

Vereinigte Staaten
Warum der Brachvogel einen langen gebogenen Schnabel hat
Ein Bembi-Märchen für Kinder und Familien.
- Land
- Vereinigte Staaten
- Alter
- 5–9 Jahre
- Dauer
- 7 Min.

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Warum der Brachvogel einen langen gebogenen Schnabel hat
In alten Geschichten, als Tiere noch miteinander sprechen konnten, wanderte ein Held durch das Land, den man den Alten nannte.
Er war neugierig, erfinderisch und manchmal wirklich klug.
Doch eine Gewohnheit brachte ihn immer wieder in Schwierigkeiten:
Wenn er sah, dass jemand etwas Interessantes konnte, wollte er sofort beweisen, dass er es ebenfalls konnte.
Auch wenn man ihn warnte.
Auch wenn er besser hätte warten sollen.
An einem Frühlingstag ging der Alte an einem Bach entlang.
Nach dem Winter war der Boden weich.
Schmelzwasser tropfte von den Ufern.
Die Sonne wärmte bereits kräftig.
Da hörte er feine Stimmen und Lachen.
Unter einem großen flachen Stein spielten Mäuse.
Der Stein ragte aus einer steilen Böschung und saß nicht besonders fest.
Die Mäuse hatten darunter ein Spiel erfunden.
Ihr Anführer sang ein kurzes Lied.
Dann rief er:
„Eins, zwei, drei, los!“
Die Mäuse huschten unter dem Stein hindurch auf die andere Seite.
Dann erklang das Lied erneut.
„Eins, zwei, drei, zurück!“
Und alle kamen wieder.
Tipp-tipp-tipp!
Rasch-rasch!
Piep-piep!
Der Alte lachte.
„Was für ein Spiel! Ich mache mit.“
Die Mäuse hielten sofort an.
„Besser nicht“, sagte ihr Anführer.
„Warum?“
„Wir sind klein und leicht. Der Boden unter dem Stein ist weich. Du bist viel schwerer. Wenn du darunter durchläufst, kann die Böschung nachgeben.“
Der Alte winkte ab.
„Ich kann ausgezeichnet laufen!“
„Es geht nicht darum, wie schnell du bist. Dieses Spiel passt zu uns. Vielleicht nicht zu dir.“
Doch der Alte stand schon am Start.
„Sing!“
Die Mäuse sahen einander an.
„Vielleicht lassen wir es lieber.“
„Sing! Ihr werdet schon sehen, wie man richtig läuft.“
Der Anführer seufzte.
„Eins, zwei, drei, los!“
Der Alte rannte.
Bumm!
Bumm!
Bumm!
Unter seinen Schritten vibrierte der weiche Boden.
Erdklumpen lösten sich.
„Vorsicht!“, schrien die Mäuse.
Zu spät.
Rutsch!
Rumpel!
Der große Stein glitt herunter und drückte den Alten in den feuchten Boden.
Er wurde nicht verletzt.
Doch Mantel und Kleidung waren so fest eingeklemmt, dass er nicht aufstehen konnte.
„Hilfe!“
Die Mäuse liefen los, um jemanden Stärkeren zu holen.
Als Erster kam der Kojote.
„Was ist passiert?“
„Der Stein hält mich fest. Zieh ihn weg!“
Der Kojote ging um den Stein, stemmte die Pfoten dagegen und versuchte ihn zu bewegen.
„Das braucht Zeit. Beweg dich nicht so viel, sonst sinkst du tiefer in den Schlamm.“
Dem Alten war kalt, unbequem und peinlich, dass die Mäuse recht gehabt hatten.
„Ist das etwa Hilfe? Zieh stärker!“
Der Kojote versuchte es erneut.
Der Alte wurde noch ungeduldiger.
„Nicht so! Nicht in diese Richtung! Ich könnte es selbst besser!“
Der Kojote setzte sich auf den Schwanz.
„Wenn du alles besser weißt, störe ich dich nicht.“
Er ging davon.
„Warte!“
Doch der Kojote war schon hinter den Büschen verschwunden.
Da erklang über dem Bach ein langer Ruf.
„Kru-liii! Kru-liii!“
Ein Brachvogel landete am Ufer.
Damals, so erzählt die Geschichte, war sein Schnabel kürzer und gerader als heute.
