Cover: Drei Freier und drei Zauberdinge

Serbien

Drei Freier und drei Zauberdinge

Freundschaft, Zauberteppich, Fernrohr, Heilsalbe, Zusammenarbeit

Land
Serbien
Alter
5–9 Jahre
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Drei Freier und drei Zauberdinge

Vor langer, langer Zeit lebte in einem fernen Königreich ein König mit seiner Tochter. Die Prinzessin war klug, gütig und neugierig. Sie hörte gern den Erzählungen von Reisenden zu, kannte die Namen ferner Flüsse und träumte davon, eines Tages die Welt jenseits der Schlossmauern zu sehen.

Als die Prinzessin erwachsen wurde, kamen Freier an den Hof. Unter ihnen waren drei junge Edelleute, die schon lange befreundet waren. Alle drei waren ehrlich und mutig, aber von ganz unterschiedlichem Wesen. Einer liebte Reisen und Abenteuer, der zweite interessierte sich für Bücher und erstaunliche Erfindungen, und der dritte kannte sich mit Kräutern aus und half immer den Kranken.

Der König wollte niemanden kränken und sagte eines Tages:

„Zieht hinaus in die Welt. Jeder soll etwas wirklich Ungewöhnliches finden. Wenn ihr zurückkommt, überlegen wir gemeinsam, was eure Reisen euch gelehrt haben.“

Die drei Freunde verabschiedeten sich und schlugen verschiedene Wege ein.

Der erste Reisende erreichte eine Stadt, auf deren großem Basar Dinge aus den seltsamsten Ländern verkauft wurden. Dort sah er einen alten Teppich mit blauen und goldenen Mustern.

„Ein gewöhnlicher Teppich?“, fragte er.

„Ganz und gar nicht“, lächelte der Verkäufer. „Sag ihm, wohin du möchtest, und er trägt dich schneller als das flinkste Pferd dorthin.“

Der Reisende probierte es aus. Kaum hatte er sich auf den Teppich gesetzt und den nahen Turm genannt, pfiff ihm der Wind um die Ohren, die Erde sank unter ihm hinab, und einen Augenblick später landete der Teppich sanft direkt am Turm.

„Was für ein Fund!“, rief der junge Mann und kaufte den Zauberteppich.

Der zweite Freund war inzwischen in eine Hafenstadt gekommen. Im Laden eines alten Handwerkers sah er ein langes Kupferrohr mit Glaslinsen.

„Das ist ein Fernrohr“, sagte der Handwerker. „Aber kein gewöhnliches. Man kann damit sehr ferne Orte sehen, wenn man wirklich wissen möchte, was dort geschieht.“

Der junge Mann schaute durch das Rohr und sah plötzlich Berge, die von der Stadt aus nicht zu sehen waren. Dann sah er das Meer und dahinter eine andere Küste. Er begriff, dass er ein wahres Wunder in den Händen hielt, und kaufte das Fernrohr.

Der dritte Reisende wanderte lange durch Dörfer und half den Menschen. Eines Tages traf er eine alte Kräuterfrau, die ihm eine kleine silberne Dose schenkte.

„Darin ist ein heilender Balsam“, sagte sie. „Er ersetzt keine Fürsorge, Ruhe oder ärztliche Weisheit. Aber in der Märchenwelt kann er jemandem neue Kraft geben, der völlig erschöpft ist.“

Der junge Mann bedankte sich und hütete die Dose wie seinen größten Schatz.

Die Zeit verging. Der Freund mit dem Fernrohr wollte nachsehen, wo seine Gefährten waren. Er stellte das Rohr ein und sah den ersten Reisenden mit dem Teppich. Bald trafen sie sich. Dann suchten sie mit dem Fernrohr den dritten Freund und flogen auf dem Zauberteppich zu ihm.

Die drei setzten sich zum Ausruhen hin und erzählten von ihren Abenteuern.

„Was geschieht wohl gerade in unserem Königreich?“, fragte plötzlich einer.

Der Freund hob das Fernrohr ans Auge.

Sein Lächeln verschwand.

