Cover: Warum das Streifenhörnchen Streifen auf dem Rücken hat

Vereinigte Staaten

Warum das Streifenhörnchen Streifen auf dem Rücken hat

Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.

Land
Vereinigte Staaten
Alter
5–9 Jahre
Dauer
6 Min.
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Warum das Streifenhörnchen Streifen auf dem Rücken hat

Eine alte Geschichte aus Nordamerika erzählt von einer Zeit, als die Welt noch jung war und Tiere und Vögel miteinander sprechen konnten.

Damals wanderte Napa, der Alte Mann, durch die Wälder.

Er war ein merkwürdiger Reisender.

Manchmal weise.

Manchmal ungeduldig.

Und manchmal so einfallsreich, dass selbst die Eichhörnchen hinter den Kiefern hervorsahen und flüsterten:

„Was wird er diesmal anstellen?“

An einem Sommertag ging Napa nach Norden.

Die Sonne stand schon tief.

Der Wald roch nach Harz und trockenen Nadeln.

Goldene Lichtflecken tanzten über den Pfad.

Napa war so in Gedanken, dass er beinahe niemanden bemerkte.

„Wohin gehst du?“, rief ein Eichhörnchen.

„Dorthin, wohin meine Füße mich tragen.“

„Und warum?“

„Das weiß ich, wenn ich angekommen bin.“

Das Eichhörnchen schnaubte und verschwand hinter dem Stamm.

Bald hörte Napa ein leises Rascheln im Gebüsch.

Rasch-rasch.

Noch einmal.

„Wer ist da?“

Unter den Wurzeln einer alten Kiefer erschien ein kleines Tier.

Es war flink, hatte spitze Ohren, runde Augen und einen buschigen Schwanz.

Sein Fell war schlicht braungrau, fast wie trockene Erde.

„Ich bin hier. Tritt nur nicht auf mich. Ich bin klein.“

Napa ging in die Hocke.

„Klein, aber schnell. Ich hätte dich fast übersehen.“

„Genau das ist mein Problem“, seufzte das Tier. „Alle im Wald haben etwas Besonderes. Der Eichelhäher hat schöne Federn. Das Rehkitz helle Flecken. Das Eichhörnchen einen großen Schwanz. Ich sehe aus wie ein Stück altes Laub.“

Napa sah das Tier an.

Dann den Boden.

Dann nach oben.

Durch die Kiefern fielen lange dunkle Schatten.

Dazwischen lagen schmale helle Streifen Sonnenlicht.

„Weißt du“, sagte Napa, „ich glaube, der Wald hat dein Muster schon erfunden.“

„Der Wald?“

„Dreh dich um.“

„Ich kann meinen eigenen Rücken nicht sehen!“

„Dann helfe ich.“

Napa öffnete einen kleinen Beutel mit verschiedenen Farben.

Er malte gern Holz, Steine und Dinge an, die er schöner machen wollte.

„Bleib still.“

„Tut es weh?“

„Vielleicht kitzelt es.“

Das kleine Tier stellte die Ohren auf, blieb aber sitzen.

Napa zog einen dunklen Streifen über seinen Rücken.

Dann einen zweiten.

Zwischen ihnen ließ er helle Linien, wie Sonnenwege zwischen den Schatten der Kiefern.

Nach einigen weiteren Strichen war ein unverwechselbares Muster entstanden.

„Fertig.“

Das Tier drehte sich im Kreis.

„Wo? Zeig!“

Napa führte es zu einer stillen Wasserstelle.

Die Oberfläche war glatt wie ein Spiegel.

Das Tier beugte sich hinunter und erstarrte.

„Das bin ich?“

„Du.“

„Und die Streifen gehören wirklich mir?“

„Von jetzt an.“

Das kleine Wesen drehte sich zur einen Seite, dann zur anderen, hob den Schwanz und wäre vor Begeisterung fast ins Wasser gefallen.

„Jetzt bin ich das schönste Tier im ganzen Wald!“

Napa lachte.

„Vorsicht. Schöne Streifen sind kein Grund, die Nase zu hoch zu tragen.“

„Wozu sind sie außer zum Schönsein gut?“

Napa blickte wieder zu den Kiefern.

„Wenn du zwischen Wurzeln läufst, helfen dir Schatten und Lichtstreifen, mit dem Waldboden zu verschmelzen. Und sie erinnern dich an die Kiefern. Denn die können ein kleines Tier wie dich gut ernähren.“

„Womit?“

Napa hob einen Kiefernzapfen auf und holte einen Samen heraus.

„Mit Samen und Nüssen. Wenn die Blätter gelb werden und es kälter wird, sammelst du sie und versteckst Vorräte. Im Winter wirst du deinem Sommer-Ich dafür dankbar sein.“

„Und wenn ich vergesse, wo ich etwas versteckt habe?“

„Dann wächst im Frühling vielleicht eine neue Kiefer. Der Wald wird dir nicht böse sein.“

Das Tier dachte nach.

„Dann kann ich Vorräte für mich sammeln und gleichzeitig dem Wald helfen?“

„Genau. Kleine Dinge können wichtig sein.“

Das Tier richtete sich stolz auf.

„Und wie heiße ich jetzt?“

Napa kniff die Augen zusammen, als würde ein Wort irgendwo durch die Luft fliegen.

„Streifenhörnchen“, sagte er schließlich. „Klein, schnell und gestreift.“

„Streifenhörnchen! Das gefällt mir.“

Es nahm den ersten Kiefernsamen und steckte ihn in die Backentasche.

Napa hob erstaunt die Augenbrauen.

„Wo ist der denn hin?“

Das Streifenhörnchen wollte antworten.

Mit voller Backe kam aber nur:

„Mfff!“

Napa lachte so laut, dass ein Specht mit dem Hämmern aufhörte und das Eichhörnchen wieder hinter seiner Kiefer hervorsah.

„Was ist passiert?“

„Der Wald hat einen neuen Sammler bekommen.“

Das Streifenhörnchen schluckte und rief:

„Und ein neues Kleid!“

Dann sauste es den Pfad hinunter.

Die dunklen und hellen Streifen auf seinem Rücken flackerten zwischen den Schatten der Kiefern.

Bald konnte man kaum noch erkennen, was Tier und was Sonnenlicht war.

Im Herbst sammelte es tatsächlich Samen.

Einen Teil fand es im Winter wieder.

Einen Teil vergaß es.

Und im Frühling wuchsen an manchen Stellen junge Bäume.

Seitdem, so erzählt man, tragen Streifenhörnchen die dunklen und hellen Linien des Waldes auf dem Rücken.

Sie erinnern daran, dass etwas Schönes gleichzeitig nützlich sein kann.

Und dass selbst ein kleines Tier Spuren hinterlassen kann, aus denen einmal ein großer Baum wächst.

Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