„Warum rufst du so laut?“
„Ein Stein hält mich fest. Hilf mir!“
Der Brachvogel betrachtete den Stein, den nassen Boden und den Rand des Mantels, der darunter eingeklemmt war.
„Den Stein kann ich nicht allein heben. Aber vielleicht kann ich Erde darunter wegpicken, damit weniger Druck auf deinem Mantel liegt.“
Er begann zu arbeiten.
Pick-pick.
Rasch-rasch.
Hier ein Stück Erde.
Dort ein Klumpen Schlamm.
Die Arbeit ging langsam.
Der Alte begann wieder zu zappeln.
„Schneller! Bald ist Abend.“
„Wenn wir zu schnell arbeiten, sinkt der Stein vielleicht tiefer. Wir müssen vorsichtig sein.“
Der Vogel arbeitete weiter.
Endlich wurde der Mantelrand etwas lockerer.
„Jetzt zieh dich langsam zurück. Ich halte den Stoff mit dem Schnabel fest und helfe.“
Der Brachvogel packte den Mantel.
Der Alte zog.
Einmal.
Noch einmal.
Fast war der Stoff frei.
Da rutschte der Alte im Schlamm aus.
Um nicht mit dem Gesicht voran zu fallen, griff er nach dem ersten, was er erreichen konnte.
Nach dem Schnabel des Brachvogels.
„Au!“
Der Alte zog in eine Richtung.
Der erschrockene Vogel schlug mit den Flügeln in die andere.
Zieeeh!
Der Schnabel wurde lang.
Noch länger.
Und bog sich nach unten.
Gleichzeitig glitt der Mantel endlich unter dem Stein hervor.
Der Alte rollte auf trockenen Boden.
Der Brachvogel setzte sich ans Wasser und drehte vorsichtig den Kopf.
„Was hast du mit meinem Schnabel gemacht?“
Der Alte, völlig voller Schlamm, setzte sich neben ihn.
„Verzeih. Das war ein Unfall. Du hast mir geholfen, und ich wurde wieder ungeduldig.“
Der Brachvogel sah sein Spiegelbild im Wasser.
Der Schnabel war wirklich merkwürdig.
Lang.
Dünn.
Gebogen.
„Was soll ich damit anfangen?“
In diesem Moment bewegte sich etwas im weichen Schlamm am Ufer.
Der Vogel steckte den neuen Schnabel hinein.
Ganz leicht holte er eine kleine Wasserlarve heraus.
Er versuchte es noch einmal.
Zwischen zwei Steinen fand er einen Wurm.
Und noch einmal.
Nun erreichte er Futter an Stellen, an die sein kurzer Schnabel früher nie gekommen wäre.
Der Brachvogel blinzelte.
„Hm. Eigentlich ist er ziemlich praktisch.“
Die Mäuse kamen zurück und piepsten begeistert.
„Schöner Schnabel!“
„Sehr ungewöhnlich!“
„Perfekt für das Ufer!“
Der Brachvogel betrachtete sich noch einmal.
„Gut. Dann behalte ich ihn.“
Der Alte stand auf und klopfte den Mantel ab.
„Ich merke mir auch etwas.“
„Was?“, fragte der Mäuseanführer.
„Wenn kleine Mäuse sagen, dass ein großes Spiel nicht für mich geeignet ist, sollte ich zuerst nachdenken und erst danach beweisen wollen, wie geschickt ich bin.“
Die Mäuse lachten.
Der Brachvogel breitete die Flügel aus.
„Und mit jemandem, der dich rettet, solltest du höflich sprechen.“
„Das auch.“
Der Vogel flog über den Bach.
Sein langer Ruf zog durch die Luft:
„Kru-liii! Kru-liii!“
Seitdem, so erklärt die alte Geschichte, haben Brachvögel lange gebogene Schnäbel.
Und jedes Mal, wenn einer damit im weichen Ufer nach Nahrung sucht, kann man sich an den Tag erinnern, an dem die Ungeduld eines anderen ihm aus Versehen ein sehr nützliches Werkzeug schenkte.
Und der Alte?
Er ging weiter.
Ob er danach immer auf gute Ratschläge hörte?
Nun...
Das wäre eine andere Geschichte.
Möge dieses Märchen ein wenig Licht im Herzen hinterlassen ✨
