kopf.
Die Eule schlief.
„Tsi-tsi!“
Wie ein kleiner Blitz schoss er heraus.
Als die übrigen Vögel zurückkamen, saß der kleine Trickser bereits hoch im Baum.
„Tsi-tsi-tsi!“, klang seine Stimme zwischen den Zweigen.
Wieder entstand großer Lärm. Manche waren wütend, andere lachten, einige verlangten einen neuen Wettbewerb.
Nur die weiße Krähe wandte sich ab.
„Von diesen Streitigkeiten habe ich genug. Ich sage kein Wort mehr.“
Und die alte Geschichte behauptet, dass die weiße Krähe seitdem schweigt.
Einen König wählten die Vögel an diesem Tag nicht.
Denn plötzlich hatten sie etwas verstanden:
Höher als alle anderen zu fliegen bedeutet noch lange nicht, der Beste für alle zu sein.
Tink-Tinkje wiederum merkte sich etwas anderes.
Eine List kann dich für einen Augenblick über die anderen bringen.
Vertrauen aber muss man mit den eigenen Flügeln verdienen.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