„Die Prinzessin ist krank. Im Schloss sind alle in Sorge.“

„Ich habe den Balsam!“, rief der dritte. „Aber wir sind zu weit weg.“

„Nicht zu weit“, antwortete der Besitzer des Teppichs. „Setzt euch!“

Der Teppich stieg in den Himmel auf. Wälder, Felder, Flüsse und Berge zogen unter ihm vorbei. Es dauerte nicht lange, da standen die drei Freunde schon am Schlosstor.

Traurig empfing der König sie.

„Die Ärzte tun alles, was sie können, doch meine Tochter ist sehr schwach geworden.“

Der dritte Reisende bat darum, helfen zu dürfen. Er ließ die Prinzessin den Duft des heilenden Balsams einatmen und stellte etwas davon neben ihr Bett. Die Prinzessin schlief ruhig ein und erwachte am Morgen mit neuer Kraft. Einige Tage später ging sie bereits im Garten spazieren.

Im Schloss wurde gefeiert.

Doch am Abend begannen die drei Freunde zu streiten.

„Ohne mein Fernrohr hätten wir von dem Unglück gar nichts erfahren“, sagte einer.

„Aber ohne meinen Teppich wären wir nicht rechtzeitig zurückgekommen“, widersprach der zweite.

„Und ohne den Balsam hätte unsere Schnelligkeit nichts geändert“, fügte der dritte hinzu.

Die Prinzessin hörte ihren Streit und sagte:

„Ihr habt alle recht. Kein Ding allein hätte mich gerettet. Ihr konntet mir gerade deshalb helfen, weil ihr eure Funde zusammengebracht und gemeinsam gehandelt habt.“

Der König dachte nach und stimmte zu:

„Das größte Wunder, das ihr von euren Reisen mitgebracht habt, ist also weder der Teppich noch das Fernrohr und nicht einmal der Balsam. Das Wichtigste ist, dass ihr Freunde geblieben seid und einander vertrauen konntet.“

Danach hörten die drei jungen Männer auf zu streiten. Auch die Prinzessin bat darum, dass niemand mehr für sie entscheiden solle, wen sie heiratete.

Einige Jahre vergingen. Sie wählte selbst den Mann, den sie liebte, und die drei Freunde blieben gern gesehene Gäste am Hof.

Eines Tages fuhr die Prinzessin mit ihrem Mann übers Meer in ein Nachbarland. Plötzlich erhob sich ein heftiger Sturm. Das Schiff wurde beschädigt, doch die Seeleute konnten die Boote rechtzeitig zu Wasser lassen. Die Prinzessin gelangte an eine unbekannte Küste, weit von zu Hause entfernt.

Inzwischen entdeckte der Besitzer des Fernrohrs sie an dem verlassenen Ufer. Von Zeit zu Zeit schaute er nach, ob es seinen alten Freunden gut ging.

„Sie lebt, aber sie braucht Hilfe!“

Ein paar Minuten später saßen die drei Freunde wieder auf dem Zauberteppich. Sie flogen an die Küste, brachten warme Kleider, Wasser und Essen. Der Balsam half der Prinzessin, nach der schweren Nacht wieder zu Kräften zu kommen.

„Zum zweiten Mal kommt ihr genau dann, wenn ich euch am dringendsten brauche“, sagte sie.

„Weil wir jetzt ganz sicher wissen“, antwortete einer der Freunde, „dass jeder von uns etwas Wichtiges tun kann. Aber zusammen können wir viel mehr.“

Sie brachten die Prinzessin nach Hause. Der König empfing sie am Schlosstor und ließ sie lange nicht aus seinen Armen.

Die drei Zauberdinge aber dienten noch viele Jahre lang weder der Prahlerei noch dem Wettstreit. Das Fernrohr half, Menschen zu entdecken, die Unterstützung brauchten. Der Teppich brachte rasch Hilfe dorthin, wo man auf sie wartete. Und den heilenden Balsam bewahrte man für die schwierigsten Fälle auf.

So merkte man sich im Königreich eine einfache Sache: Manchmal beginnt das größte Wunder nicht mit Zauberei, sondern damit, die Not eines anderen zu sehen, ihm zu Hilfe zu eilen und zu teilen, was man hat.